Urban Knitting - Verzierung des Stadtraumes durch Strickkunst

Urban Knitting bei der Straßenbahn - Hermann Horsten
Urban Knitting bei der Straßenbahn - Hermann Horsten
Welche Aussage sich hinter Urban Knittig verbirgt und wie es das Aussehen des Ortsbildes beeinflusst.

Bei Urban Knittig handelt es sich um einen Trend, der im Jahr 2005 in den Vereinigten Staaten, seinen Ursprung nahm. Beim so genannten Yarn Bombing werden verschiedene Elemente einer Straße, wie beispielsweise Telefonzellen, Laternen und Bäume, mit Strickmustern verziert und manchmal sogar darin eingehüllt. Hierbei erwies sich die texanische Künstlerin Magda Sayeg als eine der wichtigsten Wegbereiterinnen.

Was das Phänomen "Urban Knitting" so besonders macht

Jene Kunstform, welche auf der Tätigkeit des Strickens aufbaut, wird gerne und oft mit Graffiti verglichen. Dies liegt in erster Linie daran, dass beim Urban Knitting ebenfalls mit verschiedenen Mustern bestimmte (politische) Aussagen getroffen werden sollen. Jedoch besteht zwischen den beiden Ausdrucksformen ein großer Unterschied. Beim Anbringen der Strickmuster kommen nämlich keine Gegenstände zu Schaden, während Graffiti das Ortsbild beinahe unwiederbringlich verändern wird und bisweilen auch Reparaturen erforderlich machen. Aus diesem Grund kann Urban Knitting auch als gewaltlose sowie friedliche Kunst bezeichnet werden. Durch diese Flexibilität kann man die Strickereien nahezu überall problemlos anbringen und bewundern.

Wie jene Kunstform das Ortsbild beeinflusst

Die Urban Knits haben jedoch mittlerweile nicht nur als gesellschaftskritische Ausdrucksform an Bedeutung gewonnen. Sie beeinflussen in vielen Fällen nämlich auch das Erscheinungsbild ganzer Stadtviertel. Hierbei ist beispielsweise Dortmund Mengede zu erwähnen. Dort konnte mit Hilfe der Strickkunst eine verspielte Auflockerung der eintönig grauen Straßen erzielt werden. Viele Künstler üben dadurch auch Kritik an der Verschwendung des öffentlichen Raumes durch wahllos verteilte Werbeschilder und Leuchtreklamen. In Dortmund bewegt sich das Yarn Bombing noch in einer rechtlichen Grauzone. In einigen Städten erfreut sich jene Kunstform jedoch einer so großen Beliebtheit, dass sie dort völlig legal und für die Einwohner mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Des Öfteren äußern diese sogar schon Farbwünsche und versuchen somit ebenso das Aussehen ihrer Umgebung zu beeinflussen. Dies stellt aus der Sicht der Stadtplanung eine neue Form der Bürgerbeteiligung dar.

Der steigende Bekanntheitsgrad des Yarn Bombing

Eine weitere Aufgabe der so genannten Guerilla-Strickerinnen, welche für die urban Knits verantwortlich sind, besteht darin, die Arbeit des Strickens der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da es sich bei jener Tätigkeit um eine traditionell weibliche Domäne handelt, wird diese zumeist in den privaten Bereich verlagert. Durch das Urban Knitting gewinnt jene Arbeit auch für die Gesellschaft an Bedeutung. Mittlerweile gibt es eine große Zahl von Arbeitsgruppen, die sich sogar miteinander vernetzen. Auf sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook und Twitter, werden des Öfteren auch unterschiedliche Techniken und Erfahrungen ausgetauscht. Die Präsentation der eigenen Werke gehört hierbei ebenfalls dazu.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich beim Urban Knitting um einen relativ neuen Trend handelt, der auf sanfte Weise Aufsehen erregen will. Die farbenprächtigen Strickereien ziehen jedoch nicht nur die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich, sondern nehmen auch Einfluss auf das Wohlbefinden der Bewohner. Da es sich dabei sowohl um eine flexible als auch sanfte Form des Außenschmucks handelt, ist zu überlegen, ob das Urban Knitting auch im Zuge der Stadt- und Raumplanung Einsatz finden könnte.

Quellen:

Dolores Stuttner, Dolores Stuttner

Dolores Stuttner - Ich schlüpfte im Jahr 1986 im schönen Wien aus dem Ei. Ab dem siebten Lebensjahr habe ich die Hobbys Lesen und Lego für ...

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