Es gibt viel zu entdecken im Königsberger Gebiet, der Kaliningradskaja Olblast, wie es heute heißt und wer zum Beispiel auf den Spuren seiner eigenen Familie das Land erkundet, wird ohnehin wissen, wo er hin will.
Touristisch gesehen darf man nicht mit einer Hotel- oder Gastronomiedichte wie in Westeuropa rechnen, auch die Straßen sind nicht so toll wie in Mitteleuropa, dafür wird man mit einer grandiosen Natur entschädigt.
Die Kurische Nehrung
Es lockt der russische Teil der Kurischen Nehrung, eine Tagestour nach Rybatschij, dem alten Rossitten ist allemal ein Erlebnis. Auf der alten Poststraße fährt man durch die immer noch fast unberührte Dünenlandschaft bis nach Morskoje/Pillkoppen kurz vor der litauischen Grenze.
Einen Besuch der berühmten Rossittener Vogelwarte sollte man genauso wenig versäumen wie einen Spaziergang am längsten Sandstrand der Welt. Einen Einblick in Geschichte und Wesen dieser einmaligen Landschaft zeigt das direkt an der Straße gelegene kleine Nehrungsmuseum.
Selenogradsk/Cranz, die Badewanne der Königsberger
Cranz war neben Rauschen schon immer die Badewanne der Königsberger, denn es ist nur gut 30 km nordwestlich gelegen, dort wo die Samlandküste in die Kurische Nehrung übergeht. Einst war der Ort mondäner als Rauschen, aber davon ist nichts geblieben. Im Ort sieht es ähnlich aus wie im ganzen Königsberger Gebiet, der Wasserturm steht, ebenso wie der Bahnhof und einige alte Häuser, etliche davon ziemlich angefressen. Die Pracht ist dahin.
Von den schönen weißen Strandvillen steht kaum noch eine und die alte holzbeplankte Seepromenade ist durch einen Betonweg ersetzt worden. Kein Strandcafé, kein Bistro, kein Imbiss, nicht einmal eine Bank lädt zum Verweilen, nur die Betonpiste und landeinwärts die Tristesse der vielen mürben Häuser.
Steht man mit dem Rücken zum Land, erkennt man, was den Reiz dieses Ortes ausmachte, ein tolles Panorama, links die Steilküste des Samlandes, rechts die Nehrung. Wasser, Sonne und Sand satt unter dem hohen östlichen Himmel. Das ist es, was einen Besuch lohnend macht.
Samlandküste - Bernsteinküste
Das Samland ist eine abwechslungsreiche, hügelige Landschaft mit schroff abfallenden Steilufern, lieblichen weißen Stränden und war die traditionelle Sommerfrische der Königsberger.
Neben Rauschen gab es noch viele andere kleinere Badeorte an der wildromantischen Küste, die sich von Cranz bis weit südlich von Palmnicken erstreckte. Hierher kommt der Bernstein auch unserer Schmuckgeschäfte und mit ein wenig Glück kann man ihn bei einem Strandspaziergang finden.
Unnötig zu erwähnen, was man als Souvenir kaufen sollte: natürlich Bernstein. Preiswerter werden Sie ihn nirgends auf der Welt bekommen.
Svetlogorsk/Rauschen, das Sotschi des Nordens
Rauschen liegt 55 km nordwestlich von Königsberg im Samland, an der sagenumwobenen Bernsteinküste. Einst war Rauschen nicht so mondän wie Cranz und galt eher als Volksbad.
Heute ist das ganz anders. Der ganze Königsberger Bezirk war zwar Sperrgebiet, aber nicht für die Nomenklatura, die High Society der Kommunistischen Partei und so wurde Rauschen zum Sotschi des Nordens.
Daher wurde der Ort auch in den sowjetischen Jahren gehegt und gepflegt, Altes restauriert und erhalten und die meisten sozialistischen Bausünden in den reichlich vorhandenen Wäldern versteckt. Auch landschaftlich ist Rauschen sehr reizvoll zwischen geheimnisvollen Wäldern an der traumhaften, von malerischen Schluchten durchzogenen, Steilküste gelegen.
Wie früher ist Rauschen auch heute zweigeteilt. Die eigentlichen Bewohner leben in Swetlogorsk I, dem alten Rauschen-Ort und das Strandleben findet in Swetlogorsk II, Rauschen-Düne statt.
Von Königsberg fährt der Badegast mit der Samlandbahn gleich durch bis zum Endpunkt Rauschen-Düne. Lange Jahre war Rauschen genau wie Cranz für den Autoverkehr komplett gesperrt, heute sind die Orte teilweise wieder für den Verkehr freigegeben. Rauschen-Ort ist der schönste Platz im Königsberger Gebiet. Zentral im Ort liegt der alte Mühlenteich, der zum Rudern einlädt und von einer einladenden Promenade umgeben ist.
Auf der anderen Seite, Richtung See stehen malerische Baum umstandene alte Holzvillen, vom Wald umgebene Kurhäuser und Sanatorien sowie Cafés und Restaurants, alles in überraschend gutem Zustand.
Auch das Wahrzeichen des Ortes hat die Zeiten überlebt. Das Warmbad mit seinem 25 m hohen Turm, der alten Sonnenuhr und dem charakteristischen Kuppeldach strahlt in frischem Glanz. Im hier beginnenden Kurpark (Lärchenpark) steht am altvertrauten Platz die Wasserträgerin, eine Statue von Hermann Brachert.
Von der Promenade gelangt man auch zum Strand. Am Ostende geht man die riesige Paradetreppe hinunter. Am Westende fährt man mit der kleinen Seilbahn, oder wenn sie mal wieder nicht läuft, geht man den Serpentinenweg hinab.
In der Mitte gibt es dort, wo früher die Drahtseilbahn stand, einen vom Veteranenverband betriebenen Fahrstuhl, der zumindest bergauf immer Touristen befördert, strandwärts ist manchmal Verhandlungssache.
Jantarnij/Palmnicken, die Bernsteinstadt
Palmnicken liegt 50 km westlich von Königsberg an der Samlandküste. Der Name Jantar, Bernstein, sagt es, Palmnicken ist die Bernsteinstadt und kein Badeort, hier wird der Bernstein im Tagebau gewonnen.
Einen wunderbaren Ausblick auf die blaue Erde des Abbaugebietes hat man von oberhalb des Ortes. Auch von hier oben erkennt man die Bernsteinfischer in ihrem gelben Ölzeug. Sie fischen mit Netzen Bernsteinklumpen aus dem Abwasser der Mine, ein einträglicher Job, lizensiert, aber das Lizenzsystem ist längst außer Kontrolle geraten.
Der Zugang zum Werk ist wegen der Diebstahlsangst sehr beschränkt, denn fast ein Drittel der Produktion verschwindet in dunklen Kanälen - Mafiagerüchte kreisen. Bernsteinmuseum und Bernsteingeschäft der Mine sind aber immer zugänglich.
Bereits in prähistorischer Zeit wurde hier Bernstein gesammelt, der im Tauschhandel bis Mesopotamien und Ägypten gelangte. Später hatte der deutsche Orden das Monopol auf den Bernsteinhandel. Das Volk durfte nur gegen kargen Lohn einsammeln und die Kostbarkeiten abgeben, wer das nicht tat, hatte drakonische Strafen zu erwarten, meist wurden kleine Diebe ohne viel Federlesen an Ort und Stelle aufgehängt.
1872 errichtete die Firma Stephan und Becker hier das erste Bernsteinwerk. Der Bernstein liegt in dieser Gegend in 40 - 50 m Tiefe in einer Schicht blauer Erde. Ab 1913 wurde der Bernstein dann mit einem großen Bagger im Tagebau abgebaut. Die Szenerie erinnert heute etwas an Garzweiler.
Ungefähr eineinhalb Tonnen der blauen Erde enthalten durchschnittlich zwei Kilogramm Bernstein. Der Betrieb, der heute Russky Jantar heißt, fördert jährlich 600 - 800 Tonnen Bernstein, das sind 94 % der Weltproduktion.
Lesen Sie mehr über die Gebietshauptstadt Kaliningrad, das alte Königsberg.
