Ungarn - Hollókö - Leben nach alten Werten und Traditionen

Ostertraditionen in Hollokö - Ungarisches Tourismusamt
Ostertraditionen in Hollokö - Ungarisches Tourismusamt
Die UNESCO würdigte das Leben der Polaczen in Hollókö mit einem Eintrag auf der Liste des Weltkulturerbes. Dazu zählt das bekannteste Osterfest in Ungarn.

In Deutschland sind es die Sorben, die ein außergewöhnliches und traditionsreiches Osterfest feiern. In Ungarn sind es die Paloczen. Kaum 100 Kilometer von Budapest entfernt, lebt in der kleinen Gemeinde Hollókö eine Volksgruppe, die nach und für ihre uralten Volkstraditionen lebt. Auf dem ersten Blick wirkt das alte Hollókö wie eine Reise in ein osteuropäisches Märchen oder wie in ein ethnographisches Museum. Man klopfe einmal an eine Tür der rund 60 ehrwürdigen „Bauern“-Häuser. Die Paloczen gelten als ungewöhnlich gastfreundlich und man ist stets ein gern gesehener Gast. Das Ostern in Ungarn findet in Hollókö alte Werte, lebendige Traditionen und uralte Handwerkskunst.

Ostern in Hollókö ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes

Das Erbe der Paloczen fand 1987 den Weg auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Dazu zählen die Architektur ihrer Häuser, die Kunst am Handwerk, das Herstellen von Textilien an jahrhundertalten Webstühlen, die Blumenkunst und das Feiern einiger Feste nach uraltem Brauch. Die Traditionen des Osterfestes in Hollókö sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In langer Vorbereitung auf das Osterfest in Hollókö werden Eier kunstvoll bemalt und graviert. Auf umliegenden Märkten bietet die Volksgruppe ihre Waren an. Die Blumengebinde sind einzigartig. Dazu gesellen sich bemalte Krüge, Vasen und andere Töpferwaren. Der Brauch verlangt es, dass vom Karfreitag bis zum Ostermontag alle im alten Hollókö wohnenden Menschen in ihren Trachten unterwegs sind. Die Frauen tragen viele übereinander getragene Röcke und eine Spitzenhaube. Männer verzieren ihre Schürzen mit ihren Namen. Dazu gehört Schmuck. Dieser wird von Generation zu Generation weiter gereicht. Derzeit leben in Hollókö nach Angaben des Ungarischen Tourismusamt rund 400 Menschen. In langer Tradition pflegt man zu Ostern in Hollókö das Bespritzen der unverheirateten Mädchen mit Wasser. Man sagt: dass heute alternativ Kölnisch Wasser verwendet wird. Der Ursprung dieser Tradition suche man im slawischen Raum. In einigen kleineren Gemeinden in Polen und in Kroatien gibt es Osterfeste, die dem in Hollókö doch sehr ähneln. Nach Erzählungen älterer Generationen lebte man noch vor rund 50 Jahren diese Tradition auch in den deutschen kleinen Gemeinden an der Ostseite der Müritz.

Geschichte und Kultur Hollókö

Die ungarische Gemeinde im Eger-Tokaj-Bergland bettet sich zwischen den Hügeln des Cserhàtgebirges. Rund um die Burg Hollókö gibt es eine Legende. Die Erzählungen sind jedoch unterschiedlich. Zur Geschichte gehört einer der Burgherren, András Kacsi. Was bleibt ist: Zwei Raben zogen aus und versetzten die Steine der Burg. Die Burg „Rabenstein“ stammt aus dem 13. Jahrhundert. Das belegen historische Dokumente. Die Burg befindet sich auf dem 362 Meter hohem Berg Szár. Sie bietet ein wunderbares Panorama über die roten Ziegel der Altstadt von Hollókö. Der weitschweifender Blick ergreift auch den nahe gelegenen Nationalpark Bükk. Ein Brand im 18. Jahrhundert zerstörte Teile dieser Burg. Die Gemeinde verzeichnet in Geschichte ebenfalls viele Brände. Ihre Bauten sind auf das 17. und 18. Jahrhundert datiert. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts brannte das Dorf fast vollständig nieder. Man trat den Kampf für den Erhalt der eigenen Kultur und Werte an. Aus Stroh auf den Dächern wurden Dachziegel. Die Hauswand besteht heute aus Lehmziegeln. Mehr wurde nicht geändert.

Ein Dorfrundgang

Jedes Haus ist weiß getüncht. Jedes Haus besitzt einen Keller im Erdgeschoss. Ein Walmdach legt sich über den Laubengang. Reiche Verzierungen an den hölzernen Balustraden verweisen auf die Kunstfertigkeit der Polaczen. Sie zeigen stets zur Straßenseite. Die reichhaltigen Verzierungen findet man auch im Inneren. Gewöhnlicherweise bestehen die Häuser aus einer Kammer, einer Küche und einem Wohnbereich. Nach Angaben der UNESCO zählt die ländliche Gemeinde 126 Häuser und landwirtschaftliche Gebäude. Bewundernswert sind die Obstgärten, die umliegenden Weinberge sowie die Wiesen und die Wälder, die den Rahmen der Gemeinde bilden. Man legt noch heute einen ganz besonderen Wert auf die Authentizität von Hollókö, die seit mehreren Generation stabil blieb. Man achtet auch bei Zusammenlegung von Grundstücken auf das ökologische Gleichgewicht. Die traditionelle Formen eines bäuerlichen Lebens werden auch heute noch von Generation zu Generation weitergetragen.

Die Kirche im Dorf ist eine zentraler Treffpunkt. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ein Holzturm unterscheidet diesen Bau von den umliegenden Wohnhäusern. Einen Rückblick auf das Leben in Hollókö spiegelt das Dorfmuseum wider. Die Weberei und die Post sind ebenfalls Zeugnisse aus der Geschichte, deren Traditionen bis heute im restlichen Hollókö immer noch lebendig sind.

Quellen: offizielle Webseite des Ungarischen Tourismusamt, Imagebroschüre "Eger-Tokaj Bergland, Pressemitteilung Januar 2012

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Katja Elflein - Der Mensch reist, um für sich ein Stück eigene Kultur anzunehmen. Seit September 2008 arbeite ich als freie Texterin und ...

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