
- Never Cry Wolf von Lord Volture - Lord Volture
David Marcelis und Frank Wintermans von der holländischen Power Metal-Band „Lord Volture“ im Interview über die Bandhistorie, den Namen und warum US-Power Metal auch aus dem Land der Tulpen kommen kann - wenn er auch weit seltener ist, als die Blume mit dem Blütenkelch ...
Wolfgang Weitzdörfer (WW): Hallo Jungs! Erstmal – Gratulation zum neuen Album, ich finde es großartig!
Frank Wintermans (FW): Danke für die netten Worte! Wir haben auch eine Menge Aufwand reingesteckt und sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Es ist immer cool zu hören, dass andere Leute an unseren Bemühungen und unserer Musik Spaß haben.
WW: US-Power Metal aus den Niederlanden – nichts, was man jeden Tag zu hören bekommt ... Wieso habt ihr euch gerade für diese Stilrichtung entschieden?
David Marcelis (DM): Nun, eine wirkliche Entscheidung war es ja nicht ... Es ist halt einfach passiert, weißt du? Was mir am US-Power Metal im Gegensatz zur europäischen Spielart so gut gefällt – er hat schlicht mehr Arsch in der Hose (lacht) ... Viele europäischen Power Metal-Bands singen über Märchen, Elfen und Zwerge und sowas, US-Power Metal-Bands decken dagegen eher düstere, bösere Themenbereiche ab, sie gehen oft in die Richtung von Science Fiction oder Religion. Allerdings würde ich „Lord Volture“ in der Tat nicht als reinrassige US-Power Metal-Act bezeichnen. Natürlich sind „Jag Panzer“ und „Iced Earth“ riesige Einflüsse für uns, dennoch glaube ich, dass da auch eine Menge von europäischen Bands kommt, etwa von „Judas Priest“ oder „Primal Fear“. Wir entscheiden vor dem Komponieren nicht, wie ein Song klingen muss und schreiben ihn dann in diese Richtung. Was immer in unseren Ohren gut klingt, das spielen wir auch! Und das klingt nun einmal zufälligerweise so ähnlich wie die großen Heavy und Power Metal-Bands aus den Staaten.
WW: Erzählt mal die Bandgeschichte – wie ging alles los? Ist „Lord Volture“ das Resultat aus früheren Bands oder quasi brandneu?
DM: Ich habe „Lord Volture“ aus dem Wunsch heraus gegründet, eigene Songs zu schreiben und sie in meiner eigenen Band nach meinen Vorstellungen spielen zu können. Diese Idee wuchs bereits in meiner Zeit in anderen Bands, etwa „Purgatory“, „Conquestador“ und „Methusalem“. Ich war es einfach leid, dass so viel Zeit für Entscheidungen und einen gemeinsamen Songwritingprozess draufgeht, wenn man vier oder fünf Meinungen dazu hat. Also fing ich irgendwann im Jahr 2006 damit an, die ersten Songs für das Debütalbum „Beast Of Thunder“ zu schreiben. Die folgenden drei bis vier Jahre nahmen wir das Album zusammen mit unserem langjährigen guten Freund, dem Produzenten Yuma van Eekelen (der übrigens auch Schlagzeuger bei der Death Metal-Legende „Pestilence“ ist) auf. Als wir fast fertig waren, kamen Leon (Leon Hermans, Gitarre; Anm. d. Verfassers), Simon (Simon Geurts, Bass; Anm. d. Verfassers) und Frank (Frank Wintermans, Schlagzeug; Anm. d. Verfassers) dazu, die wir alle schon von anderen Bands und Projekten her kannten.
WW: Wer ist wer bei „Lord Volture“? Und was macht ihr sonst so, außer hart zu rocken?
DM: Die Jungs in „Lord Volture“ und ich sind einfach ein paar Heavy Metal-Enthusiasten, die zudem ihre Instrumente ein wenig beherrschen (lacht) ... Die meisten von uns haben neben „Lord Volture“ noch andere Bands oder musikalische Projekte am Start, außerdem arbeiten oder studieren wir alle noch – wenn auch oftmals in musikalischen Bereichen. Leon zum Beispiel ist Gitarrenlehrer und Engineer im Studio und Frank hat sich gerade am Konservatorium eingeschrieben, um Schlagzeug zu studieren, nachdem er zunächst Gesundheitswissenschaften studiert hat. Simon ist Job-Berater, hat aber auch eine gewisse Ausbildung im Musik-Managment. Paul ist fast mit seinem Jura-Abschluss fertig und ich beginne bald meinen ersten Job in einer Firma für Geowissenschaften und Fernerkundung. Es ist gut, dass wir nicht auf das Einkommen der Band angewiesen sind. Das macht einen in seinen Entscheidungen unabhängiger, man muss seiner Kreativität auch keine Schranken anlegen. Musik zu machen ist uns wirklich verdammt ernst, aber es macht umso mehr Spaß, wenn man sich keine Sorgen darüber machen muss, wie man die Rechnungen bezahlen soll, falls die Albumverkäufe mal nicht so gut laufen.
FW: Da stimme ich David voll und ganz zu. Aber zunächst und ganz wichtig sind wir alle sehr gute Freunde. Es herrscht eine sehr ausgeglichene Stimmung in der Band. Auch wenn David der Hauptsongwriter und die treibende Kraft in der Band ist, ist sie schon wirklich unser gemeinsames Baby. Es macht einfach immer Spaß und das Spielen mit diesen Kerlen ist einfach großartig. Außerdem, vielleicht auch nicht ganz unwichtig, sind wir technisch alle auf dem gleichen Level.
WW: Euer Bandname ist eine Art Wortspiel – das Wort „volture“ ist offensichtlich eine Mischung aus „vulture“ (dt.: „Aasgeier“) und „voltage“ (dt.: „[elektrische] Spannung“). Was steckt hinter dem Namen?
DM: Ja, da hast du recht. Ein wichtiger Bestandteil unserer Musik ist Power und Energie. Das „volt“ aus „voltage“ soll diese Power in unserem Namen repräsentieren. Auch die Greifvögel symbolisieren Kraft und Stärke. Nun, im Gegensatz zu anderen Bands, die einen Adler in ihrem Bandnamen oder den Coverartworks unterbringen, haben wir uns für den Aasgeier entschieden, weil der einfach wilder und gemeiner ist, was wiederum zum Sound unserer Musik passt. Kraftvoll, aber gemein, rau und unpoliert. Das Präfix „Lord“ habe ich gewählt, um dem Namen noch ein wenig Grandesse und Macht zu geben. Die Idee habe ich übrigens von „King Diamond“ geklaut ...
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Review: "Never Cry Wolf" von "Lord Volture".
