Unternehmen Barbarossa war der Name unter dem der Angriff des Dritten Reichs auf die Sowjetunion geplant wurde. Man ging in der Planung davon aus, dass der Krieg in wenigen Monaten gewonnen sein würde. Diese Fehleinschätzung teilten sogar die Westmächte mit den Nazis. Die Voraussetzungen waren trotz der enormen geographischen Ausdehnung der Sowjetunion und ihres riesigen Industriepotentials gar nicht so schlecht, wie man denken mag. Schließlich war fast das ganze restliche Europa mit Deutschland verbündet oder von ihm besetzt. Hitlers Wehrmacht war Siege gewöhnt und gut ausgebildet, während die Rote Armee mit den Nachwirkungen der stalinistischen Säuberungen zu kämpfen hatte. Was hat also alles zur Niederlage geführt?
Rüstung und Ausrüstung bei Wehrmacht und Roter Armee
Als Hitlers Überfall auf die Sowjetunion begann, hatte die Wehrmacht bereits fast zwei Jahre Kriegsführung hinter sich. Vor allem die verlorene Luftschlacht um England hatte neben den materiellen Verlusten bei der Luftwaffe zu einem hohe Aderlass bei den erfahrenen Kampfpiloten geführt. Aber auch die Siege hatte zu Verlusten geführt, die durchaus spürbar waren.
Doch nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ließ zu wünschen über. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung war die Wehrmacht, obwohl durchaus sehr modern, technisch keineswegs überlegen. Vor allem die modernen russischen T34 und KW Panzer sollten große Probleme verursachen. Die deutschen Panzer 3 und 4 waren allenfalls gleichwertig zum T34 – gegen die schweren russischen Panzer hatte man gar nichts gleichwertiges aufzubieten. Die Panzerabwehr hatte größte Probleme mit diesen neuen Modellen. Die beachtlichen Anfangserfolge der Wehrmacht waren daher vor allem der überlegenen Taktik wie dem Einsatz verbundener Waffen zu verdanken, sowie der Tatsache, dass die neuen russischen Panzer anfangs noch recht vereinzelt auftraten.
Bei der Luftwaffe offenbarten sich die gleichen Schwächen, die schon zur Niederlage bei der Luftschlacht um England geführt hatten: die einseitige Ausrichtung auf einen taktischen Luftkrieg. Es fehlten schwere Bomber und Langstreckenjäger, die die großflächige Verlagerung der sowjetischen Rüstungsindustrie in den Osten hätten verhindern können.
Wirtschaft und totaler Krieg
Im nationalsozialistischen Deutschland lief die Kriegswirtschaft noch auf Sparflamme, um die Zivilbevölkerung nicht zu sehr zu belasten. Erst 1942 wurde unter Albert Speer die nationalsozialistische Wirtschaft komplett auf Krieg umgestellt und 1943 von Göbbels angesichts der drohenden Niederlage der Totale Krieg ausgerufen. Bei den Sowjets dagegen kannte man solche Skrupel nicht. Nachdem die Industrieanlagen in den Osten, außerhalb des Zugriffs der Aggressoren, verlegt worden waren, konnte man hier aus den Vollen schöpfen. Alliierte Waren- und Waffenlieferungen konnten Einbrüche in der Sowjetwirtschaft zudem leicht kompensieren. Auf deutsche Seite machte sich dagegen recht schnell Rohstoffmangel bemerkbar, v.a. beim Treibstoff – der Grund, warum sich die deutsche Offensive 1942 auch gegen die Ölquellen am Kaukasus richtete.
Geographie und russischer Widerstand
Hitlers Wehrmacht hatte über 1.000 km bis zu ihrem Ziel Moskau zurückzulegen. Trotz der überwältigenden deutschen Anfangserfolge war der Widerstandswillen der Sowjets entgegen der allgemeinen Einschätzung alles andere als gebrochen, im Gegenteil sogar äußerst hartnäckig. Obwohl die Deutschen weiter siegten, ging der Vormarsch viel langsamer voran als geplant – Nachschubmangel verstärkte die Probleme noch weiter. Schließlich beendeten Schlamm und Winter den Vormarsch vor Moskau. Da man ja mit einem schnellen Sieg gerechnet hatten, waren große Teile der Armee nicht einmal mit Winterausrüstung ausgestattet – die Folgen waren katastrophal.
Ende des Blitzkrieges gegen die Sowjetunion
Im Krieg gegen die Sowjetunion konnte der schnelle Sieg somit nicht erreicht werden und der Blitzkrieg entwickelte sich zu einem langjährigen Ringen, dem das Deutsche Reich weder wirtschaftlich noch militärisch gewachsen war. Hätte man nicht im Vorfeld aus Ereignissen wie dem Winterkrieg die falschen Schlüsse gezogen, wäre das Scheitern des Unternehmens Barbarossa vielleicht schon damals abzusehen gewesen. Die Niederlage war damit nur noch eine Frage der Zeit.
