Es ist der Klassiker schlechthin unter den „Wie nennt man eigentlich ...“-Fragen: Wie heißt das Ding, welches man am Kassenband im Supermarkt zwischen die Einkäufe der verschiedenen Kunden stellt? Fernsehmagazine und unzählige Internetforen haben sich an dieser sprachlichen Forschungsaufgabe bereits versucht. Mit Erfolg?
Begriffe, die noch erfunden werden müssen
Dem britischen Dichter Shakespeare wird nachgesagt, er habe rund 1.700 Worte erfunden, so etwa den englischen Begriff „bump“ (Beule, Buckel). Auch der Name Wendy soll eine Neuschöpfung für das Buch „Peter Pan“ gewesen sein. Trotz solch linguistischen Ideenreichtums früherer Generationen gibt es immer wieder Dinge, für die anscheinend keine offizielle Bezeichnung existiert.
Wer weiß etwa, wie die ersten zehn Jahre des gegenwärtigen Jahrtausends genannt werden? Vorschläge gibt es durchaus. Die soeben vergangene Dekade wurde im Internet von Lesern der bekannten Zwiebelfisch-Kolumnen unter anderem folgendermaßen betitelt: Nuller, Postneunziger, Vorzehner, Dekade eins oder Millies (offenbar abgeleitet von Millenium). Gelegentlich in der Umgangssprache zu hören ist aber mittlerweile auch der Begriff „Zweitausender“. Dabei stellt sich allerdings gleich die nächste Frage: Wie nennt man eigentlich das Jahrzehnt zwischen 2010 und 2020? Wir dürfen gespannt sein!
Ähnlich rätselhaft ist es um das bekannte Plastikgerät inklusive Farbpatrone bestellt, welches Kleidungsstücke vor Diebstahl schützen soll. Heißt es einfach nur ganz allgemein Diebstahlsicherung oder doch eher Sicherheits-Sprengsatz? Ebenfalls in den Filialen der großen Textilketten findet der aufmerksame Kunde an den Kleiderständern namenlose Ringe, welche die einzelnen Konfektionsgrößen unterteilen. Fragen über Fragen ...
Ein kleines Metallteil, welches am oberen Ende des Bleistiftes den Radiergummi umschließt, sucht nicht minder dringend einen bevölkerungsweit akzeptierten Namen. Vielleicht sollten wir uns dabei ausnahmsweise einmal an den Briten ein Beispiel nehmen: Sie bezeichnen besagtes Bauteil einfach als „Ferrule“, was im Deutschen soviel wie „Hülse“ bedeutet ...
Weitgehend unbekannte Bezeichnungen
Es gibt jedoch auch Dinge, die nur scheinbar namenlos vor sich hin existieren. Ihre korrekte Bezeichnung hat sich offenbar einfach nicht durchgesetzt. Dazu gehört die „liegende Acht“ , also das mathematische Zeichen für Unendlichkeit, welches den eleganten Namen „Lemniskate“ trägt. Wer wiederum besonders kunstgerecht vom Füllniveau einer Flasche reden möchte, verwendet das so herrlich fachmännisch klingende Wort „Ullage“.
Als Epithalamium wiederum bezeichnet man auf galante Weise ein Hochzeitsgedicht. Doch Vorsicht: In früheren Zeiten umschrieb der Begriff meist recht anzügliche Verse hinsichtlich der Hochzeitsnacht...
Selbst bestimmte Körperregionen sind von der rätselhaften Wortsuche betroffen. Vorhandene Lösungen haben sich hier vermutlich nicht etablieren können, weil die entsprechenden Begriffe zu sehr nach Medizinersprache klingen. Zu dieser Kategorie zählen beispielsweise:
- Lunula (die hinteren, hellen Felder bei Finger- und Fußnägeln)
- Kolumella (der von außen sichtbare Steg zwischen den Nasenlöchern)
- Tragus (der kleine, halbrunde Teil des Ohrs direkt vor dem Hörkanal)
Die Namen anderer Gegenstände wiederum sind nur deshalb fast gänzlich unbekannt, weil die entsprechenden Begriffe meist in anderem Sinn verwendet werden. So nennt man die Löcher im Schweizer Käse schlichtweg „Augen“. Das ringförmige Drahtgestell, auf dem ein Lampenschirm sitzt, ist ebenfalls kein wirklich namenloser Gegenstand. Man sagt dazu ganz musikalisch „Harfe“.
Das Ding am Kassenband ...
Aber wie nennt man nun eigentlich die eingangs erwähnten „Dinger am Kassenband“? Theoretisch müssten ja zumindest deren Produzenten das richtige Wort kennen. Doch anscheinend gingen jene mit ihrem Wissen bisher nicht hausieren. So mussten sich die Verbraucher eben einmal mehr selbst helfen und haben bereits zahlreiche interessante Vorschläge zusammengetragen. Zu den aussichtsreichen Kandidaten zählen dabei vermutlich die Begriffe Warenteiler, Warentrenner, Seperator oder Kassenbandriegel.
Quellen:
Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Folge 2. Kiepenheuer und Witsch 2005;
Mitch Symons: Wussten Sie schon. Goldmann-Verlag 2004;
Mitch Symons: Wussten Sie das auch schon. Goldmann-Verlag 2005.
