
- Universität - Peter von Bechen / pixelio.de
Oft heißt es, dass die Uni mit Abstand die schwerste Hochschule sei, gefolgt von FH und Schlusslicht sei die DH. Doch kann man wirklich so leicht pauschalisieren? Gibt es wirklich ein schweres und eine leichtes Hochschulstudium – vor allem in Zeiten des Bologna-Prozesses, durch den mittlerweile alle drei Hochschultypen an ähnliche Studienzeiten gebunden sind und man nicht mehr nur alleine aufgrund der Länge eines Studiums auf dessen Lehrgehalt und -aufwand schließen kann? Um diese Fragen zu klären muss grundlegend erst eines festgehalten werden: Klar ist, dass es gravierende Unterschiede zwischen den Hochschultypen gibt.
Grundlagen des universitären Studiums
Ohne Zweifel ist die traditionellste aller Hochschulformen die klassische Universität. Das Prinzip ist klar: Lehre & Forschung sind unweigerlich miteinander verknüpft. Lehrstühle, geführt von Professoren, bieten Vorlesungen über die theoretischen Hintergründe eines speziellen Gebietes an. Gleichzeitig betreiben sie in diesem Bereich aktive Forschungsarbeiten, um das Wissen zu mehren und letztlich die Lehren aktuell zu halten. Um dieses jahrhundertealte Konzept zukünftig fortsetzen zu können, muss in der Lehre das vermittelt werden, was später für die Forschung benötigt wird: Grundlagenwissen und Theorie. Zwar sollten sich mittlerweile alle Professoren darum bemühen mehr Praxis – etwa anhand von konkreten Beispielen, die die Theorie bestätigen – in die Vorlesungen einfließen zu lassen, aber eines muss einem als (zukünftiger) Universitätsstudent bewusst sein: Theorie bleibt Theorie! Nur anhand von interessanten Beispielen kann man nichts lernen. Selbstverständlich ist es mittlerweile gang und gäbe, dass Absolventen einer Uni in die freie Wirtschaft gehen und dort als Experten auf ihrem Gebiet einen Arbeitsplatz finden. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das universitäre Studium zum Großteil auch darauf ausgerichtet ist, die Studenten auf eine spätere Forschungsarbeit auszurichten.
Das Konzept der Fachhochschule und die Unterschiede zur Universität
Die Fachhochschule unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der Universität. Zwar wird an nahezu allen deutschen FHs ebenfalls Forschung betrieben, jedoch liegt der Schwerpunkt hier auf der Anwendung als auf der Mehrung des Wissens. Dies zeigt sich meist dadurch, dass mehr Zeit aufgewendet wird, die Praxisrelevanz zu verdeutlichen. Das heißt in den meisten Fällen mehr Arbeit anhand von Beispielen oder in Gruppenarbeiten und Projekten. Diese Verlagerung kann unweigerlich nur dazu führen, dass die Vertiefung, die hier eintritt, an anderer Stelle ausbleiben muss. Konkret bedeutet dies, dass der Anteil von zu vermittelndem theoretischen Wissen an Fachhochschulen meist geringer bemessen ist, als im Rahmen eines universitären Hochschulstudiums. Teilweise vorgesehene (Pflicht-)Praxissemster an FHs untermauern dieses Prinzip deutlich.
Das duale Studium im Vergleich zur Universität
Last but not least erfreut sich das duale Studium immer größerer Beliebtheit in Deutschland. Ähnlich wie bei einer Berufsausbildung steht hier der enge Kontakt zur Wirtschaft, den ausbildenden Unternehmen im Vordergrund. Ein dualer Student schreibt sich nicht erst bei einer Hochschule ein, sondern bewirbt sich unabhängig bei einem kooperierenden Unternehmen. Sofern hier ein gültiger Ausbildungsvertrag zustande gekommen ist, wird der Student meist automatisch für ein duales Studium an einer entsprechenden Partnerhochschule eingeschrieben. Lehrinhalte werden abwechselnd durch die Hochschule und den Betrieb vermittelt. In der Hochschule lernt man die für die Praxis relevanten, theoretischen Inhalte, während man deren konkrete Anwendung im Kooperationsunternehmen, während den Praxisphasen lernt. Da sich Vorlesungs- und Praxiszeiten meist in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander befinden, fällt der für die theoretischen Grundlagen zur Verfügung stehende Zeitraum deutlich geringer aus, als dies beispielsweise bei einer Universität der Fall ist.
Kann man nun von einem leichten und einem schweren Studium sprechen?
Sicherlich lag es früher mehr auf der Hand als heute zu sagen: „Das Universitätsstudium ist das anspruchsvollste Studium, gefolgt von einem FH-Studium und dem dualen Studium“. Dies konnte man vermehrt damit begründen, dass etwa ein Betriebswirtschaftsstudium mit Abschlussziel Diplom an einer Universität in einer Regelstudienzeit von zehn Semestern, an einer FH von acht Semestern und an einer Dualen Hochschule (früher Berufsakademie) von sechs Semestern beendet wurde.
Mit der Vereinheitlichung der Strukturen und der Einführung von Bachelor und Master gelingt eine solch oberflächliche Abwägung nicht mehr so leicht. Wenn für ein Bachelor-Studium etwa an einer Universität, an einer Fachhochschule und einer Dualen Hochschule einheitlich sechs Semester angesetzt sind, kann man schwerlich mit einem entsprechend nicht vorhandenen Zeitdefizit argumentieren. Vielmehr kommt es nun auf die Inhalte an, die eine Wertung ermöglichen. Diese variieren allerdings durch die genannten Unterschiede der Typen so stark, dass man sicherlich nicht einheitlich von einem schweren Universitätsstudium und einem leichteren FH-Studium oder gar einem leichten DH-Studium sprechen kann. Vielmehr sind es die eigenen Interessen und Fähigkeiten, die ganz subjektiv darüber entscheiden, ob ein Studium nun schwer ist oder nicht. Forschungsfixierten Theoretikern fällt vielleicht das Auswendiglernen verschiedener Theorien leichter, als die praxisbezogene Umsetzung derselbigen. Wenn ihnen deshalb ein universitäres Studium leichter erscheint als ein duales, heißt das natürlich nicht, dass dies allen Studenten so ergeht. Jeder Hochschultyp hat seine ganz speziellen Vor- und Nachteile. Diese anhand der eigenen Neigungen zu bewerten und abzugleichen stellt eine rein subjektive Meinung dar, die jeder künftige Student nur für sich alleine treffen kann. Kein absolutes Ja oder Nein – kein Leicht oder Schwer ist in diesem Zusammenhang gerechtfertigt.
