
- Umwelt - Werner Hoffmann
Ein Themenfeld erfreut sich nicht erst seit der Ölkrise die durch die Deepwater Horizon verursacht wurde immer wachsender Beliebtheit – Umweltschutz. Seit Februar 2007 ist man auf Grund der steigenden Klimaspitzen und der weltweiten Aufmerksamkeit für die Belange des Klimawandels offener für diese Themenkomplexe geworden. Bereits in den 70ern begann sich auch der Jorunalismus auf Umweltthemen zu stürzen und diese auszuschlachten. Umweltjournalismus durchlebt eine Rennaissance – er wird Retro. Um dieser Entwicklung Tribut zu zollen und die Mechanismen der Umweltkommunikation besser zu verstehen widmet sich dieser Artikel dieser hochaktuellen Arbeit auf professionellem Niveau. Defizite und Problemstellen werden sich systematisch entfalten. Dazu bedarf es auch einer genaueren Betrachtung der historischen Entstehung medienwirksamer Umweltthemen.
Ende der 60er Jahre starten zwar bereits erste Umweltforen, da eine kleine Öffentlichkeit begann sich verstärkt für Umweltschutzbelange zu interessieren, der Durchbruch kam aber erst in den 70ern durch die Theoretisierung von Katastrophenszenarien. Unter anderem war die Nutzung der Atomenergie mit ein Grund. Mitte der 1980er etablierte sich das Thema jedoch erst so richtig. Vor allem der Reaktorunfall von Tschernobyl hat der Umweltbewegung neuen Auftrieb gegeben und gilt vielerorts als Gründungspunkt von politischen Umweltbewegungen. In Deutschland wie in Österreich etablierten sich die Grünen bundesweit als vierte Kraft. An sich noch eine rebellische Konfrontationsbewegung, wandelte man sich im Laufe der 1990er Jahre zu einer konsenspolitischen Partei. Davor war man für Aufreger in den Medien gut, danach flaute zwar die Berichterstattung ab, aber die Kooperation und gemeinsame Lösungssuche in der Umweltpolitik begann.
Wie Umweltjournalismus funktioniert
Umweltjournalismus bezeichnet die Behandlung von Umweltthemen in den Medien. Ziel des Umweltjournalismus ist es die Bevölkerung über umweltrelevante Themen und deren Zusammenhänge zu informieren. Entscheidend ist dabei der jeweilige Standpunkt, die Sichtweise und Deutung der Thematik. Auch seitens der Umweltpolitik ist man an einer möglichst hohen Verbreitung interessiert. Die Politikwissenschaftlerin und Ökologin Annett Krämer ist der Meinung, dass die Umweltpolitik folglich auf die Massenmedien angewiesen sei und ihre Maßnahmen, Programme und Entscheidungen einer Veröffentlichung bedürften. Das habe zum Ziel, dass die Bürger überhaupt davon Kenntnis nähmen und die Fakten richtig einordnen, beurteilen und bewerten könnten. Je komplexer die Problemlagen, umso höher sei der Bedarf an Information und Orientierungshilfe. Das wiederum ermögliche laut Krämer erst, dass politische Programme, Entscheidungen und Maßnahmen mit Unterstützung der Bürger durchgesetzt werden könnten.
Wir haben es also beim Umweltjournalismus mit einem Dualismus gegenseitiger Abhängigkeit zu tun. Umweltpolitik sei nach Krämer auch als Bildungsinstanz zu sehen, welche jedoch nur durch die Medienöffentlichkeit didaktisch wirksam sein könne. Den Medien spricht sie dabei ein relativ hohes Einflusspotential zu. Die Autorin nimmt zur Untermauerung ihrer These die Empfehlung der UNESCO zur Hand. Die UNESCO empfiehlt dabei den Massenmedien keine widersprüchlichen, inkonsistenten Informationen zu vermitteln, da sonst die Bevölkerung in ihrem Verhalten nur verunsichert anstatt bestärkt werde. Dennoch konstatiert Krämer den Medien durchaus nachhaltig auf Verhaltensdispositionen und umweltpolitische Handlungen einzuwirken. Sie ist der Ansicht, dass angesichts der erheblichen Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungsträgern und Betroffenen die Medien eine Transferfunktion übernehmen könnten. In gewissem Sinne sei da auch gesellschaftlich und politisch eine Steuerung möglich.
Den Medien kommt auch nach Meinung der Klimatologin Helga Kromp-Kolb eine Mittler- und Übersetzerrolle in Bezug auf Umweltthemen zu. Zudem hätten sie die Macht, Umweltprobleme, die von der Wissenschaft aufgezeigt werden, so zu publizieren, dass die Politik darauf aufmerksam werden kann und diese Themen dann aufnimmt. Dies geschehe nämlich häufig erst dann, wenn diese Thematiken durch die Medien Bedeutung gewonnen hätten.
Jede journalistische Berichterstattung reagiert auf die Berichterstattung von anderen Journalisten und schafft sich somit seine eigene Wirklichkeit durch Selbstbeobachtung. Es entstehen dabei Reaktionen auf das Beobachtete. Auch im Umweltjournalismus trifft dies zu und entwickelt oft im Schneeballeffekt neue Erkenntnisse und automatische Verbreitung.
Probleme?
Ein Problem tut sich jedoch auf bei dieser scheinbar selbst arbeitenden Maschine, die sich ständig durch neue Informationsflüsse selbst füttert: Umweltphänomene werden erst dann medial zu Umweltproblemen, wenn sich wissenschaftlich erhobene Daten und deren Auswertung als resonanzfähig in der Gesellschaft erweisen und somit Akzeptanz seitens der Kommunikation erhalten. Das ist zumindest die Meinung von Gerhard de Haan, der subjektiven Empfindungen und spezifische Kulturkreise dafür verantwortlich macht. Er beschränkt sich dabei nicht auf rein ethnische Grenzen sondern auch unterschiedliche Bevölkerungsschichten.
Der Schweizer Michael Schanne ist zudem der Meinung, dass Umweltberichterstattung nicht den tatsächlichen Entwicklungen bestimmter Umweltprobleme folge. Vielfach würden in der journalistischen Praxis fremde und äußerliche Kriterien zur Beurteilung herangezogen. In vielen Redaktionen fehle auch die nötige qualitative Infrastruktur um Umweltthemen kompetent kommunizieren zu können.
Abschließend bleibt zu sagen, das Umweltberichterstattung also ein hochmodernes journalistisches Feld ist, welches nur darauf wartet von hungrigen Journalisten beackert zu werden. Es bietet einerseits viel Brisanz und Potenzial und wie wir gesehen haben ist es nicht nur Teil des Gesamtdiskurses, sondern bietet auch die Möglichkeit den Diskurs aktiv mitzugestalten und gewisse Einzelthemen zu forcieren.
Literatur dazu:
- Annett Krämer: Ökologie und politische Öffentlichkeit. München 1986.
- Gerhard de Haan (Hg.): Umweltbewußtsein und Massenmedien. Berlin 1995.
- Michael Schanne: Umweltberichterstattung in schweizerischen Printmedien. In: Umweltschutz Stadt Luzern (Hg.): Umwelt und Kommunikation. Luzern 1998.
