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Unterschätzter Leckerbissen: Maronenröhrlinge

Der „kleine Vetter des Steinpilzes“ ist sehr vielseitig verwendbar

Marone im Moos - Heinz-W. Bertram
Marone im Moos - Heinz-W. Bertram
Aus Maronenröhrlingen lassen sich kreative Gerichte zaubern. Wie wär's denn zum Beispiel mit getrockneten Maronenchips? Origineller kann ein Snack kaum sein.

Sie sind ein Massenspeisepilz vor allem in den Herbstmonaten und stehen in der Gunst der Sammler gleich hinter Steinpilz und Pfifferling auf Rang drei: Maronen oder exakt Maronen-Röhrlinge (Xerocomus badius) sind „der kleine Vetter des Steinpilzes“, wie Bruno Henning und Hanns Kreisel in ihrem „Taschenbuch für Pilzfreunde“ (Jena 1987) trefflich schrieben.

Maronenröhrlinge - Leckerbissen mit einem Hauch von Marzipan

Maronenröhrlinge wachsen von Juni bis November fast ausschließlich in Nadelwäldern, gerne im sandigen Boden, besonders häufig in Kiefernwäldern des Flachlandes; in Mischwäldern bestehen sie auf starker Nadelbaumpräsenz. Man findet sie einzeln oder gesellig, auch an vermodernden Baumstümpfen. In guten Jahren kann man sie kilo-, ja korb- und sackweise ernten. Gerade in ihrem mitunter massenhaften Vorkommen liegt wohl der Umstand begründet, dass sie landläufig nicht so hoch eingeschätzt werden wie der Steinpilz. Geschmacklich braucht sich die Marone jedoch keineswegs zu verstecken. Nicht zu Unrecht stuft sie mancher Sammler sogar als dem Steinpilz ebenbürtig ein; mit ihrem flüchtigen Hauch von Marzipan ist sie manchem Pilzfreund sogar ein noch größerer Leckerbissen.

Maronenröhrlinge haben die typisch grünblaue Verfärbung

Die Erkennungsmerkmale sind schnell aufgezählt: die Marone duftet frisch obstartig; ihr Stiel ist braun und ungenetzt; ihre Röhren sind grünlichgelb und verfärben sich bei Druck grünlichblau; beim Schnitt läuft das Hutfleisch schwach blau und zur Oberhaut hin rosarot an. Markant aber ist die Hutfarbe mit ihrer charakteristischen kräftigen kastanienbraunen Färbung, die im Alter allerdings aufhellt.

Maronen und Strahlenbelastung

Die Braunfärbung ist es, die der Marone immer mal wieder Negativschlagzeilen einträgt. Denn der braune Farbstoff des Hutes bindet besonders gut das radioaktive Cäsium 137. Unter den Speisepilzen gilt die Marone deshalb als besonders strahlenbelastet. Jedoch: wenn man weiß, dass die statistische Wahrscheinlichkeit, an Krebs infolge strahlenbelasteter Pilzgerichte zu erkranken, bei gut 1:13 Millionen liegt, kann man reine Maronengerichte mit ebenso gutem Gewissen wie mit gutem Appetit genießen. Als kleiner Tipp sei zusätzlich empfohlen, die braune Huthaut beim Putzen abzuziehen.

Weichfleischige oder feste Maronen

Für eine genussvolle Maronenmahlzeit hat man sogar die Auswahl: Kenner entscheiden, ob sie die im Gras oder Moos wachsende weichfleischige Art bevorzugen, die bei der Zubereitung saftig und schmierig reagiert. Oder ob sie die in trockener Nadelstreu zu findende feste, kernige, trockene Art ernten wollen, deren dickerer Stiel, wird er quer geschnitten, bezeichnenderweise ein markantes, an Rohware erinnerndes Schneidegeräusch abgibt.

Rezepte mit Maronen

Maronen lassen sich, wie der Steinpilz auch, auf jede gewünschte Art zubereiten. Sie eignen sich vorzüglich ebenso zum Mono- wie zum Mischpilzgericht. Wie Steinpilze lassen sie sich, gesäubert, gestückelt und portioniert, problemlos einfrieren. In der Tiefkühltruhe haben sie eine monatelange Haltbarkeitsdauer. Auch bieten sich Maronen als Trockenpilze hervorragend für Soßen an; in dünne Streifen geschnitten und getrocknet bilden sie, nachdem sie eine Viertelstunde in Wasser eingeweicht wurden, eine köstliche Beigabe für dunkle Soßen, die man vorzugsweise an kräftige herbstliche Bratengerichte gibt.

Köstlicher Snack: Getrocknete Maronenchips

Hat man die dünnen Scheibchen nach gutem Vortrocknen an der frischen Luft anschließend noch bei 180 Grad in der Röhre getrocknet (drei-, vier Mal sollte dabei für einige Sekunden gelüftet werden), so hat man außerdem eine herrliche Waldknabberei. Denn die raschelnden Maronenchips kann man wie Kartoffelchips knabbern; sie haben den typischen, fein marzipanhaltigen Maronengeschmack und sind ein origineller Snack.

Maronen mit Speck

Die leicht schleimende Maronenart eignet sich nach dem Braten in Salz, Pfeffer und wahlweise Zwiebeln besonders zum Ablöschen mit Sahne. Gibt man Würfelspeck in beliebiger Menge und gehackte Petersilie hinzu, so erhält man ein delikat-kräftiges Pilzgericht. Es eignet sich zu Pellkartoffeln ebenso wie zu einer Scheibe kräftigen gerösteten Brotes.