Ungerechter Lohn schadet dem Herz

Zu wenig Geld ist schlecht fürs Herz - (c) Benjamin Klack / pixelio.de
Zu wenig Geld ist schlecht fürs Herz - (c) Benjamin Klack / pixelio.de
Wer sich ungerecht bezahlt fühlt, ist anfälliger für Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depressionen.

Viele Arbeitnehmer spüren beim Betrachten der Lohnabrechung einen bösen Stich in der Brust. Sie fühlen sich, gemessen an ihrer Arbeitsleistung, unterbezahlt. Und das spürt auch ihr Herz. Wer dies nicht glauben kann, wird von dem Ökonomen Armin Falk und dem Soziologen Johannes Siegrist eines Besseren belehrt. Ihr Experiment zeigt nämlich eindeutig, dass sich ungerechte Löhne negativ auf das Herz auswirken.

Achtzig Studierende spielten Chefs und Angestellte

Falk und Siegrist teilten in ihrem Experiment achtzig Studenten per Zufallsprinzip in zweiköpfige Teams aus Chef und Angestellten auf. Während die Chefs sich entspannt zurücklehnen konnten, mussten die Angestellten arbeiten. Sie erhielten Blätter mit Einsen und Nullen. Ihre Aufgabe war es nun, binnen 25 Minuten alle Nullen zu zählen. Je mehr Zahlen sie in dieser Zeit zusammenzählten, desto mehr Gewinn erwirtschafteten sie für ihr Team. Nach den 25 Minuten war es nun an den Chefs, den Gewinn nach eigenem Ermessen aufzuteilen. In der Regel gestanden sie ihren Arbeitern weniger Geld zu, als diese erwartet hatten. Die teilweise starke Abweichung von ihren Erwartungen nahmen die Angestellten als Ungerechtigkeit wahr.

Die Ungerechtigkeit sorgte für Stress

Falk und Siegrist ließen die Herzfrequenz der Angestellten messen und stellten fest, dass die ungerecht bezahlten Arbeitnehmer Stress verspürten. Je größer die Differenz zwischen dem erhaltenen Lohn und den Erwartungen war, desto weniger variierte die Herzfrequenz. Diese Herzfrequenzvariable gibt aber an, wie flexibel der Körper auf Belastungen reagiert. Größere Schwankungen zeigen an, dass der Organismus in der Lage ist, Stress zu regulieren und auszugleichen. Variiert die Herzfrequenz dagegen kaum, wie bei den Probanden, ist dies ein Frühindikator für Herzerkrankungen.

Die SOEP bestätigt die Ergebnisse des Experiments

Das sozio-ökonomische Panel, kurz SOEP, ist laut uni-online “die größte und bis dato am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland“. Jedes Jahr werden mehr als zwanzigtausend Menschen interviewt. Unter anderem erhalten die Forscher hierdurch auch Informationen über Einkommen und Gesundheit der Befragten. In den letzten Jahren zeigte sich, dass Falk und Siegrist mit der Interpretation ihrer Experimentergebnisse wohl ins Schwarze getroffenen haben. Zumindest beschreiben die interviewten Menschen, die ihren Lohn als ungerecht und zu niedrig ansahen, ihren Gesundheitszustand als schlechter, als die Befragten, die mit ihrem Gehalt zufrieden waren. Als häufigste Krankheitssymptome nannten die Unzufriedenen unter den Befragten Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depressionen.

Neuer Zündstoff für die Mindestlohndiskussion

War bisher in der Mindestlohndiskussion immer von der sozialen Gerechtigkeit im Sinne von “gleiches Geld für gleiche Arbeit“ die Rede, könnte der Streit nun durch die gesundheitlichen Aspekte neu angefacht werden. Wirkt sich eine ungerechte Bezahlung auf den Gesundheitszustand der Angestellten aus, stellt sich die Frage nach den Folgen für das Gesundheitssystem. Außerdem müsste zur Beseitigung des Problems endgültig geklärt werden, was unter einer “gerechten Bezahlung“ zu verstehen ist. Und dies dürfte fast unmöglich sein, denn jeder Arbeitnehmer schätzt den Wert seiner Arbeitsleistung unterschiedlich ein. Es allen Recht zu machen ist also kaum machbar – trotz der neuen Erkenntnisse.

Quelle:

Heilpraxisnet

Alltagsforschung

Uni-Online

IDW

SOEP-Studien

Kommunikation, Stefanie Vogel

Stefanie Vogel - Geboren wurde ich Anfang der 1970ern im Bundesland Hessen und bin nun im Rheingau Zuhause. Nach dem Abitur und einer mäßig ...

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