
- Und dann kam der Regen - Piffl Medien
Ein Filmteam fährt nach Bolivien, wo es ein Projekt über die Ankunft Christoph Kolumbus in Südamerika drehen will - so politisch fair wie möglich, will heißen schonungslos historisch ehrlich.
"Und dann kam der Regen": Ein Filmteam will einen Film über Christoph Kolumbus drehen
Die Kamera fängt ein, was sich der ehrgeizige Regisseur Sébastian so vorgestellt hat: Der Weltumsegler entdeckt einen goldenen Ohrring als Schmuckstück am Kopf einer Indiofrau, was zum blutigen Verhängnis für ein ganzes Volk wird.
In Ketten gelegt, waschen die Eingeborenen Gold bis zum Umfallen, werden mit Amputationen bestraft, wenn die tägliche Ausbeute zu klein ausfällt. Ganz zu schweigen vom Sakrileg der Indios: Das Gold gehört Mutter Erde, das täglich vor ihren Augen und mit ihren eigenen Händen begangen wird.
"Und dann kam der Regen": Rassismus und Kolonialismus noch immer aktuell in Südamerika
Als während der Dreharbeiten aufgrund einer regierungspolitisch angeordneten Wassersperre im Siedlungsgebiet der Indios die Polizeigewalt gegen die protestierenden Einheimischen vorgeht, scheinen sich Argwohn, Missgunst, Arroganz wieder in den Schwanz der Katze namens rassistisch motivierte Inhumanität zu beißen.
Der Mensch tut dem Menschen an. Vergangenheit und Gegenwart sind identisch. Nicht nahezu, sondern vollkommen. Wie vor Hunderten von Jahren sterben Indios durch weiße Munition. Die Prophezeiung Sébastians Eingeborenen-Komparsen Daniel, dass gesperrtes Wasser "das Ende des Lebens" sei, hat sich binnen weniger Filmminuten selbst erfüllt.
In "Und dann der Regen" steht ein einzelner Indio für eine neue politische Perspektive in Südamerika
Daniel wird zur Schlüsselfigur, die kolonialistisch-rassistische Gegenwart und Vergangenheit in diesem Film miteinander verschränkt. Als wichtigster Komparse im kolonialen Drama vor der Kamera, der den Aufstand seines Volkes gegen den Wasserraub anführt, drängt er das Filmteam mit den Rücken an die Wand.
Er verschwindet innerhalb eines Straßenkampfes gegen die Regierung und bringt damit die Dreharbeiten zum Stillstand. Will heißen: Es gibt keinen Kompromiss. Es gibt kein Wegsehen mehr.
Ein Indio hat eine Schar von Weißen in der Hand. Am Ende zeigt sich, wie auch die Mehrheit vor der Leinwand höchstwahrscheinlich reagieren würde. Die Ausnahme ist die Transformation Sébastians Produzenten Costa, der im Laufe des Films zum Helden aufsteigt.
Gelungenes Casting für "Und dann der Regen"
Mit einem Aufgebot ausgesprochen schöner Menschen besticht Bollaíns Film, von der packenden Handlung einmal abgesehen. Sowohl, was das Filmteam angeführt von Gael García Bernal betrifft, hier sei besonders die herausragende Leinwandpräsenz von Luis Tocar genannt, als auch die unzähligen indigenen Darsteller.
Juan Carlos Aduviri spielt in "Und dann der Regen"
Daniel alias Juna Carlos Aduviri kürte die Jury auf dem Filmfestival im französischen Arc als besten Darsteller. Aduviri wie die übrigen Indios überzeugen durch verhaltene Emotionalität und Kühnheit im richtigen Augenblick. Ihre Gesichter zeigen, dass äußere Armut nicht mit innerer übereinstimmen muss, sondern Folge eines Systemfehlers sein kann.
Erich Fromm in „Wege aus einer kranken Gesellschaft“ spricht davon, dass der Mensch nur in einer freien Gesellschaft als freies Individuum zu voller Blüte gedeiht. Die im besprochenen Film gezeigte innere Freiheit der Indios und ihr Kampf für sie ist ansteckend, lässt das Herz des Zuschauers kräftig schlagen.
Nur einer im Film überwindet den äußeren Graben zwischen der Welt, die ihn geprägt hat, und wahrer Integrität.
