Umwelttechnische Berufe

Als Azubi Nachhaltigkeit lernen

Die Zukunft der Umwelt sichern - Stefan Dassler
Die Zukunft der Umwelt sichern - Stefan Dassler
In den UT-Berufen können Auszubildende die Zukunft der Umwelt mitgestalten und Nachhaltigkeit lernen.

Der BegriffNachhaltigkeit wurde im Jahr 1987 von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung folgendermaßen definiert:

„Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“

Gleichrangige Ziele des Konzeptes der Nachhaltigkeit sind soziale Gerechtigkeit, ökologische Verträglichkeit und ökonomische Leistungsfähigkeit (Dreieck der Nachhaltigkeit). Die berufliche Bildung ist in besonderer Weise gefordert, weil in ihr ökonomische, ökologische und soziale Aspekte und in letzter Zeit verstärkt auch die globalen Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar werden.

Der Begriff Nachhaltigkeit wird in der beruflichen Bildung in zweifacher Hinsicht verstanden. Zum einen im Sinne von Dauerhaftigkeit bzw. nachhaltiger Wirksamkeit von Maßnahmen der beruflichen Bildung. Unter dieser Perspektive relevant sind vor allem das Problem des erfolgreichen Transfers von Innovationen sowie die anhaltende Wirksamkeit von beruflichen Lehr-Lernprozessen.

Zum anderen im Sinne der Agenda 21 der Vereinten Nationen von Rio de Janeiro. Hier stellt sich die Herausforderung, in der Berufsbildung einen spezifischen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten und dementsprechende lernende Kompetenzen zu fördern. Diese sind notwendig, um nachhaltigkeitsrelevante Aspekte des beruflichen Handelns zu erkennen und zu berücksichtigen.

Jedes Berufsfeld, jeder Ausbildungsberuf ist von dem Leitbild der Nachhaltigkeit in spezifischer Weise betroffen. Darüber hinaus gibt es jedoch auch einige berufsübergreifende Kompetenzen, die von Auszubildenden verlangt werden. Beispielsweise:

  • kostenbewusstes Arbeiten
  • Übernahme von Verantwortung für die ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen beruflichen Handelns
  • Rechtskenntnisse
  • Grundsätzliche Kenntnis und Berücksichtigung von nationalen und gegebenenfalls internationalen Sozial- und Umwelt-Standards
  • schonender Umgang mit Ressourcen (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe; Wasser Energie)
  • Vermeidung/Reduzierung von Emissionen.

Der Nachhaltigkeitsgedanke bei den umwelttechnischen Berufen

Durch die vier umwelttechnischen Berufe (Fachkraft für Wasserversorgungstechnik, Fachkraft für Abwassertechnik, Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice) ist eine Grundlage einer fachlichen Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung gelegt.

Wichtige inhaltliche Anknüpfungspunkte dafür liegen in den zu vermittelnden Themenfeldern Umweltschutztechnik, ökologische Kreisläufe und Hygiene sowie in den drei Schwerpunkten Stoffströme, Logistik und Disposition. Ein methodischer Anknüpfungspunkt liegt darin, dass der Berufsschulunterricht an Lernfeldern orientiert sein soll und der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen eine große Bedeutung zugemessen wird.

Nachfolgend werden die vier umwelttechnischen Berufe mit ihren Arbeitsgebieten, Lerninhalten und Weiterbildungsmöglichkeiten kurz skizziert.

Fachkraft für Wasserversorgungstechnik

Das Arbeitsgebiet der Fachkraft für Wasserversorgungstechnik sind kommunale und industrielle Betriebe der Wasserversorgung. Sie bedienen, überwachen, inspizieren, warten und reparieren die Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung, -förderung, -speicherung und -verteilung. Zudem entnehmen sie zur Eigenüberwachung des Lebensmittels „Trinkwasser“ Proben, bestimmen Qualitätsparameter und bewerten diese.

Der Nachhaltigkeitsgedanke äußert sich insbesondere in einem kosten-, umwelt- und hygienebewussten Arbeiten. Zudem wird kundenorientiert gehandelt und entsprechende Informations- und Kommunikationstechniken angewandt.

Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen zum Wassermeister/in, Industriemeister/in Rohrnetz und Rohrbetrieb, Techniker/in Wasserversorgungstechnik und zum Techniker/in Umweltschutz.

Fachkraft für Abwassertechnik

Fachkräfte für Abwassertechnik arbeiten im Bereich von Entwässerungsnetzen sowie der Abwasser- und Klärschlammbehandlung in kommunalen und industriellen Kläranlagen. Sie führen Messungen im Abwasserbereich und analytische Bestimmungen zur Prozess- und Qualitätskontrolle durch.

Der Nachhaltigkeitsgedanke äußert sich u. a. in Überwachung und Dokumentation der Einhaltung rechtlicher Vorschriften. Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen zum Abwassermeister/in, Techniker/in Abwassertechnik und Techniker/in Umweltschutz.

Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft

Das Arbeitsgebiet der Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft sind Entsorgungsunternehmen wie z. B. Glas- und Papierrecycling, Deponien, Kompostierungsanlagen und chemisch-physikalische Behandlungsanlagen. Sie identifizieren, untersuchen und deklarieren Abfälle und ordnen sie Entsorgungssystemen zu.

Der Nachhaltigkeitsgedanke besteht u. a. im Inspizieren, Warten und Reparieren der Anlagen der Abfallverwertung, Abfallbehandlung und Abfallbeseitigung.

Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen zum Städtereinigungsmeister/in, Techniker/in Abfalltechnik und Techniker/in Umweltschutz.

Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice sind in privaten, öffentlichen und industriellen Unternehmen der Rohr- und Kanaltechnik, Industriereinigung und -wartung tätig. Sie reinigen industrielle und abwassertechnische Anlagen unter Berücksichtigung arbeitsvorbereitender Maßnahmen, der Arbeitssicherheit und des Umweltschutzes.

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist u. a. in der Dokumentation von Arbeits- und Betriebsabläufen und entsprechender Auswertung zu sehen. Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen zum Abwassermeister/in und zum Techniker/in Umweltschutz.

Kontaktadresse für weitere Informationen:

Bundesinstitut für Berufsbildung, Friedrich-Ebert-Allee 38, 53113 Bonn

Literaturhinweise:

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung. Machbarkeitsstudie im Auftrag des BMBF. Bonn, 2001.
  • Dassler, S.: Berufswahl und Ausbildungsstellensuche. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 2005.
Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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