
- Scharbockskraut - Stefanie Fies
Welche Wildkräuter lassen sich wofür verwenden? Die folgenden Beispiele stellen nur eine kleine Anregung dar, sollen die Augen öffnen und Lust machen auf die Beschäftigung mit den grünen Helfern für die Gesundheit, deren Anblick jedem vertraut ist - und die doch kaum jemand wertschätzt. Sehen Sie einmal genau hin, was da alles auf den Wiesen zur Verfügung steht, worüber das Auge normalerweise einfach hinwegsieht.
Scharbockskraut - Ranunculus ficaria
Nicht umsonst leitet sich der Name des in bodendeckenden Teppichen vorkommenden Scharbockskrauts seines hohen Vitamin-C-Gehalts wegen von „Skorbut-Kraut“ ab und war stets eines der ersten verfügbaren Mittel gegen Mangelerscheinungen nach der kargen Winterkost. In schlechten Zeiten wurden selbst die getrockneten Wurzeln und Knospen zu Mehl verarbeitet.
Kosten Sie doch einmal die jungen Blättchen feingeschnitten unter einen Salat oder Kräuterquark gemischt - allerdings muss darauf geachtet werden, dass nicht zu viel auf einmal davon gegessen und nicht mehr während und nach der Blütezeit gesammelt wird, in deren Verlauf sich der Boden über und über mit buttergelben, sternförmigen Blüten bedeckt. Am längsten wird man an Nordhängen und schattigen Plätzen fündig.
Löwenzahn - Taraxacum officinale
Besonders Leber-, Gallen- und Gichtkranken wurde in früherer Zeit die unter vielen volkstümlichen Namen bekannte Pflanze verabreicht, aber auch schlicht im Rahmen einer blutreinigenden und Müdigkeit vertreibenden Frühjahrskur für die ganze Familie auf den Tisch gebracht. Die gesamte Pflanze von Blüte bis Wurzel ist heilkräftig. Aus letzterer wurde auf dem Land auch eine Art Kaffee-Ersatz hergestellt.
Vom ersten Löwenzahn lassen sich die ganz jungen, noch kaum bitteren Blätter für Salat verwenden, oder aber der Teil der Pflanze zwischen Wurzel und grünem Blatt, der unter dem Boden weitgehend vor Licht geschützt so gelb und bleich aussieht wie Chicorée. Eine besondere Delikatesse sind die noch geschlossenen Knospen, die man pflückt, solange sie dicht am Boden sitzen. Man kann sie, in Butter gedünstet und nach Belieben mit Salz, Pfeffer und Brühe gewürzt, als Gemüse essen oder wie Kapern sauer einlegen. Löwenzahn mit seinen Bitterstoffen ist grundsätzlich als Beilage zu fettigen Speisen eine Wohltat.
Spitzwegerich - Plantago lanceolata
Der ebenfalls weitverbreitete Spitzwegerich ist ein altes Volksheilmittel. Spitzwegerichsirup lässt sich gegen Husten und Erkrankungen der Atemwege herstellen. Die Pflanze hat blutreinigende und -bildende, entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften, was sie auch zur Erstversorgung von kleinen Wunden, Entzündungen und Insektenstichen geeignet macht. Dazu zerreibt man einfach ein Spitzwegerichblatt zwischen den Fingern, bis der Saft austritt, und bindet es auf die betroffene Stelle.
Spitzwegerich bietet aber auch einen ungewöhnlichen kulinarischen Genuss: Aus den jungen, kleingeschnittenen Blättern lässt sich - mit etwas Milch, Brühe und angeschwitzter Zwiebel einfach zubereitet, nach Belieben gebunden und gewürzt - eine Suppe kochen, die das wunderbare Aroma frischer Champignons verbreitet und auch Kindern schmeckt, die normalerweise eine Abneigung gegen „gesunde“ Gerichte haben. Wer mag, kann einen Schuss Weißwein dazugeben.
Brennessel - Urtica dioica
Alle guten und heilenden Eigenschaften der unbeliebten Brennnessel aufzuzählen, ist beinahe unmöglich. Grundsätzlich ist sie in jeder Darreichungsform ein hervorragender Eisenlieferant, wirkt blutbildend, blutreinigend und antibakteriell und regt Stoffwechsel und Durchblutung an - die ideale Pflanze für den Start ins Frühjahr.
Die ersten, hellgrünen bis rötlichen Triebe der Brennnessel strotzen vor Heilkraft (und brennen genau so!), sind geeignet für eine belebende Teekur, lassen sich aber auch wie Spinat verwenden, zu einer grünen Suppe kochen oder einfach eine Weile in Butter in der Pfanne braten, salzen, pfeffern und als Gemüse auf den Tisch bringen. Man erntet die beiden obersten Blattpaare und auch einzelne untere, schöne Blätter - ruhig reichlich kalkulieren, von der Brennnessel kann man nicht zu viel essen.
Allgemeine Hinweise zur Verwendung von Wildkräutern
Grundsätzlich sollte man nur solche Pflanzen verwenden, die man auch einwandfrei bestimmen kann. Hält man sich beim Sammeln sorgfältig fern von den Routen der Hundebesitzer, von Straßenverkehr und landwirtschaftlichen Flächen, auf denen Pestizide gespritzt werden, so kann man die grünen Mitbringsel bedenkenlos nutzen und wird sie mit Sicherheit schnell schätzen lernen.
Bei grundsätzlichen Unsicherheiten bei der Bestimmung von Wildkräutern sowie natürlich bei weiterführendem Interesse sollten Sie sich nach geführten Kräuterwanderungen, Kräuterseminaren und Volkshochschulkursen zum Thema erkundigen, die inzwischen beinahe flächendeckend angeboten werden.
Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können.
