
- Krimi- Icon - Illustration: Friederike Rave
"Criminal Minds: Suspect Behaviour" zählt zu den gefloppten Neustarts der US-Fernsehsaison 2010/11. Dieses Mal erwies sich die Erfolgsformel des Senders CBS (erfolgreiches Fernsehformat + zugkräftige Stars + guter Sendeplatz) als Rohrkrepierer. SAT.1 versendet die 13 produzierten Folgen im Sonntagabend-Spätprogramm.
Das Erfolgsprodukt Krimi-Procedural
Krimi-Procedurals sind derzeit das erfolgreichste geschriebene fiktionale Format im US-Fernsehen. In den Top 10 der beliebtesten Serien der Saison 2010/11 gehören sieben Serien allein diesem Genre an. Sechs von ihnen sind Produktionen des Senders CBS. Kein Wunder, dass der Sender weiterhin auf dieses Erfolgsformat setzt.
Procedural-Hits und -Flops
Zwar gelangen CBS mit den Newcomer-Serien "Hawaii 5-0" und "Blue Bloods" zwei veritable Hits in diesem Genre, doch schaffte nur die zuletzt genannte Serie den Sprung in die Top 10-Liste. Zuerst mit "The Defenders" und danach mit "Criminal Minds: Suspect Behaviour" gab es aber auch zwei Newcomer Procedurals, die vom Publikum ignoriert und von der Fachpresse zerrissen wurden.
Gute Voraussetzungen für "Criminal Minds: Suspect Behaviour"
Wie es "NCIS" mit "NCIS: Los Angeles" vormachte, startete auch "Criminal Minds: Suspect Behaviour" im Kielwasser von "Criminal Minds". Mit dem von der Schauspielerin Kirsten Vangsness gespielten Charakter der Computerspezialistin Penelope holten die Macher dieses Spin-off sogar einen Charakter der Mutterserie mit ins Boot. Wie bei Krimi-Procedurals so üblich, wurden mit Forest Whitacker als Leitwolf Sam Cooper und Janeane Garofalo in der Rolle der Beth Griffith zwei schauspielerische Schwergewichte verpflichtet.
Die Fälle des BAU-Teams
Cooper und Griffith gehören der Behavioral Analysis Unit (BAU) von FBI an. Diese BAU ist, wie sollte es auch anders sein, ein Elite-Team von Agenten. Sie machen Gebrauch von unkonventionellen Methoden, um die gefährlichsten Verbrecher des Landes zur Strecke zu bringen. So jagt das BAU-Team in der Pilotfolge einen Serienkiller von afro-amerikanischen Mädchen im Kindergartenalter. Und in der zweiten Folge geht es um einen weiblichen Copykiller, die von einem inhaftierten Serienkiller die nötigen Instruktionen für ihre Morde bekommt.
Serienkiller in Procedurals
Serienkiller, so schrecklich ihr Vorkommen in der Wirklichkeit ist, können als Bestandteile von Krimiserien schon lange nicht mehr schocken. In jeder erfolgreichen CBS-Krimiserie der letzten Jahre gab es pro Staffel in einer Episodenhandlung mindestens 3 gefühlte Serienkiller. Bei "CSI" oder "Der Mentalist" gab es mit dem Modellbau-Mörder bzw. Red John sogar Handlungsstränge von Serienkillern, die sich über ein oder mehrere Staffeln hinwegzogen.
Der Serienkiller der Pilotfolge
Nimmt man nur mal den Serienkiller aus dem Piloten, scheint den Machern kein Klischee zu billig zu sein, um es hier nicht zu verbraten. So hält der Killer die Schulmädchen in rosa gestrichenen Kinderzimmern gefangen. Sobald er genug von ihnen Mädchen hat, entsorgt er sie auf einer Müllkippe. Dann kauft er sich kleine Neger-Puppen als Trophäen, die er dann in seinem Regal aufreiht.
Die formelmäßige Dramaturgie der Serie
Die Episoden langweilen, weil sie so vorhersehbar sind. Auf den ersten Mord folgt das Auftreten des BAU-Teams. Zeugen werden vernommen und der anfängliche Hauptverdächtige entpuppt sich als falsch. Mit Hilfe von Penelope wird dann der richtige Täter gefunden und im Piloten auch erst dann erschossen, nachdem er sein Tun erläutert hat.
Charaktere ohne Inhalt
Die Charaktere dienen einzig und allein dazu, die Handlung voranzutreiben. Nicht einmal der Leitwolf Cooper hat einen nennenswerten Spleen, wie Grissom aus "CSI" mit seiner Vorliebe für Insekten. Stattdessen darf dieser zum Ende der zweiten Episode in einer Kirche sitzen, um mit einem Pastor über die ewig andauernde Allmacht des Bösen zu philosophieren. Matt Zoller Seitz, ein Journalist auf der Internetseite Saloon, kommt in seiner Kritik zur Serie zu folgendem Vergleich: "Criminal Minds: Suspect Behaviour sieht so aus, als wenn Ed Wood (der schlechteste Regisseur aller Zeiten) ein Buch von Thomas Harris (Das Schweigen der Lämmer) verfilmen würde."
