Ural-Kosaken-Chor: Reise in die Tiefen der russischen Seele

Ural-Kosaken-Chor - Christa Kaddar
Ural-Kosaken-Chor - Christa Kaddar
Frömmigkeit, Melancholie, Wehmut und Übermut spiegeln in den Liedern des Ural-Kosaken-Chors die ganze Weite und Tiefe der russischen Seele.

Von August bis Weihnachten 2010 ist der Ural-Kosaken-Chor auf Europa-Tournee. Ein Konzert führte ihn auch am 19. August in die Kulturkirche in Eltville-Martinsthal.

Ural-Kosaken-Chor: Konzert in Eltville-Martinsthal

Feierlich und melancholisch, rhythmisch und feurig waren die Gesangsdarbietungen des Chors. Die Sänger füllten mit ihren klaren und kraftvollen Stimmen den Kirchenraum und boten als Chor und als Solisten Spitzenleistungen. Das Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzten Kulturkirche zeigte sich begeistert.

Die „Zarenhymne“ bildete den Auftakt zu dem besonderen Musikerlebnis. Dirigent Wladimir Kozlovskij moderierte das Konzert in fließendem Deutsch mit unüberhörbarem russischem Akzent. Er erzählte Wissenswertes über die einzelnen Lieder und über die Heimat der Ural-Kosaken. Vor allem der erste Teil des Konzerts war geprägt von geistlichen russischsprachigen Liedern wie „Ave Maria“, „Alleluja“, „Mutter Gottes“ und „Heilige Dreifaltigkeit“. „Ich bete an die Macht der Liebe“ sang das Ensemble in russischer und deutscher Sprache und dieser musikalische Vortrag war an Feierlichkeit kaum zu überbieten, auch wenn noch weitere feierliche Töne die Reise tief in die russische Seele begleiteten.

Der Ural-Kosaken-Chor singt weltberühmte russische Lieder

„Ein Kosake kann sich nicht vorstellen, dass er sich ohne das Klingen der Glocken von seiner Heimat verabschiedet“, sagte Wladimir Kozlovskij. „Meine Damen und Herren, hören Sie jetzt das weltberühmte Lied ‚Abendglocken’“. Die Ural-Kosaken ließen noch weitere majestätische Gesänge ertönen, wie „Eintönig klingt das Glöckchen“, „Still ruht der See“ und ein Mönchsgebet aus dem 14. Jahrhundert. Aber auch die fröhliche und temperamentvolle Seite kam nicht zu kurz. „Vater, sattele für mich ein Pferd“, war eines der übermütigen Lieder, bei denen das Publikum den Takt mitklatschte. Mit der Hymne der Ural-Kosaken wollte sich der Chor verabschieden, doch die Zuhörer in der Kulturkirche ließen es nicht zu und erkämpften sich mit lang anhaltendem, stürmischem Applaus eine Zugabe. Mit „Kalinka“ verabschiedete sich der Chor von dem begeisterten Publikum. „Ich glaube an ein baldiges Wiedersehen“, betonte Wladimir Kozlovskij.

Der Ural-Kosaken-Chor tourt bis Weihnachten 2010 durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich

In der Pause und nach dem Konzert nutzten die Gäste die Zeit an diesem warmen Sommerabend auf dem Platz vor der Kirche für ein Glas Wein, für nette Gespräche oder auch um eine der CDs des Ural-Kosaken-Chors zu kaufen. Chorleiter Kozlovkij wies auf das „Projekt Lichtblick“ hin, das der Ural-Kosaken-Chor mit den Barmherzigen Brüdern in Gremsdorf und mit anderen Projektpartnern gemeinsam verwirklicht. Ziel ist der Auf- und Ausbau des Kinderdorfs „Blauer Himmel“ am Ufer des Flusses Nerl bei Wladimir in Russland. In diesem kleinen Kinderdorf mit integrativem Therapiezentrum sollen bedürftige und geistig oder psychisch behinderte Kinder Erholung und Perspektiven finden.

Der Ural-Kosaken-Chor wurde 1924 von Dirigent Andrej Scholuch gegründet und gab schon damals Konzerte in ganz Europa. Der Chor hat mehrere CDs herausgebracht mit russischen Kirchen-, Volks- und Weihnachtsliedern. Die aktuelle Tournee führt das Ensemble bis zum 23. Dezember 2010 in zahlreiche deutsche Städte, in die Schweiz und nach Frankreich.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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