Unterrichtsstörungen und Störungsprävention in der Schule

Schüler tanzen Lehrern häufig auf der Nase herum - Gerd Altmann/pixelio.de
Schüler tanzen Lehrern häufig auf der Nase herum - Gerd Altmann/pixelio.de
Lehrer sollten darüber informiert sein, wie mit Störungen im Unterricht angemessen umgegangen wird und wie diesen vorgebeugt werden kann.

Der Anteil und Ablauf von Unterrichtsstörungen in der Unter-, Mittel- und Oberstufe weist deutliche Unterschiede auf. Unterrichtsstörungen verlaufen also nicht immer gleich. Dem Aspekt der Unterrichtsstörung und ihrer Prävention wird in aktueller fachdidaktischer Literatur zu Recht eine große Bedeutung zugeschrieben.

Was ist gestörter Unterricht?

Laut Winkel (2006:29) "liegt eine Unterrichtsstörung dann vor, wenn der Unterricht gestört ist, das heißt, wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird". Einzelne Schüler beschäftigen sich ständig anderweitig, folgen nicht den Anweisungen der Lehrkraft, sind laut oder raufen sich gar mitten im Klassenraum. Der Unterrichtsfluss wird gehemmt, die Vermittlung des Lehrstoffs stockt bis hin zur schieren Unmöglichkeit, Unterricht durchzuführen.

Viele Lehrer weisen die Verantwortung für derartiges Benehmen der Klasse von sich, indem sie ihre eigene Verantwortung auf den Klassenlehrer übertragen. Nur wenige denken darüber nach, wie die fehlgeleitete Klasse unterstützt werden und somit von den Vorteilen eines flüssigen und ungestörten Unterrichts profitieren kann. Auch Lehrkräfte können also mit ihrem Verhalten Unterrichtsstörungen fördern.

Ursachen gestörten Unterrichts

Unterrichtsstörungen von Schülern wollen des Öfteren etwas mitteilen. Sie sind demnach Signale, die etwa sagen wollen, dass der Unterricht langweilig oder uninteressant ist. Eine andere Botschaft könnte sein, dass die betroffenen Schüler zwar lernen wollen, jedoch auf eine andere Weise, oder dass sie nicht die Sinnhaftigkeit im Unterricht erkennen. Des Weiteren können die Ursachen in persönlichen Lern-, Lebens- oder Beziehungsproblemen liegen, aber auch die Persönlichkeit und das Auftreten der Lehrkraft ist von entscheidender Bedeutung für das Unterrichtsklima.

Interessant ist auch die Entwicklung der Untersuchungen, die Schüler am häufigsten stören. Während in früheren Studien noch die Jungen im Schnitt dreimal häufiger den Unterricht störten als die Mädchen, scheint sich dieser Unterschied mittlerweile nivelliert zu haben – Mädchen stören durchschnittlich ebenso häufig wie Jungen.

Unterrichtsstörungen vorbeugen

Nun stellt sich die Frage, wie man störendes Verhalten in einer Schulklasse präventiv unterbinden kann. Als erstes sollte versucht werden, den Schülern transparent zu machen, warum sie etwas tun sollen. Somit wäre der Aspekt der Sinnhaftigkeit des Unterrichtsvorhabens geklärt. Nolting (2002:42) nennt außerdem vier Bereiche des Lehrerverhaltens, die im Umgang mit Ursachenanalysen von Unterrichtsstörungen sehr sinnvoll erscheinen und präventiv gegen Störungen und Unterbrechungen des Unterrichts wirken:

  • Prävention durch breite Aktivierung (motivierender Unterricht, positive Kommentare, Anregungen etc.)
  • Prävention durch Unterrichtsfluss (Vermeidung von Wartezeiten und eigenen Störungen)
  • Prävention durch klare Regeln
  • Prävention durch Präsenz- und Stoppsignale

Des Weiteren sollte, soweit möglich, den Schülern bei der Unterrichtsgestaltung ein gewisses Mitspracherecht eingeräumt werden, da durch die Steigerung des Interesses der Klasse Störungen merklich reduziert werden können.

Natürlich können – gerade im modernen interaktiven Unterricht – Störungen nicht komplett beseitigt werden. Angehende Lehrer sollten sich aber in jedem Fall, am besten schon während des Studiums, mit dem Thema Unterrichtsstörung auseinandersetzen, um späteren Enttäuschungen oder Ratlosigkeit angesichts einer störenden Klasse vorzubeugen.

Quellen:

  • Coulby, David / Harper, Tim. Preventing classroom disruption. Policy, practice and evaluation in urban schools. Croom Helm, London: 1985.
  • Nolting, Hans-Peter. Störungen in der Schulklasse – Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung. Beltz, Weinheim: 2002.
  • Winkel, Rainer. Der gestörte Unterricht: Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Seider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler: 2006
Anne-Kathrin Scheu, Anne-Kathrin Scheu

Anne-Kathrin Scheu - Über mich: Beim Einkaufen summe ich die Werbeslogans der Produkte, an denen ich vorbeigehe. Ich bin chronischer ...

rss