Während in Mitteleuropa der Frühsommer einzieht, liegt Mittelamerika fest in der Hand der Regenzeit. Selbst der karge und prärieartige Westen Costa Ricas wandelt sich dann wieder in eine grüne und fruchtbare Landschaft. Doch seit jeher geht die Regenzeit auch mit heftigen Unwettern und sogar Naturkatastrophen einher. Hinzu kommen die spürbaren Einflüsse des Klimawandels, welche die Regenzeit immer unberechenbarer werden lassen. Begann der Regen noch vor wenigen Jahren meist pünktlich im März oder April und erreichte seinen Höhepunkt im Oktober, werden heute immer wieder abnorme Regenmengen bereits im Frühsommer registriert. Selbst im Februar, sonst einer der trockensten Monate in Zentralamerika, kam es 2010 zu heftigen Niederschlägen, welche mehrere Tage anhielten.

Chaos in Costa Rica nach heftigen Regenfällen im Mai 2010

Am 25. Mai 2010 registrierte allein die costaricanische Provinz Puntarenas viermal stärkere Regenfälle als gewöhnlich in der Regenzeit. Heftige Unwetter und seit mehreren Tagen andauernder Starkregen führten in der Pazifikregion und der Karibik Costa Ricas zu immer chaotischeren Zuständen. 84 Verletzte, zahlreiche unpassierbare Straßen, eine eingestürzte Brücke und eine verschollene Person erfasste die Bilanz am 25. Mai 2010.

Zahlreiche Ortschaften hatten mit Überschwemmungen zu kämpfen, so wurden allein in Caldera, Esparza, durch Gewitter und eine hohe Flutwelle vierzig Häuser überschwemmt. Ein Radfahrer stürzte in den Fluss Chirripó und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Bei Nandayure auf der Halbinsel Nicoya brachte der stark angestiegene Pegel des Flusses San Pedro eine Brücke zum Einsturz.

Bereits am Vortag waren auf der viel befahrenen Hauptstraße von San José nach Caldera bei Erdrutschen Felsbrocken von bis zu einem Meter Durchmesser auf die Fahrbahn gestürzt und hatten mehrere Unfälle verursacht. Bereits seit Januar angebrachte Stabilisierungen der gefährdeten Straßenränder hatten die Erdrutsche nicht verhindern können.

Schlechte Straßen sind Alltag in Costa Rica

Katastrophale Straßenverhältnisse mit kraterartigen Schlaglöchern und starken Erdrutschen vor allem während der Regenzeit sind in Costa Rica ein viel verfluchter Teil des Alltags. Fast immer werden Straßenabschnitte zerstört und unterspült, wenn es für mehrere Tage anhaltend regnet. Jahr für Jahr werden in der Regenzeit die schwachen Asphaltbeläge durch tropische Niederschläge in kurzer Zeit abgetragen, zentrale Verkehrswege müssen aufgrund von Erdrutschen mehrmals pro Jahr gesperrt werden. Doch auch in der Trockenzeit zeigt der Belag an vielen Stellen Risse, die leicht zu tiefen Schlaglöchern werden und auch auf sonst ebenen Asphaltflächen zum Reifenkiller werden. Nicht ohne Grund legen sich Einheimische beim Autokauf am liebsten direkt ein Fahrzeug mit Vierradantrieb zu, und auch Touristen sind gut damit beraten, bei ihrem Mietwagen in Costa Rica den Zuschlag für einen Jeep zu zahlen.

Reagiert wird auf massive Schäden im Straßenbelag in der Regel mit einem kurzfristigen und kaum nachhaltigen Stopfen der Schlaglöcher. Für regenbeständigen Straßenbau fehlt in Costa Rica nicht nur das Geld, man bügelt die Falten im Belag lieber kurzfristig glatt als langfristig und wetterbeständig zu planen. Selbst die Interamericana gleicht in dem mittelamerikanischen Land einem Flickenteppich. Die „Ticos“ wissen um ihre schlechten Fahrbahnen, Straßenbauunternehmen Costa Ricas wie Autopistas del Sol stehen regelmäßig in der öffentlichen Kritik. Vorgeworfen werden den Firmen schlechte Planung, mangelhafte Umsetzung von Regelwerken und ein zu langsames Reagieren im Ernstfall. Besonders die getätigten Präventionsmaßnahmen für Unwetter werden als nicht ausreichend kritisiert.

Quellen und Links