
- Cover Frida Kahlo & Diego Rivera - Prestel Verlag
Für alle, die kurz vor der Abreise noch auf der Suche nach der richtigen Urlaubslektüre sind, hier ein paar Tipps:
Zuerst das in den Augen vieler Lesefanatiker beste deutsche Buch 2009: „Die Erfindung des Lebens“ von Hanns Josef Ortheil. Die autobiographische Beschreibung der Entwicklung vom stummen Kind zum wortgewaltigen Autor.
Wer es noch nicht gelesen hat, der sollte es unbedingt mit in den Urlaub nehmen, denn Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ kann man nur schlecht wieder aus der Hand legen. Die Geschichte einer zufällig entstandenen E-Mail Bekanntschaft fesselt auch Leser, die selbst nicht Computer- oder Mailsüchtig sind. Der Nachfolgeband „Alle sieben Wellen“ kann mit dem Original nicht ganz mithalten, aber wer sich im ersten Buch schon in Emmi und Leo verliebt hat, der wird auch diesen Band verschlingen.
An Sozialgeschichte interessierte packen Harry Bernsteins „Gegenüber die andere Welt“ in den Urlaubskoffer. Eine bewegende Geschichte aus der Zeit vor und während des ersten Weltkrieges aus einer englischen Arbeitergegend, in der zwei gegenüberliegende Straßenseiten jüdische und christliche Bewohner beherbergen.
Lesen im Urlaub – Welt- und Literaturgeschichte erleben
Wer außer eines Profis kann es sich schon leisten, außerhalb des Urlaubs knapp 2000 Seiten französische Geschichte und Literaturgeschichte zu sich zu nehmen? Denn „Les Miserables“ von Victor Hugo ist nicht nur die Geschichte eines Gutmenschen und eines Liebespaares, wie man sie aus diversen Verfilmungen kennt. Es ist vor allem ein geschichtlicher und gesellschaftlicher Abriss der Zeit von der Französischen Revolution bis zur 48er Revolution. Hugos Exkurse von der Schlacht bei Waterloo, bis zur Pariser Kanalisation sind so kenntnisreich wie die Geduld eines heutigen Lesers auf eine harte Probe stellend. Faszinierend aber nur in einer Ausgabe mit guten Anmerkungen lesbar.
Philosophie in „Das Kartengeheimnis“, Philosophiegeschichte in „Sofies Welt“, werden sowohl für jugendliche, wie auch für erwachsene Leser von Jostein Gaarder spannend aufbereitet. Dasselbe gilt für die Zeit des Nationalsozialismus mit „Die Bücherdiebin“ von Marcus Zusak, eigentlich ein Jugendbuch aber auch für Erwachsene Leser ist das Buch mit der ungewohnten Erzählperspektive ein absolutes Muss!
Die Flower Power Generation und die Zeit des deutschen Terrorismus aus amerikanischer Sicht aufgearbeitet, fesselt den Leser in „Die Farbe der Erinnerung“ von Jennifer Egan. Amerikanische Geschichte und Lebenswirklichkeit werden in den Beschreibungen der Lebenswege ganz einfacher Menschen in „Solange du lebst“ von Louise Erdrich lebendig gemacht und europäische Geschichte der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Titanicroman „Choral am Ende der Reise“ von Eric Fosnes Hansen.
Spannende Urlaubslektüre
Natürlich sind alle hier beschriebenen Titel auf ihre Art spannend. Spannung als ein Hauptmerkmal kann man aber schon den Büchern von Carlos Ruiz Zafón attestieren: „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ sind mystisch angehauchte Schauerromane, die Barcelona zum Schauplatz geheimnisvoller und schicksalsträchtiger Geschehnisse machen. Wer nach Spanien reist, sollte Zafón im Gepäck haben, wobei sie natürlich anderswo genauso spannend zu lesen sind. Apropos Spanien und Barcelona: „Der Bogen des Cellisten“ von Andromeda Romano-Lax spannt den Bogen der Erzählung ebenfalls vom 19. Jahrhundert bis zum spanischen Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg. Die Frage nach der Verbindung von Musik und Kunst mit der Politik, nach den moralischen Verpflichtungen des Künstlers werden hier am Beispiel des fiktiven Cellisten Feliu Delargo gestellt.
Spannend sind auch die Bücher der Tintenwelt Trilogie von Cornelia Funke und auch diese sind bestes Urlaubslesefutter für Erwachsene und Kinder, die gerne märchenhaft-phantastisches mit philosophischem Untergrund lesen. (Kinder lassen den Untergrund einfach weg und lesen das Märchen!)
Ein Jugendbuchklassiker ist Scott O´Dells Robinson Crusoe Geschichte "Insel der blauen Delphine". Auch diese psychologische Studie eines Indianermädchens, das allein auf einer Pazifikinsel zurückbleibt, ist nicht nur für Jugendliche eine hochinteressante und spannende Urlaubslektüre.
Kunst und Kunstgeschichte als Lesestoff im Urlaub
Rechtzeitig zum 400. Geburtstag von Caravaggio hat Tilman Röhrig nach „Riemenschneider“ nun „Caravaggios Geheimnis“ auf den Markt gebracht. Beide Bücher geben faszinierende Einblicke in die gesellschaftlichen Zwänge der jeweiligen Zeit, allerdings bleibt Röhrig bei der Zeichnung der Künstlercharaktere einiges schuldig. Da ist und bleibt „Michelangelo“ von Irving Stone unübertroffen. Wer im Urlaub einen tiefen Einblick in die Seele eines Künstlers werfen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Auch ein Sachbuch soll hier nicht fehlen: Der wunderbare Band „Frida Kahlo und Diego Rivera“ von Isabel Alcántara und Sandra Egnolff, der das Leben des exzentrischen Künstlerpaares lebendig macht und viele wunderbare Abbildungen der Kunstwerke beider Maler beinhaltet. Wer den Film „Frida“ gesehen hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen und wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte beides schleunigst nachholen.
