
- Rote Stunde im Krüger Nationalpark - Janine Grab-Bolliger / Bearbeitung: Joujou / pixel
Im von Großbritannien dominierten Südafrika gründeten Einwanderer aus den Niederlanden, die sogenannten Buren, gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Republik Transvaal. Die Burenrepublik war reich an Bodenschätzen und so strebten die Briten eine Föderation Südafrikas an, an deren Spitze das Empire stehen sollte.
Burenaufstand gegen das britische Empire
Die burischen Farmer, die nach der Entdeckung von Gold und Diamanten auf ihrem Land umgesiedelt werden sollten, widersetzten sich dem Herrschaftsanspruch der Briten. Dies führte zum Burenkrieg. Doch die Buren hatten gegen die britische Übermacht, die auch mit größter Härte gegen die Zivilbevölkerung vorging, keine Chance und 1900 wurde ihre Hauptstadt Pretoria erobert. Im Jahre 1902 war dann die Niederlage der Buren besiegelt. Damit die Staatsschätze den britischen Kolonialherren nicht in die Hände fielen, wurden sie außer Landes gebracht oder in entlegenen Gebieten versteckt.
Ein Staatsschatz im Wert von einer halben Milliarde Euro
Die erste Hälfte des Staatsschatzes brachte man schon 1898 in die Hafenstadt Laurenco Marques (heute Maputo), in die portugiesischen Kolonie Mocambique. Dort wurden die Kisten voller Gold und Rohdiamanten auf drei Schiffe verladen, die sie nach Übersee bringen sollten - keines der Schiffe erreichte jedoch seinen Bestimmungsort. Die zweite Hälfte des Staatsschatzes, Goldbarren, Goldmünzen, Silber und Diamanten aus der Bank von Pretoria, nahm der Buren-Regent Ohm Krüger auf der Flucht vor den Briten mit. Auf vierrädrigen Ochsenkarren wurde der Staatsschatz anschließend in das noch sichere Hinterland transportiert und später auf einen Sonderzug verladen. Der Sonderzug brachte Ohm Krüger nach Laurenco Marques, von wo aus ihm mit seinem Schiff Gelderland die Flucht nach Europa gelingen sollte. Er kehrte nie wieder in seine Heimat zurück. Der Schatz wird nach heutigem Wert auf etwa eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Doch wo blieben die Kisten mit Gold und Diamanten?
Wurde der Schatz auf der Flucht versteckt?
Nach ihrem Sieg durchforsteten die Briten die Banken der Buren und fanden nur noch leere Tresore vor. Im Busch von Transvaal wurden 1904 kleinere Depots aufgespürt, die Gold im Wert von rund 250.000 Pfund enthielten. Den Millionen schweren Staatsschatz konnten sie dagegen nicht entdecken. Ein paar Vermögenswerte nahm Ohm Krüger mit in sein Schweizer Exil, denn er überwies bis zu seinem Tod im Jahre 1904 immer wieder Geld an seine Landsleute, um ihre Not zu lindern. Vermutlich wurde der Staatsschatz der Buren auf der Eisenbahnstrecke zwischen Pretoria und Laurenco Marques in einzelnen Etappen versteckt. Im Bergland von Waterval Boven gab es treue Burenkämpfer, die den Goldschatz auf keinen Fall an das britische Militär ausgeliefert hätten. In einem Eisenbahntunnel, der heute nicht mehr in Betrieb ist, hatte der Sonderzug für einige Tage gehalten. Zeit genug, um in dieser Wildnis mit zahlreichen Schluchten und Höhlen das Gold zu vergraben.
Der Baum mit den sieben Nägeln
1972 fand ein niederländischer Schatzsucher nahe der Bahnstation anhand einer Karte einen Baobab-Baum, in dem sieben Nägel eingeschlagen waren. Dieser Baum war auf der Skizze besonders markiert, hatte also für den ursprünglichen Besitzer der Karte eine bestimmte Bedeutung. Vor dem Baum gab es ein Loch, überwuchert mit Gras. Vielleicht kam dem Schatzsucher ein anderer zuvor. In einer Höhle am Crocodile River fanden Schatzsucher später sogar Mörtel, der vermutlich zum Abdichten eines Versteckes gedient hatte. Heute ist die fragliche Gegend ein Naturschutzgebiet, und zahlreiche wilde Tiere wachen über dem vermuteten Schatz. Das Gold der Buren gilt bis heute als verschollen, aber die Nachkommen Krügers sind überzeugt, dass er im ehemaligen Transvaal versteckt ist und eines Tages gefunden wird.
