Unvergessener Ray Charles

Ray Charles wäre am 23. September 80 Jahre geworden. Nicht nur seine Fans trauerten 2004 um ihn. Er hat die Musik unserer Zeit mitgestaltet

Ein Leben mit allen Höhen und Tiefen – eine Musik mit allen Höhen und Tiefen: das verkörpert Ray Charles, der Mann, den man "Godfather" oder auch "Hohepriester" des Souls nannte. Das blinde Kind aus ärmlichen Verhältnissen, das Millionär wurde, ist nur ein kleiner Teil der Geschichte.

Ray Charles im Porträt

Schon im frühen Kindesalter begann die Augenkrankheit, grüner Star, die rasch zur Erblindung führte. Um die Blindenschule besuchen zu können, musste Ray früh von zu Hause fortgehen. Als seine Mutter, die ihn allein aufgezogen hatte, stirbt, ist er fünfzehn Jahre alt und muss rasch Geld verdienen. Er hatte in der Nachbarschaft Klavierspielen gelernt, für eine weitere Ausbildung fehlten Zeit und Mittel. Klarinette und Altsaxophon lernte er als Autodidakt.

Anfänge auf Spuren Anderer, der Weg bis zum Soul

Rays Idol war Nat King Cole, und so imitierte er ihn am Anfang. Verschiedene Trio-Versuche waren nicht sehr erfolgreich. Es dauerte aber nicht lange, bis er einen ganz eigenen Stil entwickelte. Dabei riss er Grenzzäune verschiedenster Art nieder: natürlich ging er vom Jazz aus, aber er verband Gospel mit Blues, sogar in die weiße Domäne Country-Musik brach er ein, und noch später verwendete er gar französische Chansons und elektronische Musik. Die Puristen nahmen ihm das übel, aber er wurde geliebt und hat durch diese damals ganz neuen Grenzübergänge nicht nur den Soul maßgeblich geprägt, sondern die Gesamtentwicklung der Popmusik mit beeinflusst. Seine Genialität zeigte sich wohl gerade in dieser Vielseitigkeit. Nur zum Rock 'n' Roll warte er Distanz. Nach dem ersten großen Erfolg von "I got a woman" war sein persönlicher Weg vorgezeichnet, auch wenn es am Anfang Proteste genug gab wegen Entweihung von Musik, die traditionell in die Kirche gehörte!

Ray Charles am Klavier: gelebte Musik

Quincy Jones soll gesagt haben: "Er nahm die Musik Gottes und die Worte des Teufels und machte daraus das Amalgam, das wir Soul nennen." Vielleicht war es das, was seine Zuhörer gefangen nahm, dazu die Wahrhaftigkeit seines Ausdrucks. Er war glaubwürdig, in seiner Musik lagen Schmerz und Lust des Menschen nahe beieinander. Schwach und stark zugleich, kannte er Höhen und Tiefen. Er war ein passionierter Schachspieler, aber auch ein langjähriger Heroinabhängiger, der schließlich eine erfolgreiche Entziehungskur bewältigte. Er unterstützte Martin Luther King und verbot bei seinen Konzerten die Trennung von Schwarz und Weiß. Seine Erfolge sind nicht nur an den Hitparaden zu messen, die er Anfang der Sechziger Jahre stürmte, sondern besonders auch an der Verleihung des hochkarätigen und hochdotierten Polar Music Prize, den er 1998 erhielt. Ray Charles starb zu früh, seine Musik wird bleiben.

Dr.U.Altanis-Protzer, Dr. U.Altanis-Protzer

Dr. Ute Altanis-Protzer - Ich bin promovierte Ärztin und habe ausserdem Literaturwissenschaft, Philosophie und Politikwissenschaft studiert . Meine besonderen ...

rss