
- Imme weniger Strand-Gigolos - reinhard Hefele
Ab spätestens Juli kann man sie allerorten lesen, die Aushänge der spanischen Unternehmen: „Wir machen unsere geschätzten Kunden darauf aufmerksam, dass ab 1. 7. – 30. 9. unser Horario de verano gilt (Sommer-Öffnungszeit): Geöffnet von 07.30 Uhr bis 14.00 Uhr.“ Klingt alles ganz harmlos, wenn man nur Urlauber an den Küsten ist, für die die Geschäfte und Supermärkte selbstverständlich auch ab 17.00 Uhr bis in die Nacht wieder oder gar durchgehend öffnen.
Die spanische Sommer-Arbeitszeit
Braucht man aber einen Handwerker, will zum Beispiel den abgebrochenen Absatz wieder ankleben lassen, das Abendkleid aus der Reinigung holen, dann ist diese Halbtags-Arbeitszeit schon sehr störend und wird zu einem Wettlauf gegen 14.00 Uhr. An die spanische Siesta – also geschlossene Geschäfte zwischen zwei und fünf Uhr nachmittags - kann man sich noch gut gewöhnen, sie ist bei Hitze laut neuen Untersuchungen auch noch sehr gesund! Aber dieser intensive Halbtags-Sommer-Zeitplan bringt auch mit sich, dass die Spanier keine größere Pause machen, um schnell mit Sack und Pack selbst nachmittags an den Strand zu kommen und das kann doch wiederum ergonomisch gesehen nicht so sinnvoll sein.
Wo sind die Gigolos vom Strand geblieben?
Apropos Strand. Eine große spanische Tageszeitung veröffentlichte letzten Sommer einen Nachruf auf die sogenannten Rodriguez. Darunter versteht man die Charmeure á la Marilyn-Monroe-Film „Manche mögen's heiss“, die ihre Frauen mit Kinder in die kühlen Sommerfrischen schickten und derweil die Touristinnen am Strand beglückten. Sie gibt es kaum mehr, vielleicht auch ganz profan, weil der Spanier in der Krise kein Geld mehr hat, um die Extra-Familien-Reise zu finanzieren und nun alle zusammen an den Strand gehen müssen.
Und die „Gigolos de la playa“, das ledige Pendant zum Rodriguez, ebenfalls hinter den kleinen Engländerinnen, Skandinavierinnen und deutschen Fräuleins her, um sich schlicht in den Sommermonaten von den reichen Ausländerinnen aushalten zu lassen, wo sind sie geblieben? An der Costa del Sol rund um Marbella und Torremolinos sind sie parallel mit den wirklich reichen Ausländerinnen so ziemlich verschwunden, da diese zurück nach St. Tropez gingen oder gleich nach Dubai. Hat man übrigens bei den Reise-Marketing-Spezialisten bedacht, dass All-inclusive-Ferien-Anlagen durch ihre abgeschlossenen Privatstrände einem Flirt zwischen Tourist(inn)en und Einheimischen auch sehr abträglich sind ?
Mit den Gigolos ist auch der Brauch der sogenannten "Piripos" im Verschwinden begriffen, der Komplimente oder Frechheiten, die die Spanier gerne einer fremden Frau hinterherrufen. Meist wollte der Macho damit nicht nur der Frau imponieren, sondern auch den Umstehenden zeigen, wie originell er ist. Mit dem verschwundenen Bauboom und dadurch nicht mehr vorhandenen Bauarbeitern an der Straße sind auch die nachgerufenen Schmeicheleien abgeebbt, eigentlich auch: leider. Auch, wenn es Sitte war, dass Frauen und Mädchen darauf nicht reagierten, spondern cool ihren Weg fortsetzten.
