US-Serie: Game of Thrones mit Sean Bean

Icon des Autoren - Illustration: Friederike Rave
Icon des Autoren - Illustration: Friederike Rave
Der Inhalt und die Kritik zu ersten Fantasy-Serie des US-Kabelkanals HBO.

Sex, Schwertkämpfe und Wortduelle. HBO hat mit "Game of Thrones" seine erste epische Fantasy-Serie produziert. Am 2. November 2011 feierte sie auf TNT ihre Deutschlandpremiere.

Sex, Gewalt und Gossensprache

Sex (möglichst freizügig), Gewalt (möglichst drastisch) und eine unzensierte Alltagssprache (möglichst derb) sind die Merkmale einer amerikanischen Kabelproduktion. "Game of Thrones", die erste epische Fantasy-Serie des Senders HBO, macht reichlich Gebrauch von diesen Zutaten. So gibt es im Pilotfilm einen nackten jungen Frauenkörper von hinten zu sehen. Egal ob es sich um Sex unter Geschwistern oder Sex, der einer Vergewaltigung gleichkommt handelt, ist die bevorzugte Stellung stets von hinten. Wenig Zurückhaltung gibt es bei der Darstellung von Gewalt: In der Anfangssequenz wird der Zuschauer Zeuge eines Massakers, dessen Urheber eine Gruppe von Zombies ist. Nur wenige Minuten später wird der einzige Überlebende wegen Desertierens geköpft. Wie schamlos, jedoch sehr humorvoll die Dialoge teilweise geschrieben sind, zeigt sich ein paar Folgen später, als ein Eunuch über das Verhältnis zu seinen abgeschnittenen Eiern redet.

Worum es in "Game of Thrones" wirklich geht

Wer "Game of Thrones" als eine Fantasy-Soap abstempelt, die mit Sex und Gewalt angereichert ist, tut der neusten HBO-Eigenproduktion Unrecht. Doch braucht die von David Benioff und D.B. Weiss geschriebene und produzierte Serie dazu die Geduld des Zuschauers. Denn es dauert vier Folgen, bis alle Handlungsorte und zentralen Charaktere eingeführt und die Grundkonflikte etabliert sind. Spätestens dann wird dem Zuschauer klar, worum es hier wirklich geht. Dass das Genre Fantasy nämlich lediglich als Deckmantel fungiert, um dem Zuschauer anhand einer Fülle lebensnaher Charaktere bewegende Initiations- und Emanzipationsgeschichten zu erzählen sowie die einer Heldenwerdung.

Die Welt von Westeros

"Game of Thrones" basiert auf dem ersten Band der Fantasy-Saga "Das Lied von Eis und Feuer" des Autoren George R.R. Martin, der zusätzlich die Funktion des ausführenden Produzenten der Serie einnimmt. Die Saga zählt zum Genre der High-Fantasy, gewissermaßen die Königsklasse dieser Gattung. Deren Gründungsvater ist J.R.R. Tolkien. Wie Tolkiens Mittelerde sind auch Martins sieben Königreiche von Westeros eine von den Autoren erfundene, mittelalterliche Welt. Einzelne Jahreszeiten dauern hier durchaus eine ganze Generation. Mystische Wesen wie Drachen und die zombieähnlichen White Walkers gelten seit Jahrtausenden als ausgestorben. Trotzdem steht im äußersten Norden des Landes noch die Mauer. Ein kilometerlanges Bauwerk, das an einen Wald grenzt, der von wilden Völkern und Schattenwölfen bewohnt wird.

Die Handlung von "Game of Thrones"

In der Nähe der Mauer befindet sich die Burg Winterfell. Auf ihr wohnt die Familie Stark. Oberhaupt ist Eddard "Ned" Stark, ein Musterbeispiel aus Strenge, Geradlinigkeit und Menschlichkeit. Ihm verleiht der ehemalige "Herr der Ringe"-Darsteller Sean Bean die dazu passende Aura. Seine Familie besteht aus fünf Kinder und einem Bastard, der ebenfalls auf Winterfell lebt

Die Handlung beginnt, als sein alter Kampfkumpane, König Robert der Erste, Ned unerwartet einen Besuch abstattet. Unter mysteriösen Umständen ist sein engster Berater gestorben. Ned tritt auf Bitte des Königs, jedoch wider Willen, dessen Nachfolge im Amt an. Bald bestätigt sich der Verdacht, der Berater sei ermordet worden. Zu den Verdächtigen zählen die Königin Cersai Lennister sowie deren Zwillingsbruder Jaime. Jaime, auch Königsmörder genannt, ermordete vor 17 Jahren König Aery Targayen und verhalf so Robert in sein Amt.

Die letzten Hinterbliebenen der Targaryens sind Viserys und dessen Schwester Daenerys. Viserys beansprucht den Platz auf dem Eisernen Thron für sich. Ganz machtversessen verheiratet er seine Schwester an Drago, den Anführer des Nomadenvolkes der Dothraki. Mit seinen Truppen hofft er Westeros zurückzuerobern.

Fantasy-Serie mit lebensechten Charakteren

Auf die Fantasy-Formel des Kampfes zwischen Gut und Böse lässt sich Martins Saga nicht reduzieren. Der Zuschauer hat es hier mit menschlichen Charakteren zu tun, die weitaus mehr aufzuweisen haben als lediglich ein Charaktermerkmal. So hat Ned Stark neben seinen ritterlichen Tugenden eine Schwachstelle aufzuweisen. Denn er zeugte einen unehelichen Sohn. Die Königin Cersei ist bei aller Durchtriebenheit zu echter Liebe fähig, wenn auch nur gegenüber ihren Kinder und ihrem Zwillingsbruder. König Robert mag zwar ein gerechter Herrscher sein. Doch ist er gleichzeitig ein launischer und extrem egoistischer Mensch, der nur noch an der Befriedigung seiner Begierden interessiert ist. Er lässt ein Augenblick verstreichen, um die Verwandtschaft seiner Frau zu demütigen.

Die Frauen von Westeros

Cersei ist nur eine von vielen interessanten weiblichen Charakteren mit der "Game of Thrones" aufwartet. Neben ihr gibt es noch Neds Ehefrau Catelyn, eine Wölfin von einer Mutter, die jedoch den Hass gegenüber dem Bastard ihres Mannes nicht verbirgt. Anhand von dem Charakter der Daenerys wird die Geschichte einer weiblichen Emanzipation erzählt. Anfangs noch ganz in der Opferrolle und lediglich ein Objekt im Mächte-Kampf der Männer, entwickelt sie sich schon bald zu einer selbstbewussten Ehefrau und mutigen Kriegerin. Arya, die jüngste Stark-Tochter sieht ihre Zukunft ebenfalls als Kriegerin. Ihr Vater unterstützt sie in ihrem Vorhaben, indem er ihr einen Fechtlehrer zur Seite stellt.

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

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