
- Bienenstock - Marco Schlüter
Bienenvölker auf dem Dach eines Hochhauses. Zugegeben, es klingt zunächst etwas verrückt - typisch amerikanisch eben. Aber die Idee, Imkerei auf Dächern zu betreiben, ist alles andere als spinnert, sondern auch aktiver Tierschutz und Umweltschutz. Denn von Bienen ernten wir nicht nur den wohlschmeckend Honig. Bienen sind enorm wichtig für die Bestäubung unserer Nahrungspflanzen. Durch das große, geheimnisvolle Bienensterben ist die Bienenpopulation arg dezimiert. Nun muss aufgestockt werden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Je mehr Bienenstöcke wieder betreut werden, desto gesünder ist die Natur.
Stadt versus Land
Die Bienen sind mit unsere ältesten Nutztiere. Jahrzehntelange Züchtung hat aus der Waldbiene eine vielleicht nicht zahme, dennoch deutlich weniger stechfreudige Honigbiene gemacht. Und nun, so paradox es klingt, findet sie in den Großstädten weitaus bessere Lebensbedingungen als in der Natur auf dem Land. Monokulturen, Parasiten, Pestizide und Insektizide machen ihr dort das Leben schwer. Infektionen haben bereits flächendeckend viele Bienenvölker zerstört.
In der Großstadt hingegen treffen die Bienen in öffentlichen Grünanlagen, in Gärten, auf Balkonen und Dachterrassen auf eine enorme Pflanzenvielfalt. Das wahre Bieneneldorado. Und der Honig, der hier produziert wird, ist durch die vielfältige Pollenmischung besonders aromatisch und hochwertig.
Das hat sich auch ein Hotelmanager aus Gelsenkirchen gedacht. Auf dem Hoteldach in 60 Meter Höhe wohnt nun ein Bienenvolk, das von einem Stadtimker betreut wird. Natürlich hat der Schalke-Fan die schwarz-gelbe Königin mit einer blauen Markierung versehen, " Die anderen Bienen bleiben Borussen." Nun wird auf dem Hoteldach der Ruhrpotthonig produziert, den die Hotelgäste dann zum Frühstück genießen dürfen. Über eine erhöhte Schadstoffbelastung des Stadthonigs müssen sie sich keine Gedanken machen. Der Honig ist sauber.
Imker suchen dringend Nachwuchs
Die Stadtbienen werden überwiegend von Hobbyimkern betreut. In Berlin gibt es das Projekt "Berlin summt", dass interessierten Menschen für ein Jahr ein Volk vermietet und auch eine fachmännische Unterstützung bei der Pflege der Bienen und der Honiggewinnung stellt. Wem es gefällt, der kann als Honigbauer weitermachen. Das Angebot findet reißenden Absatz.
Immer mehr berufstätige Menschen suchen in der Imkerei einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag. Sie haben sich die Natur in die Stadt geholt und genießen die Ruhe, die zum Gesumme der Bienen ausgeht und freuen sich, etwas produzieren zu können. Für sie ist Imkerei Entspannung pur. Manche meinen sogar, der Umgang mit den Bienen sei eine gute Vorbeugung gegen Allergien.
Imkerei als Hobby
Laut Deutschem Inkerbund werden 80% des heimischen Honigs von Hobbyimkern produziert. So schwierig kann Honiggewinnung also nicht sein. Sicherlich benötigt man dazu neben Bienen und Ausrüstung auch Knowhow. Den Bienen soll es ja gut gehen, sie sollen sich wohl fühlen, viel Pollen sammeln und den Winter überstehen, und der Honig muss natürlich schmecken. Dieses Fachwissen vermitteln die dem Deutschen Imkerbund angeschlossenen Landesverbände oder eben auch besagtes Projekt in Berlin. Sicherlich sind auch die Imker in der Umgebung immer gut für Rat und tat. Das Schöne am Imkereihobby ist ja auch, dass sich die Investitionskosten durch den Honigverkauf schnell amortisieren.
