
- Regierungsgebäude am Freiheitsplatz - Irada/Interfase
Von Besuchern aus Europa bleibt Aserbaidschans Hauptstadt bislang weitgehend unbehelligt. Zumindest zeitweise wird sich das ändern, wenn im nächsten Jahr hier der Eurovision Song Contest stattfinden wird. Aber hat die Metropole auch darüber hinaus das Zeug dazu, sich als beliebtes Touristenziel zu etablieren? Aserbaidschans Fußballnationaltrainer Berti Vogts beantwortete unlängst in einem Interview diese Frage eindeutig positiv. Das mediterrane Lebensgefühl der Metropole mit ihren zum abendlichen Flanieren einladenden Promenaden hat ihn überzeugt. Andere, unabhängigere Autoritäten äußern sich ebenfalls voll des Lobes über Baku. Auf der von Lonely Planet geführten Liste der Städte mit dem besten Nachtleben kam die Stadt unter die Top Ten. Aber auch, was historische Stätten und Sehenswürdigkeiten angeht, muss sich Aserbaidschans Hauptstadt nicht vor den Metropolen des Mittelmeers verstecken.
Historische Altstadt
Der alte Stadtkern ist das unbestrittene Highlight Bakus. Er liegt im Süden des Zentrums an der Küste. Das von einer imposanten Stadtmauer abgegrenzte und mit engen Gassen durchzogene Areal wurde im Jahr 2000 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Teehäuser verbreiten hier orientalisches Flair. Zwei Karawansereien aus der Zeit zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, mit faszinierenden, weitläufigen Innenhöfen und gewölbten Dächern, wollen entdeckt werden. Einst fanden Händler aus weit entfernten Ländern hier Unterkunft.
Jungfrauenturm
Zu den herausragenden Bauten der Altstadt zählt der wohl aus dem 12. Jahrhundert stammende Jungfrauenturm, der architektonisch eine Mischung aus osmanischer, persischer und arabischer Architektur darstellt. Der Sage nach soll sich von dem Turm, der heute Touristen als Aussichtsplattform einen atemberaubenden Blick auf die Stadt bietet, eine Prinzessin in den Tod gestürzt haben. Vor dem Turm wurde ein alter Basar entdeckt. Schon vor Jahrhunderten trieben Kaufleute hier Handel.
Schirwanschah-Palast
Am höchsten Punkt der auf einem Hügel gelegenen Altstadt liegt der Palast der Schirwanschahs. Der Bau des Palasts wurde unter Schah Ibrahim I. Anfang des 15. Jahrhunderts begonnen. Die muslimische Dynastie verlegte damals ihre Hauptstadt von Samaxi nach Baku. Die Schirwanschahs regierten Aserbaidschan bis Anfang des 17. Jahrhunderts, bis zur Okkupation des Landes durch Persien. Einen Blick Wert ist neben dem Palastgelände unter anderem das Divanxana-Gebäude, über dessen ursprünglichen Zweck bis heute gestritten wird. Mal wird die mit Spitzbogenarkaden geschmückte Rotunde als Empfangszimmer des Palasts bezeichnet, mal für ein Gerichtsgebäude gehalten. Das größte und älteste Bauwerk im Palastbezirk ist der Palast selbst, der vor allem durch seinen repräsentativen Audienzsaal beeindruckt. Mit seiner markanten fünfeckigen Kuppel macht das Derwisch-Mausoleum auf sich aufmerksam, in dem ein Hofastronom begraben liegt. Davor kann man die sogenannten Bailov-Steine, gemeißelte Steinplatten, bewundern, die einst aus dem Meer geborgen wurden und zu einer versunkenen Festung gehörten.
Moscheen in der Altstadt
Im Altstadtbereich finden sich zahlreiche historische Moscheen, die durch ihre imposanten Minarette zu beeindrucken wissen. Die älteste ist die Mohammed- oder Synykkala-Moschee aus dem 11. Jahrhundert. Die Palast-Moschee im unteren Palasthof stammt aus dem 15. Jahrhundert. Unter russischer Herrschaft wurde 1899 die ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammende Dschuma-Moschee radikal umgebaut und erhielt dabei ihr heutiges Äußeres, das sich entsprechender Stilmittel aus verschiedenen Epochen bedient.
Villen – Zeugen des Ölbooms
Im gesamten Stadtgebiet stößt man auf die Zeugen vergangenen Reichtums: Villen aus der Zeit des Großen Ölbooms vor 100 Jahren. Das bekannteste dieser Gebäude ist die Hacinski-Villa nahe dem Jungfrauenturm. Frankreichs späterer Staatspräsident Charles de Gaulle übernachtete hier 1944 als er sich zu Gesprächen mit der sowjetischen Führung im Land aufhielt. Das Öl machte binnen eines Jahrhunderts aus einem Provinznest eine pulsierende Metropole: hatte Baku um 1875 noch etwa 15.000 Einwohner, so sind es heute etwa 2 Millionen – ein rasanter Aufstieg.
Westlich der Altstadt – Rund um den Stadtpark
Am südwestlichen Teil der Altstadtmauer erstreckt sich der Stadtpark aus dem 19. Jahrhundert. Hier findet man ein beeindruckendes Denkmal für den aserbaidschanischen Dichter Vahid sowie eine nach ihm benannte Teestube. Das Gebäude der 1912 errichteten Philharmonie am westlichen Parkrand beherbergte zunächst ein Casino, bevor mit der Machtübernahme der Sowjets das Glücksspiel verdammt wurde. In der Nähe steht der marmorne Präsidentenpalast - ein Bau aus dem 1980er Jahren, der einst als Sitz der örtlichen kommunistischen Partei diente.
Anhöhen im Südwesten
Etwas weiter südlich liegt der Startpunkt einer Standseilbahn, die Passagiere auf eine Anhöhe befördert, von der sich ein herrlicher Blick auf die Stadt und das Meer genießen lässt. Auch befindet sich hier oben das klassisch anmutende Gebäude der Türkischen Moschee sowie die sogenannte Märtyrerallee, an der zahlreiche Nationalhelden Aserbaidschans, einschließlich Opfer des Karabach-Konflikts, begraben liegen.
Östlich der Altstadt – Freiheitsplatz
Ein weiteres Beispiel sowjetischer Architektur findet sich östlich der Altstadt. Hier befindet sich das Zentrum des sowjetischen Aserbaidschan. Am Freiheitsplatz liegt das beeindruckende und im Stil des sozialistischen Realismus errichtete Regierungsgebäude. Ein Administrationsgebäude an einem weitläufigen Platz mit Leninstatue - in der Sowjetunion war dies das immer wiederkehrende städtebauliche Muster, wie man es in jeder größeren Stadt finden konnte und bis heute finden kann. Bereits in den 1930er Jahren wurde unter Leitung des bekannten Architekten Lew Rudnew mit dem Bau des zunächst als "Haus der Räte" bezeichneten Gebäudes begonnen. Erst 1952 konnten die durch den Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion jäh unterbrochenen Arbeiten vollendet werden. Der Platz, der damals noch Lenin-Platz hieß, war Ende der 1980er Jahre Schauplatz von Massendemonstrationen für die Unabhängigkeit Aserbaidschans.
Uferpromenade
Vor dem Ensemble des Freiheitsplatzes liegt die als Bulvar bezeichnete Uferpromenade, die in südwestlicher Richtung an der Altstadt vorbeiführt. Dazwischen gelegen befindet sich das Teppichmuseum in einem Gebäude aus den 1960er Jahren. Es beherbergt Exponate aus allen Regionen des Landes sowie dem von Aserbaidschanern bewohnten nördlichen Iran. Im selben Gebäude hat auch das Museum der Unabhängigkeit seinen Sitz.
Metro
Wie in vielen Metropolen der ehemaligen Sowjetunion ist auch in Baku die U-Bahn sowohl ein Verkehrsmittel, das es möglich macht, sich schnell innerhalb der Stadt zu bewegen, als auch ein kulturelles Zeugnis des untergegangenen Sowjetstaates. Die Metro Baku wurde erst relativ spät, im Jahr 1967 in Betrieb genommen. Die Stationen sind dementsprechend weniger prunkvoll ausgestattet als die ihres Moskauer Vorbilds.
Quellen:
- Baku Guide (englisch/russisch)
- Dostoprimecatelnosti Baku - Cto posetit? (russisch)
- Dostoprimecatelnosti Baku (russisch)
