UNICEF Deutschland

Großer Imageschaden durch Verschwendungsvorwürfe

Unicef/Kinder - Unicef
Unicef/Kinder - Unicef
Durch zweifelhafte Geschäftspraktiken des Geschäftsführers steht die deutsche Zweigstelle des Kinderhilfswerks unter Beschuß - wie geht es weiter?

UNICEF (United Nations International Children's Emergency), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen wurde 1946 mit dem Ziel gegründet, Kindern, die vom Zweiten Weltkrieg besonders betroffen waren, zu helfen. Mittlerweile ist das Kinderhilfswerk vor allem in Entwicklungsländern aktiv.1953 wurde das Deutsche UNICEF-Zentrum gegründet, mit Sitz in Köln. Schirmherrin ist stets die Ehefrau des amtierenden Bundespräsidenten, derzeit ist das Eva-Luise Köhler.Seit dem 1.1.2006 war die Vorsitzende des deutschen Komitees die frühere Schleswig-Holsteinische Ministerpräsidenten Heide Simonis. Am 2.2.2008 trat sie aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Vorstand von ihrem Amt zurück.

Verschwendung von Spendengeldern?

Die unabhängige Prüfungsgesellschaft KPMG hatte in ihrem Bericht zum Geschäftsjahr 2007 von UNICEF zwar keine Bereicherung oder Vorteilsnahme festgestellt. Jedoch wurde festgestellt: "In vier von fünf der von uns untersuchten Sachverhalte wurden Verstöße gegen bestehende Regeln der Durchführung und Kontrolle von Transaktionen festgestellt."Auf der Homepage von UNICEF Deutschland ist jedoch nach wie vor zu lesen, dass KPMG keine Verschwendung festgestellt habe.Geschäftsführer Dietrich Garlichs hatte unter anderem mündliche Verträge geschlossen, eine Vorgehensweise, die in Firmen oder Vereinen nicht üblich ist.Darüber hinaus wurden Vorwürfe laut, Garlichs hätte einem ehemaligen Bereichsleiter von UNICEF üppige Honorare in Höhe von 300.000 Euro für seine Tätigkeit als "freier Mitarbeiter" zukommen lassen. Simonis sagte hierzu, sie wisse weder von Verträgen dieser Art, noch woher das Geld dafür komme. Zumindest undurchsichtig sind auch die Kosten für den Umbau der Kölner Bundesgeschäftsstelle. Dessen Gesamtkosten belaufen sich auf fast eine Million Euro. In der "Frankfurter Rundschau" verteidigte Garlichs den Umbau mit dem Hinweis, "es habe natürlich einen Vorstandsbeschluss gegeben."

Simonis wies das mit dem Hinweis zurück, einen derartigen Beschluss habe es nicht gegeben. Zudem sei ein derart teurer Umbau für viele nicht nachvollziehbar, da Unicef sich ausschließlich aus Spenden finanziere. UNICEF betont stets und gerne, dass die Verwaltungskosten, die ebenso aus Spendengeldern finanziert werden, unter zehn Prozent lägen. Laut Vorstandsdokumenten betragen sie jedoch 18,58 Prozent der jährlichen Spendeneinnahmen. Erst nach Abzug des Werbe- Presse- und Grußkartenetats kommt man auf eine Zahl unter zehn Prozent.

Konsequenzen des Skandals

Da der Vorstand weiterhin an Garlichs festhält, obwohl bereits die Staatsanwaltschaft Köln wegen eines Anfangsverdachts der Untreue gegen ihn ermittelt, hat Heide Simonis ihre Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten. Rupert Neudeck, der Gründer der Hilfsorganisationen Cap Anamur und Grünhelme, fordert eine radikale Reform des UN-Kinderhilsfwerks: "Ich habe immer gesagt, dass sich die großen UN-Organisationen radikal reformieren und wieder Beziehungen zu den Ärmsten der Armen knüpfen müssen. Das schafft man nicht, indem man höchstbezahlte Funktionäre hat, die in den Hauptstädten der Welt oft mit Diplomatenrechten herumfahren.Der Rücktritt von Heide Simonis ist nur die Fortschreibung des chaotischen Zustands bei UNICEF. Die Führung weiss offenbau nicht, wie die Basis denkt." Jedoch sei UNICEF eine wichtige Organisation, die die Welt unbedingt brauche. Der eingesetzte Interimschef Reinhard Schlaginweit möchte sobald wie möglich über die Simonis-Nachfolge beraten lassen. Er kündigte als Konsequenzen der Vorfälle strukturelle Änderungen in der UNICEF-Geschäftsstelle und in der Vorstandsarbeit an. Mittlerweile kommen auch mahnende Wort aus der Genfer-Unicefzentrale. "Wir sind besorgt wegen des Imageschadens für Unicef", sagte die Sprecherin der Zentrale, Veronique Taveau. "Ein Dauerstreit an der Spitze könnte das Spendensiegel gefährden", sagt Burkhard Wilke vom zuständigen Institut DZI.

Anscheinend hat UNICEF-Deutschland keine erfahrenen Presseleute in ihrem Stab. Dann wüssten sie nämlich, dass sich negative PR acht mal schneller verbreitet als positive. Menschen spenden nicht für ein Unternehmen, dem sie nicht vertrauen können.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

rss

Ähnliche Themen