Ursula Krechel: In Zukunft schreiben

Handbuch für alle, die schreiben wollen

Cover In Zukunft schreiben - Jung und Jung Verlag
Cover In Zukunft schreiben - Jung und Jung Verlag
In dem untypischen Ratgeber "In Zukunft schreiben" gibt die Autorin Ursula Krechel einen Einblick in ihre Schreibwerkstatt und die Grundbedingungen des Schreibens.

Ursula Krechel ist nicht nur eine sehr erfahrene und erfolgreiche Schriftstellerin, die Gedichtbände, Theaterstücke, Prosa, Essays und Hörspiele vorgelegt hat, sondern auch eine sehr erfahrene und erfolgreiche Dozentin im Bereich kreatives bzw. literarisches Schreiben. Seit Jahren profitieren Nachwuchsautoren beispielsweise an der Universität Leipzig und dem Literarischen Colloquium Berlin von ihrer Tätigkeit als Tutorin. Mit „In Zukunft schreiben“ hat Ursula Krechel ein Buch vorgelegt, das so etwas wie die Verschriftlichung ihrer Kurse darstellt.

Einblick in Krechels Schreibwerkstatt

Der Untertitel lautet „Handbuch für alle, die schreiben wollen“, doch weckt die Bezeichnung „Handbuch“ falsche Erwartungen, denn die Stärke des Buches besteht gerade darin, kein knappes Nachschlagewerk zu sein, vielmehr ist es essayistisch, ausufernd und in einer poetischen Sprache gehalten. Für ungeduldige Ratsuchende ist „In Zukunft schreiben“ nicht geeignet. Zeit sollte man mitbringen, um erst einmal fünf Seiten über den Einfall als solchen zu lesen, bevor die Praxis des Einfälle Notierens zur Sprache kommt, doch diese Zeit ist gut investiert.

Beschreibung, Perspektive, Figuren

Unter den Themen befindet sich naturgemäß vieles, das auch in anderen Schreibratgebern angesprochen wird; es ist vom Beschreiben und Erzählen, von Erzählperspektiven, Figuren und Klang die Rede. Dazu werden Textpassagen analysiert, die teils aus der Hochliteratur und teils von Krechels Studenten stammen. Auf diese Weise bleibt der Inhalt nicht in einem essayistischen Schwebezustand, sondern es wird ein Praxisbezug geknüpft. Auch eingestreute Übungen sorgen für die Anwendbarkeit des erzählten Wissens und für eigene Erfahrungen.

So weit, so gut.

Resonanz schaffen mit Echoräumen

Herausragend wird das Buch jedoch erst durch die Aufbereitung der Themen, die anderswo nicht zur Sprache kommen, sowie durch die Abkehr von einer konventionellen Schreiblehrbuchhaltung. Bei Krechel geht es beispielsweise darum, in einem Text Echo-Räume zu schaffen, das heißt, sich bewusst zu sein, dass dieser neu geschriebene Text in einer Beziehung steht zu bereits existierenden Texten, sei es durch das Thema, Motive oder was auch immer, und im Text ein Verweissystem anzulegen.

Ein konventioneller Rat, der in keinem Schreibratgeber fehlen darf, lautet: Konflikte! Konflikte sind das A und O einer Geschichte. Ursula Krechel bleibt nicht dabei stehen, sondern erweitert und variiert diesen Rat: „Schaffen Sie einen Erzählraum, der auf vielfältige Weise offen ist, der Raum für Überraschungen bietet.“

So wie dieses Buch ein Nachdenken über das Schreiben und ein Erzählen von den eigenen Erfahrungen ist, so erhält der Leser durchdenkenswerte Anregungen, statt zielgenaue Aneitungen.

„In Zukunft schreiben“ widmet sich den Produktionsmitteln von „literarischer Literatur“ und lehrt neue Möglichkeiten einen Text zu betrachten, ihn in seinen kleinsten Bausteinen wahrzunehmen.

Ursula Krechel: In Zukunft schreiben. Handbuch für alle, die schreiben wollen. Jung und Jung Verlag 2003. Gebunden, 215 Seiten. 19,90 Euro.

Pia Helfferich, Pia Helfferich

Pia Helfferich - Pia Helfferich ist Autorin und schreibt nebenher Rezensionen und Artikel für die Zeitschriften Federwelt, TextArt und Buchkultur. Sie ...

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