Update: Der Tag nach der Massenpanik auf der Loveparade 2010

Loveparade 2010 Güterbahnhof Duisburg - WDR
Loveparade 2010 Güterbahnhof Duisburg - WDR
Lesen Sie hier weitere Informationen und News vom 25.07.2010 zu den Ereignissen und den Reaktionen rund um das Unglück auf der Loveparade.

Schon am Sonntagnachmittag veröffentlichte die Polizei in Duisburg genauere Informationen zu den Opfern, die am Tag zuvor bei der Loveparade in Duisburg ums Leben gekommen sind: Elf der 19 Toten besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. Des weiteren war das Ableben von niederländischen, australischen, italienischen, chinesischen, spanischen und bosnischen Mitmenschen zu beklagen, die auf der Loveparade auf dem alten Güterbahnhofgelände in Duisburg feiern wollten. Am Samstagnachmittag, den 24. Juli 2010 brach eine Massenpanik aus, durch die nach offiziellen Angaben auch 342 Menschen schwer verletzt worden sind.

Tote bei der Loveparade 2010: Die Unglücksursache ist strittig

Während am Nachmittag des Geschehens Augenzeugen von einem Stau sprachen, innerhalb dem es wegen des Drucks nachrückender Menschen zu einer Massenpanik gekommen sein soll, sprach der Polizeipräsident Duisburgs, Detlef von Schmeling, im Rahmen einer von WDR live übertragenen Pressekonferenz am Sonntagmittag davon, dass es am Ort des Unglücks – dem Autobahnunterführungstunnel an der Karl-Lehr-Straße, der der einzige Zugang zum Partygelände gewesen ist – keine derartige Situation gegeben habe und er auch den Begriff der Massenpanik hier nicht angewendet wissen wolle.

Offenbar versuchten einige Menschen, schneller als durch den einzigen Zugang auf das Gelände zu kommen, kletterten über einen Container auf eine Treppe, stürzten Teilweise ab und verursachten dadurch das Unglück, das auch das Aus der Loveparade insgesamt bedeute: Veranstalter Rainer Schaller – gleichzeitig auch Chef der Fitnesskette McFit – verkündete auf der Pressekonferenz von Sonntagmittag, dass es keine Loveparade mehr geben werde. Am Nachmittag des 25. Juli 2010 besuchte Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, den Unglücksort und legte einen Strauß weißer Blumen nieder.

Tote bei der Loveparade 2010: Es hat im Vorfeld Warnungen gegeben

Ausführungen der Onlineausgabe des Düsseldorfer Express zufolge sei der Tunnel nur für eine Kapazität von 20.000 Menschen pro Stunde ausgelegt. Doch in dieser Zeit mussten 250.000 Personen durch den 16 Meter breiten und 100 Meter langen Tunnel. Das Video, das das ZDF zum Unglück veröffentlicht hat, zeigt, wie eng es an der Unterführung an der Karl-Lehr-Straße zuging. Express.de führte weiter aus, das auch der Panikforscher Professor Michael Schreckenberg zugegeben habe, zu wenig gewarnt zu haben, denn das Sicherheitskonzept sei nur für 500.000, aber nicht für 1,4 Millionen Menschen ausgelegt gewesen. Unglaublich: Er hat das Gelände vorher nie persönlich begutachtet.

Das Magazin "Der Spiegel“ berichtete, dass die Polizei dem Veranstalter ein großflächigeres Sicherheitskonzept vorgeschlagen habe, dieses aber abgelehnt worden sei, weil der Veranstalterseite der Personalaufwand zu umfangreich erschien. Ein Kernpunkt des Plans sei es gewesen, das Nadelöhr am Unglückstunnel zu vermeiden. Polizeipräsident Detlef von Schmeling wies aber in der Pressekonferenz am Sonntagmittag darauf hin, dass keines der Opfer im Tunnel, sondern im westlichen Bereich der Rampe sein Leben verloren habe. Aufgrund der unsicheren Faktenlage wollten die Verantwortlichen weiter nichts sagen.

Tote bei der Loveparade 2010: Dr. Motte erhebt schwere Vorwürfe gegen Rainer Schaller

Die Bildzeitung brachte es zudem auf den Punkt: Niemand will die Schuld übernehmen. Für Dr. Motte, den Begründer der Loveparade-Bewegung, trägt Veranstalter Rainer Schaller die Verantwortung für das Unglück, denn Motte wirft Schaller vor, nur aus Profitgier zu handeln. Motte erklärte in der Onlineausgabe der Zeitung Welt, dass die Menschen nur deswegen durch einen einzigen Zugang gepfercht worden seien, um ihnen noch einen letzten Euro für Getränke aus der Tasche zu ziehen. Außerdem fehle Rainer Schaller auch die nötige Erfahrung mit solchen Groß-Events. Schaller wolle, so Matthias Roeingh – Mottes bürgerlicher Name – damit nur für seine McFit-Kette werben.

Auf die Frage danach, was gemacht werden müsse, um die Sicherheit zu gewährleisten, sagte Dr. Motte wörtlich: „Ganz wichtig: keine Absperrungen. Bei Veranstaltungen mit Hunderttausenden Menschen darf man die Menschen nicht einpferchen. Die müssen fliehen können, falls Gefahr droht. Die Menschen sind doch kein dummes Vieh. Das ist unmenschlich, ekelhaft. Die Menschen mussten sich da gestern durch diesen engen Tunnel zwängen. Und warum?“ Dann kam er auf die bereits zitierte Profitgier zu sprechen. Die Staatsanwälte Duisburgs ermitteln nun gegen Unbekannt.

Tote bei der Loveparade 2010: Vorahnungen waren im Internet präsent

Schon Tage zuvor waren im Internet Stimmen zu lesen, die die Fläche des alten Güterbahnhofes als zu klein für das Event einstuften. Die Onlineausgabe der Bildzeitung fasste in einem Artikel verschiedene Zitate von Zeitgenossen zusammen, die konkret schon die Besucherführung über die Tunnel der Karl-Lehr-Straße als kriminell einstuften und ein Unglück befürchteten. Oberbürgermeister Adolf Sauerland von der CDU nannte das Sicherheitskonzept der Presse gegenüber als stichhaltig. Er meinte, dass wahrscheinlich individuelle Schwächen Auslöser der Katastrophe gewesen seien. Meint er damit Menschen, die nichts weiter als nur eine Treppe heraufklettern wollten?

So erprobt, wie Fritz Pleitgen – der frühere Intendant des WDR und Cheforganisator der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 – die Loveparade im Interview mit dem ZDF bezeichnete, stuft Dr. Motte die Loveparade in Welt-Online.de deswegen nicht ein, weil man den Veranstaltungsort nicht jährlich wechseln könne. Zitat: „Man fängt immer bei Null an und hat keine Erfahrungswerte.“ Auf der Website der Ruhr.2010 war am Sonntag zu lesen: „Wir sind schockiert. Was so fröhlich und friedlich begonnen hat, ist in einer Katastrophe geendet. Es macht uns zutiefst bestürzt, dass so viele junge Menschen ihr Leben verloren haben. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt den Angehörigen.“

Tote auf der Loveparade: Sondersendungen in WDR und ZDF

Für Sonntagabend, den 25. Juli 2010 um 19:10 Uhr nahm das WDR Fernsehen im Rahmen der Sendereihe "Aktuelle Stunde" die Sondersendung "Tote bei Loveparade in Duisburg 2010" ins Programm. Auch das Zweite Deutsche Fernsehen kündigte für 19:10 Uhr eine Sondersendung zum Geschehen an. Auf der sendereigenen Homepage veröffentlichte das ZDF Fotoserien zum Unglück auf der Loveparade, die zeigten, wie es nach der Katastrophe auf der Karl-Lehr-Straße ausschaute.

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