Urlaub im Herzen Lissabons: die Alfama

Blick über Alfama, Lissabon - Foto by bildpixel (Pixelio.de)
Blick über Alfama, Lissabon - Foto by bildpixel (Pixelio.de)
Enge Gassen, steile Treppen, frisch gewaschene Wäsche überall, Azulejos an den Wänden, Fado-Klänge und der Duft gegrillter Sardinen. Ein Besuch in Alfama.

Die Alfama ist die alte Seele der Stadt. Schon im 8. Jahrhundert wurde das Gebiet des ältesten noch erhaltenen Stadtteils Lissabons von den Mauren besiedelt. Es ist nahezu unberührt von städteplanerischen Veränderungen und hat einen eigenwilligen aber liebenswerten Charme.

Alfama, arabische und jüdische Einflüsse in Lissabon

Seinen Namen hat das Viertel aus dem Arabischen. „Al hama“ bedeutet übersetzt: heiße Quellen. Die Quellen, die es gab, waren zwar eher warm als heiß, doch dafür waren sie zahlreich. Nach den Mauren siedelten sich hier die Adeligen der Stadt und jüdische Bürger an. Erst ab dem 16. Jahrhundert verlor das Viertel an Glanz und Bedeutung und wurde von Handwerkern, Fischern und Seeleuten bevölkert. Im 19. Jahrhundert galt die Alfama als arm und gefährlich. Zu dieser Zeit entstand in den zwielichtigen Tavernen der Fado, mit dem bis heute die schöne, gute und alte Seele der Alfama besungen wird.

Was auf Touristen so charmant wirkt, die engen Gassen und Treppchen, das Flattern der Wäsche an kleinen Balkonen, der Duft frisch gerillter Sardinen und die alten schmalen Häuser, ist für viele Portugiesen Ausdruck mangelnden Komforts. In der Alfama leben vor allem sozial schwächere Familien und ältere Menschen. Jedoch, seit in den letzten Jahren die alten Häuser renoviert werden, zieht es auch wieder jüngere Portugiesen in diesen Stadtteil, denn die Menschen haben ein besonderes Verhältnis zu diesem Viertel. Nicht selten gibt es Familien, die schon seit Generationen in der Alfama leben.

Sehenswürdigkeiten in der Alfama

1523 wurde die Casa dos Bicos (Haus der Spatzen) von Brás de Albuquerque in Auftrag gegeben. Die Fassade dieses Stadtpalastes ist mit pyramidenförmig zugespitzten Steinen verziert. Bei der Konstruktion hat man sich damals von Bauten in Bologna und Ferrara inspirieren lassen, die portugiesische Adlige auf ihren Reisen nach Italien gesehen hatten. Seit 2009 ist hier eine Bibliothek untergebracht und es gibt wechselnde Ausstellungen zu besichtigen.

Schon 1220 wurde der älteste und noch noch heute erhaltene Brunnen Lissabons erbaut, der sich ebenfalls in der Alfama befindet. Der Chafariz d’El-Rei (Königsbrunnen) war stets viel umstritten. Immer wieder gab es wegen ihm Rangeleien, deshalb wurde die Nutzung des Brunnens1551 per Gesetz geregelt. Von da an gab es getrennte Wasserhähne für Mauren, Mulatten, Schwarze und Weiße. Über dem Brunnen steht ein Palast mit einem schönen Garten.

Des Weiteren befindet sich in der Alfama das ehemalige Judenviertel "Judiaria Pequena". Dieses ist das kleinste der drei Judenviertel Lissabons und die einzigen Zeugen, die an diese Bevölkerungsgruppe noch erinnern sind: der Name der Rua da Judiaria und ein paar Mauerreste, die vermutlich von einer ehemaligen Synagoge stammen.

Ein zentraler Punkt der Alfama ist die Kirche São Miguel. Auf den kleinen Plätzen um sie herum sitzen Alt und Jung und versorgen sich mit dem, was man zum Leben so braucht. Es gibt kleine Läden, Bäckereien, Obst- und Gemüsestände und einiges mehr. Hier wird geklatscht und getratscht über dies und das. Kaum jemand kann hier Englisch. Dadurch kann es passieren, dass Touristen zwar freundlich, aber auch distanziert bedient werden. Und auf dem Largo do Chafariz de Dentro sitzt man sehr angenehm auf Holzbänken oder auch in den Außenbereichen der einfachen Restaurants. Abends öffnen sich hier die Fado-Lokale, dann ist die Alfama umgeben von dem Geruch frisch gegrillter Sardinen und es ertönen die Klänge und Stimmen, die von Schmerz, Tod, Trauer, Fatalismus, Eifersucht und von Glücksgefühlen erzählen.

Doch das ist noch nicht alles. Die Alfama hat noch zwei Aussichtspunkte zu bieten, den Miradouro da Igreja Santo Estévão und den Largo das Portas do Sol, die öffentlichen Waschhäuser, ein Museum der Handwerkskunst und natürlich ein Fado-Museum.

Quellen & weiterführende Informationen:

  • Claesges/Ruschmann. Lissabon & Umgebung, Reisebuchverlag Iwanowski GmbH, Dormagen, 2010.
  • Göttlicher/Drouve. Lissabon, Reich Verlag terra magica, Luzern/Switzerland, 2007.
Maria Vieira, Maria Vieira

Maria Vieira - Maria Vieira bietet seit 2007 einen Schreibdienst in Leipzig an. Zu ihrem Leistungsangebot gehört die Erstellung und das Lektorieren ...

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