Ungewöhnliches Gemüse - der Blut-Weiderich

Lythrum salicaria ist Wildgemüse, Wildsalat und Heilpflanze

Wildgemüserich - Gewöhnlicher Blut-Weiderich - Dr. Gerald Albach
Wildgemüserich - Gewöhnlicher Blut-Weiderich - Dr. Gerald Albach
Der Gewöhnliche Blut-Weiderich schmeckte Samuel Hahnemann wohl nich', ist aber mit Blatt & Blüte ein essbarer Wildpflanzerich, sowie Heildroge "Lythri salicariae herba".

Findet man den Gewöhnlichen Blut-Weiderich wie für gewöhnlich beim Wandern neben oder unter sich, so kann man ruhig ein Blättlein abzupfen, nimmt es in sich auf und lässt es zwischen Zahn und Zunge rumhupfen. Die essbare Wildpflanze mit dem botanischen Namen "Lythrum salicaria" wurde nicht nur in Notzeiten als Wildgemüse oder Wildsalat gegessen, wegen seiner Inhaltsstoffe ist auch die Volksmedizin auf die purpurvioletten Blüten versessen. Wie das Schmalblättrige Weidenröschen ist der Blut-Weiderich wegen der Blattform nach der Weide benannt, das botanische Über-ich des Gewöhnlichen Blut-Weiderichs befindet sich aber nicht in der Familie der Nachtkerzengewächse, sondern in der Familie der Weiderichgewächse "Lythraceae".

Die Droge des Gewöhnlichen Blut-Weiderichs - Lythri salicariae herba

Die Droge des Blut-Weiderichkrauts wird aus der blühenden Pflanze ohne Wurzel gewonnen und als "Lythri salicariae herba" bezeichnet. Der Gehalt der phenolischen Inhaltsstoffe des Gewöhnlichen Blut-Weiderichs aus Finnland ist für gewöhnlich äußerst ungewöhnlich hoch, er enthält sogar mehr Gallussäure-Äquivalente als das Schmalblättrige Weidenröschen. Im Blut-Weiderichkraut findet man phenolische Substanzen wie die Flavonoide Vitexin, Isovitexin, Orientin und Isoorientin, aber auch Phenolsäuren wie Coumarsäure, Ellagsäure, Gallussäure und Vanillinsäure, sowie weitere phenolische Substanzen. Extrakte des Gewöhnlichen Blut-Weiderichs zeigen anti-fungizide Wirkung und hemmen mit ihren anti-mikrobiellen Eigenschaften auch das Wachstum des gewöhnlichen Bakteriums Escherichia coli. Der Blut-Weiderich wird deshalb in der Volksmedizin als blutstillendes und entzündungshemmendes Heilkraut bei äußerlichen Wunden und Ekzemen eingesetzt, wurde aber auch schon innerlich bei Cholera- und Ruhrepidemien angewendet. "Die nicht weniger kräftige Wurzel ist (seltner) zu gleichen Absichten verwendet worden.", schreibt Samuel Hahnemann in seinem Apothekerlexikon von 1799 und bestätigt oben genannte medizinische Anwendungen des Gewöhnlich Blut-Weiderichs: "Die Neuern wollen ein wirksames Heilmittel im Kraute gegen langwierige Durchfälle von Schwäche gefunden haben; der Unverstand dehnte seine Wirksamkeit auch auf Ruhren aus. Wenige der Neuern haben es im weißen Flusse und Blutspeien versucht und nicht unwirksam gefunden."

Der Gewöhnliche Blut-Weiderich für Gemüse und Salate

Die Geschmäcker sind verschieden, Samuel Hahnemann schmeckte der Gewöhnliche Blut-Weiderich anscheinend nicht: "Die alten rühmten das grusicht und etwas adstringirend schmeckende, beim Kauen aber einen zähen Schleim entwickelnde Kraut", und hat es wohl nicht mit Genuss verdaut - mit "grusicht" wurde früher wohl ein Geschmack ähnlich dem grünen Grase Gruse bezeichnet, und ein Geschmack nach grünem Gras ist wohl eher etwas für die Has´. Sollten Geschmackswagemutige nach dem Probeschmecken des Blut-Weiderichs aber Blut lecken, so kann man die jungen Sprosse, die Blut-Weiderich-Blätter und -Blüten von April bis Juli zu Salat oder Kochgemüse verwenden, zusammen mit der gelblich bis braunen Grundachse. Natürlich kann man auch während der Blütezeit von Juni bis September die frische Pflanze als Tee zubereiten.

Der Gewöhnliche Blut-Weiderich im Garten

Wer als Hetero-Gärtner die heterostylen Blüten des Gewöhnliche Blut-Weiderichs mag und sie bestimmen kann, kann die Halblichtpflanze als Zierpflanze im Garten anpflanzen - früher wurden verschiedene Lythrum-Arten als Zierpflanze angebaut. Als Wildgemüse wildert der Blut-Weiderich gerne an feuchten Stellen im Naturgarten oder auf der Wildblumenwiese herum. Der Gewöhnliche Blut-Weiderich schätzt als Feuchtezeiger und Nässezeiger nassen, nährstoffreichen Lehmboden.

Systematik

Abteilung: Magnoliophyta – Bedecktsamer

Klasse: Rosopsida – Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige

Unterklasse: Rosidae – Rosenähnliche

Ordnung: Myrtales – Myrtenartige

Familie: Lythraceae – Weiderichgewächse

Gattung: Lythrum – Weiderich

Art: Lythrum salicaria – Gewöhnlicher Blut-Weiderich (Linné)

Weiterführende Literatur:

  • Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen - 1500 Pflanzen Mitteleuropas mit 400 Farbfotos von Steffen Guido Fleischhauer, AT Verlag.
  • Jussi-Pekka Rauha et al. (2001): Characterization of the polyphenolic composition of purple loosestrife (Lythrum salicaria). Zeitschrift für Naturforschung 56c(1/2): 13-20.
Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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