Ungewöhnliche Liebesgeschichten im Film

Neben konventionellen Liebesgeschichten gibt es eine Reihe von Filmen, in der zwei Menschen zueinander finden, die auf den ersten Blick gar nicht zusammen passen.

Der Plot, das sich zwei Menschen anfangs nicht ausstehen können und sich irgendwann doch ineinander verlieben, ist recht häufig – "Love Story" mit Ali Mac Graw und Ryan O'Neal in den Hauptrollen ist hierfür genauso ein Paradebeispiel wie "Harry und Sally", gespielt von Billy Crystal und Meg Ryan. In diesen Fällen stammen die Protagonisten jedoch zumindest aus einem gemeinsamen Umfeld – Universität beziehungsweise gemeinsamer Bekanntenkreis, bei "Love Story"kommt die unterschiedliche soziale Herkunft der beiden Hauptpersonen hinzu.

Es gibt jedoch eine Reihe von Filmen, in denen zwei Menschen zueinander finden, die auf den ersten Blick gar nicht zusammen passen, beispielsweise aufgrund des Altersunterschiedes oder des äußeren Erscheinungsbildes.

Paradebeispiel für eine unmögliche Liebesgeschichte im Film: "Harold und Maude" (1971)

Der 18-jährige Harold (Bud Cort), der mit seiner oberflächlichen, wohlhabenden Mutter (Vivian Pickles) in einer Villa lebt, fühlt sich von morbiden Dingen wie Friedhöfen, Selbstmordversuchen und Beerdigungen angezogen. Auf einem seiner Besuche eines Friedhofs lernt er schließlich die 79-jährige Maude (Ruth Gordon) kennen, mit der er fortan mehr und mehr Zeit verbringt. Sie ist das glatte Gegenteil von ihm: lebensfroh, temperamentvoll, impulsiv – obwohl im Film angeschnitten wird, dass sie eine ehemalige KZ-Insassin ist. Trotz des sehr großen Altersunterschiedes verlieben sich die beiden ineinander, während Harolds Mutter versucht, ihn per Eheanbahnungsinstitut mit jungen, heiratswilligen Damen zu verkuppeln. Seine Suizidversuche vergraulen die Kandidatinnen jedoch immer wieder.

Harold entschließt sich, Maude zu heiraten, wovon seine Mutter selbstverständlich überhaupt nicht begeistert ist – er teilt es ihr im wahrsten Sinne des Wortes eher durch die Blume mit ("Ich werde eine Sonnenblume heiraten."). Die Liebesgeschichte zwischen dem ungleichen Paar endet jedoch tragisch: Maude hat beschlossen, an ihrem 80. Geburtstag zu sterben und bereits entsprechende Tabletten zu sich genommen – obwohl Harold sie sofort ins Krankenhaus bringt, kommt jede Hilfe zu spät.

"My First Mister" (2001)

Die 17-jährige Jennifer (Leelee Sobieski), ein Gothic, rebelliert gegen ihre direkte Umwelt und freundet sich mit dem 49-jährigen Verkäufer Randall Harris (Albert Brooks) an, der ihr trotz ihres ungewöhnlichen Aussehens einen Job in seinem Laden gibt, sodass sie sich sogar eine eigene Wohnung leisten kann. Im Zuge des Films erfährt Jennifer, dass Randall todkrank ist, er hat dies aber zunächst zu verdrängen versucht, um die tödliche Bedrohung weniger real erscheinen zu lassen. Jennifer organisiert zum Schluss des Films ein Festessen für seine und ihre Familie, da sich im Zuge des Films das Verhältnis wieder gebessert hat. Eine Krankenschwester, mit der Randall sich während seines Krankenhausaufenthalts angefreundet hat, ist ebenfalls eingeladen.

Die Zeitschrift TV Spielfilm(Ausgabe 04/2008) bezeichnet "My First Mister" als "zärtliche Hommage an ‘Harold und Maude’", während das Lexikon des Internationalen Films kritisiert, dass der Film sich nicht entscheiden kann, ob er nun gesellschaftskritisch ist oder ob er doch lieber die allgemeingültigen Normen und die Spießigkeit feiern möchte. Der Filmkritiker Roger Ebert schrieb in der Chicago Sun Times am 12. Oktober 2001, dass der Film vor allem in der ersten Stunde sehr spontan und unkonventionell sei, aber dass gerade der Schluss konventionell und vorhersehbar sei.

Des Weiteren ist fraglich, wie Jennifer damit umgeht, dass ihr erster Freund sich plötzlich im Krankenhaus eine neue, seinem Alter und seinem Äußeren entsprechende Freundin zulegt. Normalerweise müsste dort zumindest bei ihr Eifersucht mit im Spiel sein.

Abschließender Vergleich der beiden Filme

Während "Harold und Maude" seine bisweilen makabere, ungewöhnliche Stringenz beibehält und die Protagonisten ein Liebespaar bleiben, bis Maude freiwillig aus dem Leben scheidet, ist bei "My First Mister" trotz guter Darsteller zu beobachten, dass der zunächst unkonventionelle Film dieses Prinzip nicht konsequent bis zum Schluss fortführt, sondern stattdessen in gängige Normen und Klischees abgleitet.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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