Unkraut Acker-Hellerkraut: Biodiesel aus essbaren Wildpflanzen

Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) - Courtesy of Terry Isbell (USDA)
Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) - Courtesy of Terry Isbell (USDA)
Amerikanische Chemiker des USDA machten aus dem Wildgemüse Thlaspi arvense Biodiesel. Das Pfennigkraut eignet sich als Biodiesel-Zwischenfrucht im Winter.

Der Begriff "Unkraut" ist Definitionssache, Gärtner und Landwirte sehen in der Ackerschmalwand ein Unkraut, Wildpflanzen-Kenner sehen sie gerne im Gemüse und Salat, für Pflanzenforscher ist der Kreuzblütler Arabidopsis thaliana dagegen ein wichtiges Untersuchungsobjekt. Neben den Kohlarten gehören auch Kresse, Meerrettich, Radieschen, Senf, sowie Raps und Rettich zur Pflanzenfamilie der Kohlgewächse (Brassicaceae), wobei Raps sowohl gesundes Rapsöl als auch Biodiesel für Kraftfahrzeuge liefern kann. Auch die essbare Wildpflanze Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) gilt in Europa und in den USA als Unkraut am Wegesrand, doch die Schoten des Acker-Hellerkrauts können auch Biodiesel liefern, dies berichtet der Agricultural Research Service der USDA am 5. November 2010 (USDA: United States Department of Agriculture, Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten).

Das Acker-Hellerkraut liefert aromatischen Wildsalat

Das Acker-Hellerkraut ist ein einjähriger krautiger Kreuzblütler, der in unseren Gefilden etwa 10 bis 40 Zentimeter hoch wird und überwiegend zwischen April und Juli weiß erblüht. In Deutschland kommt es recht häufig auf nährstoffreichen Lehmböden vor, als essbare Wildpflanze kann man die zarten Triebe und Blätter im Frühjahr in Salaten und Gemüsegerichten verzehren. Zerreibt man die Blätter des Acker-Hellerkrauts zwischen den Fingern, wird mit heller Hellerkraut-Begeisterung ein nach Knoblauch riechendes ätherisches Öl freigesetzt: Es enthält Di-Allyl-Sulfid und ein Senföl-Glykosid namens Sinigrin.

Das Pfennigkraut bildet ölhaltige Biodiesel-Schötchen

Landet das Acker-Hellerkraut nicht im Salat, bildet es die typschen Schötchen der Kohlgewächse: Die Früchte werden etwa 1 bis 1,5 Zentimeter lang und breit, etwa heller- bis pfenniggroß – daher leitet sich auch der Name "Hellerkraut" oder "Pfennigkraut" ab. Aus den ölhaltigen Samenfrüchten kann man von Spätsommer bis Herbst Speiseöl gewinnen, oder man stellt Biodiesel für sein Kraftfahrzeug her.

USDA-Forscher in Illinois prüften die Biodiesel-Qualität

Biodiesel wird bisher in den USA vorwiegend aus Sojabohnen hergestellt, wie überall auf der Welt sucht man auch hier nach nachwachsenden Rohstoffen. In den USA wurde das Acker-Hellerkraut eingeschleppt, es gilt dort als invasive Pflanzenart. Da die ölhaltigen Rapssamen als Biodiesel-Lieferant bekannt sind, untersuchten Chemiker und Pflanzen-Physiologen des Agricultural Research Service (ARS) in Peoria (Illinois) das Pfennigkraut. Der Chemiker Terry Isbell sammelte einfach wild wachsendes Acker-Hellerkraut ein, welches in Peoria von Bryan R Moser und seinen Kollegen auf die Biodiesel-Qualität untersucht wurde. Nach ihren Untersuchungen erreicht es den ASTM-Biodiesel-Standard, aber nicht die oxidative Stabilität und Viskosität des europäischen CEN-Biodiesel-Standards (ASTM: American Society for Testing and Materials, CEN: Committee for Standardization).

Das Acker-Hellerkraut kann als Zwischenfrucht angebaut werden

Trotz der Schwächen hinsichtlich des CEN-Standards könnte das Acker-Hellerkraut eine Rolle als Biodiesel-Lieferant spielen, im amerikanischen Mittleren Westen kann das Acker-Hellerkraut im Winter nämlich als Zwischenfrucht angebaut werden. Es schützt so die nackten Böden in dieser Jahreszeit gegen Erosion, wobei danach im Frühjahr ganz normal Mais oder Sojabohnen angebaut werden kann. Weiterhin benötigt der Anbau des Acker-Hellerkrauts nur minimalen Einsatz von Pestiziden, Dünger und Wasser.

Weiterführende Literatur:

Auf der Internet-Präsenz des Agricultural Research Service der USDA finden Sie unter News & Events den Kurzbericht "Pennycress Could Go from Nuisance Weed to New Source of Biofuel". In der November-Dezember-Ausgabe 2010 des "Agricultural Research magazine" finden Sie den Artikel "In Peoria, a Brisk Business in Biodiesel Research". Bryan R. Moser et al. (2009): Production and Evaluation of Biodiesel from Field Pennycress (Thlaspi arvense L.) Oil. Energy & Fuels , Ausgabe 29, Seite 4149 bis 4155. Steffen Guido Fleischhauer (2006): Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen. AT Verlag. ISBN 3-85502-889-3.

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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