Umweltpiraten bringen Natur und Jugend zusammen

Pilotprojekt zur Unterstützung bildungsferner Jugendlicher in Weimar

Die Testphase startete mit einer Hauptschulklasse - Patricia Kutsch
Die Testphase startete mit einer Hauptschulklasse - Patricia Kutsch
In der Gemeinde Weimar im Landkreis Marburg-Biedenkopf werden Kanutouren für bildungsferne Jugendliche angeboten, um Erlebnisse in der Natur zu vermitteln.

Anja Gretzschel, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Kanutouristik (BKT), erläutert, dass es neben Weimar im Landkreis Marburg-Biedenkopf zwei weitere Modellregionen gebe in denen das Projekt 2009 gestartet wurde. Ziel sei es in diesen Modellregionen, Kanuerlebnisprojekte zu erarbeiten. Nach Weimars Bürgermeister Volker Muth (SPD) wolle man „Jugendliche, die weniger gute Chancen haben“ erreichen und ihnen Erlebnisse anbieten, „durch die sie ein gutes Gefühl bekommen und damit Selbstbewusstsein entwickeln und schöne Erfahrungen machen“. Wie Siegfried Koch als Vertreter des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anfügt, solle so zudem die Rücksichtnahme auf die Natur gestärkt werden.

Natur ist wesentlicher Teil des Projekts

„Da der Naturbezug ein wesentlicher Eckpfeiler dieses Projekts ist und das Kanufahren dabei eine große Rolle spielt, bietet sich die Einstiegsstelle in Roth natürlich an“, so Muth. Über Kilometer habe man den Fluss in seinem Ursprung gelassen, Kanäle und Schleusen gebe es hier nicht.

„Für viele ist Natur heute ein Fremdwort“, sagt Kersten Rusch, Geschäftsführer von Lahntours in Weimar-Roth. Das Projekt richte sich daher nicht nur an bildungsferne Kinder und Jugendliche in der ganzen Region, sondern auch an solche, die man „erst noch vom Bildschirm weg locken muss“ und die nicht so einen leichten Zugang zu Freizeitangeboten haben.

Nach Auskunft von Weimars Jugendpfleger Marcus Ott startete die Testphase im Sommer 2009 bereits mit einigen Klassen aus Haupt- und Sonderschulen. „Im Sommer 2010 soll es dann richtig losgehen!“ Dann wolle man sich allerdings nicht nur auf Angebote rund um das Kanufahren beschränken, denn es gehe Grundsätzlich darum, „ohne Laborcharakter, sondern in der freien Natur Spaß an der Bewegung und Sozialkompetenzen zu vermitteln“.

Projekt von der UNESCO ausgezeichnet

Bei diesem Bildungsprojekt, dass von der UNESCO mit dem Siegel „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet wurde, „sitzen alle in einem Boot“, so der Bürgermeister. Neben Gemeinde, Kanutourismus und Naturschutz sei ebenso die Philipps-Universität Marburg beteiligt. „Der Fachbereich Geografie hat die wissenschaftliche Begleitung und die Evaluation übernommen“ freut sich Gretzschel.

Laut der Geschäftsführerin sei es eine große Herausforderung, solche Angebote für bildungsferne Kinder und Jugendliche zu schaffen, da diese meist auch aus finanzschwachen Verhältnissen kommen. Damit das Projekt finanziert und zudem über die Testphase hinaus erhalten und weiterentwickelt werden kann, wurde der Förderverein „Umweltpiraten“ gegründet. „Wir wollen das Thema möglichst weit in die Öffentlichkeit bringen, denn wir brauchen Unterstützung“, so der Verwaltungschef von Weimar. Daher sei jeder Interessierte zu einer Mitgliedschaft im Verein eingeladen, denn man brauche sowohl finanzielle als auch tatkräftige Hilfe durch Sponsoren und Privatpersonen. „Es geht hier nicht um Geldgewinn und Wirtschaftlichkeit, denn wir gewinnen vielmehr durch die Vermittlung von positiven Erfahrungen“.

Patricia Kutsch, Patricia Kutsch

Patricia Kutsch - Ich bin in Marburg geboren und lebe noch heute im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Von 2005 bis August 2010 war ich dort für die ...

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