
- Sven Fricke als Frank Lehmann - Joachim Hiltmann
Frank Lehmann ist wieder da! "Neue Vahr Süd" - benannt nach dem Neubauviertel im Osten Bremens - erzählt die Vorgeschichte des sympathischen Antihelden aus Sven Regeners "Herr Lehmann". 1980 – Frank Lehmann wohnt zusammen mit seinen Eltern in der Neuen Vahr Süd. Gerade hat er seine Lehre beendet, und nun muss er zum "Bund" - er hat irgendwie vergessen zu verweigern. Ihm stehen 15 harte Monate bevor. Zwar gelingt ihm nach einem Streit der Auszug aus dem Elternhaus in eine Studenten-WG. Doch während Frank die Woche über strammstehen, Hemden auf DIN A4 falten und durchs Gelände robben muss, streiten seine Freunde für ihre Version der proletarischen Weltrevolution, gegen Militär und Aufrüstung - und um die energische Sibille. Zwischen resignativem Desinteresse und agressivem Widerspruchsgeist pendelnd, kämpft Frank Lehmann für eine eigene, würdige Existenz zwischen zwei widersprüchlichen Welten und gerät von einer absurden Situation in die nächste. Am 20. März 2011 feierte die "Neue Vahr Süd" in seiner Bühnenfassung seine furiose Uraufführung.
Exzellente Bühnenfassung von Georg Münzel und Anja del Caro
Regisseur Georg Münzel und Dramaturgin Anja del Caro haben aus Sven Regeners Erfolgsroman eine spannende und pointenreiche Bühnenfassung geschrieben, die Franziska Gebhardt in ein geschicktes Bühnenbild gesetzt hat. Zunächst sieht das Bühnenbild wie ein einziger Sperrmüllhaufen in einer alten Wohnung aus. Abgewetzte, teilweise abgerissene Tapeten an Wänden, links ein Kasernenbett, mittig eine alte Couch und weiter rechts eine kleine Essecke. Einzig eine Stehlampe spendet etwas Licht. Erst später entpuppt sich dieser "Sperrmüllhaufen" als ein äußerst clever erdachtes Bühnenbild. Die einzelnen Elemente befinden sich auf Rollen, bieten die verschiedensten Spielflächen. Die Bühne ist bereits zu Beginn offen. Vorne am Bühnenrand sitzt ein gelangweilter junger Mann.
Brillante Schauspieler am Altonaer Theater
Dieser junge Mann ist Frank Lehmann, gespielt von Sven Fricke. Sven Fricke strahlt eine solche Bühnenpräsenz aus, dass es nicht einmal dann langweilig wird, wenn er gelangweilt sitzt und schaut. Schließlich wird es im Saal dunkel und Frank Lehmann, 20 Jahre jung beginnt über sein Leben zu sinnieren. Darüber, dass man bereits als Kind eingeimpft bekommt, dass man nicht bei schönem Wetter einfach zu Hause bleiben darf. Und darüber, dass es eigentlich quatsch ist, mit 20 noch bei seinen Eltern zu wohnen. Und während er noch darüber nachdenkt, ob er vielleicht ausziehen sollte, belegen seine Eltern einfach schon mal sein Zimmer. Das kommt also einem Rauswurf gleich und das absurde Leben des Frank Lehmann nimmt seinen Lauf. Dabei brilliert nicht nur Sven Fricke in der Hauptrolle des Frank Lehmann. Auch seine acht Kollegen, die in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen bestechen durch trockenen Humor und hoher Wandlungsfähigkeit.
Parodie auf die Bundeswehr
Lustvoll überzeichnen sie die Charaktere bei der Bundeswehr, mit Wonne schlüpfen Sie in die Rollen der kiffenden Hippies und Anne Schieber gibt eine Mutter, wie sie im Buche steht. Ann Kathrin Doerig ist als öko-angehauchte Sonja einfach herrlich. Doch eigentlich sollte man in diesem Ensemble niemanden hervorheben, denn das Gesamtspiel könnte besser kaum sein. Das heißt, etwas gibt es in diesem Spiel dann doch zu bemängeln. Von Schauspielern sollte man erwarten, das sie durchgehend immer gut zu verstehen sind. Das ließ allerdings im zweiten Teil sehr nach. Es wurde in Lacher hineingesprochen, und wenn im Saal jemand gehustet hat, dann hatte man vereinzelt bereits in der sechsten Reihe arge Probleme den Text zu verstehen. Etwas lauter, darf man leise Szenen schon sprechen. Ein Manko, dass die glorreichen Neun künftig aber sicher beheben können.
Tosender Beifall für Sven Regeners "Neue Vahr Süd" im Altonaer Theater
Am Ende der Uraufführung gab es tosenden und berechtigten Beifall für ein exzellentes Ensemble. Regisseur Geog Münzel darf stolz auf seine Truppe sein. "Neue Vahr Süd" - nicht nur ein Muss für Sven Regener-Fans. Noch bis zum 30. April 2011 ist die "Neue Vahr Süd" im Altonaer Theater zu sehen. Hingehen lohnt sich.
