Umweltschützerin Jutta Kill gibt zu, dass der Ansatz des Emissionshandels gut ist: wer viel verschmutzt, soll viel bezahlen. Die einfache Rechnung geht aber leider nicht auf. Juttas Recherchen belegen, dass – ganz im Gegenteil – einige der großen Verschmutzer Millionen-Gewinne mit dem CO2 Handel verbuchen. Energieversorger, die zu den größten Umweltsündern gehören, haben bisher vom Emissions-Rechtehandel am meisten profitiert.
Umweltverschmutzende Firmen können Emissionskredite erwirtschaften, indem sie in u.a. äußerst dubiose Projekte zum Klimaschutz in Entwicklungsländern investieren. Damit erwirtschaften sie CO2 Kredite, die sie dann auf der CO2 Börse verkaufen – manchmal mit erheblichen Profit. Der zweite Fehler in der Gleichung: Die Baumplantagen, die Emissions-Kredite erwirtschaften, schaden der Umwelt manchmal mehr, als dass sie ihr nützen.
Energieversorger machen Millionengewinne auf der CO2-Börse
Energie-Berater wie Franck Schuttellar schätzen, dass britische Energieversorger im ersten Jahr des Emissionshandels, zusammen 940 Millionen Pfund (1.4 Milliarden Euro) Profit mit Emissionszertifikaten erwirtschaftet haben. Der Emissions-Markt ist in Großbritannien förmlich explodiert: Eine ganze Industrie mit verschiedensten Akteuren ist entstanden. Berater, Händler und Investment-Banken reiben sich die Hände, denn sie haben schnell verstanden, dass sich mit Umweltschutz Geld verdienen lässt. Die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley plant zum Beispiel drei Milliarden US Dollar in den nächsten fünf Jahren in den Emissions-Markt zu investieren.
Jutta arbeitet für SinksWatch eine Umweltschutz-Organisation, die den Emissions-Markt kritisch beurteilt.
Zwangsevakuierung von Bauern in Uganda
Sie hat Firmen und Organisationen unter die Lupe genommen, die in Aufforstungsprojekte in afrikanischen und asiatischen Ländern investiert haben. Eines der Projekte in Uganda sah von weitem wie ein lobenswerter Ansatz aus: Bäume sollten am Rand des Mount Elgon Nationalpark in Ostuganda gepflanzt werden. Die Face Foundation, eine von den niederländischen Energieversorgern gegründete Organisation, wollte mit diesem Aufforstungsprogramm CO2 Kredite erwirtschaften, die sie dann an Flugpassagiere verkaufen wollte. Aber für die Bauern, die einst am Rande des Parks lebten, ist das Programm alles andere als ein Segen. Sie wurden von ihrem Land zwangsevakuiert und kämpfen seit fast 20 Jahren darum, es wieder zu erlangen.
Alles und nichts kann als CO2 Kredit verkauft werden
Aufforstungsprojekte, die etwa 20 Prozent des Emissions-Handels ausmachen, sieht Jutta Kill besonders kritisch, denn erstens ist es schwer vorauszusagen, ob der Baum lange genug steht, um irgendwelche Emissionen auszugleichen. Es fehlen allgemein verbindliche Richtlinien für ein Mindestalter von Bäumen, die nach Berechnungen einiger Wissenschaftler mindestens 100 Jahre stehen müssen, bevor man von einem nennenswerten CO2 Ausgleich sprechen kann. Zweitens werden nicht immer die besten Bäume ausgesucht. Wenn in Uganda landesfremde Arten wie Kiefern oder Eukalyptusbäume in Monokulturen gepflanzt werden, dann kann man davon ausgehen, dass die Umwelt mehr Schaden als Nutzen von den Baumplantagen erfährt.
Wem gehört das Land?
Die Bauern, die einst am Rande des Mount Elgon Nationalparks lebten, erzählen, dass sie von Parkwächter vor 15 Jahren mit Gewalt evakuiert wurden. Ihre Häuser brannten, ihr Land wurde ihnen weggenommen. Ob es wirklich ihr Land ist, ist nicht ganz klar: Jahrelange politische Unruhen in Uganda haben zu äußerst undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen geführt. Das Land der Bauern war einst Teil des Nationalparks.
War die Face Foundation im Recht es den Bauern einfach wegzunehmen? 1994 fing die Organisation an die ersten der geplanten 3.4 Millionen Bäume zu pflanzen, investierte 4 Million US-Dollar in das Projekt, um ab 2002 Emissions-Kredite zu verkaufen. Die Organisation konnte nicht damit rechnen, dass sich die Bauern so stark machen würden und dass ihnen eine einstweilige Verfügung wieder Zugang zu „ihrem“ Land garantieren würde. Die verärgerten Bauern fällten eine halbe Million Bäume, sobald sie wieder einzogen.
Von den Bäumen, die Emissionen ausgleichen sollten, stehen nur noch Stümpfe. Bäume zu pflanzen, so scheint es, kann nur dann einen Kredit bringen, wenn am Ende alle als Gewinner dastehen.
