US-Serie: The Big C mit Laura Linney auf ZDF Neo

Icon des Autoren - Illustration: Friederike Rave
Icon des Autoren - Illustration: Friederike Rave
Inhalt und Kritik zur 1. Staffel der US-Dramedy des Senders Showtime.

"The Big C" ist in der amerikanischen Sprache ein Pseudonym für Krebs. Seit kurzem ist "The Big C" auch der Titel einer Fernsehserie des US-Kabelsenders Showtime. In dieser spielt Laura Linney eine todkranke Vorstadt-Ehefrau. Die Free-TV-Premiere der 1. Staffel startete am 12. Oktober 2011 auf ZDF Neo.

Die Handlung von "The Big C"

Cathy Jamison (Laura Linney) wohnt in einem Vorort von Minnesota und unterrichtet Geschichte an der High-School. Bei ihr wurde schwarzer Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Sie verzichtet auf eine Behandlung und kann so die Krankheit vor der Familie geheim halten. Ihr Dermatologe Dr. Todd (Reid Scott) schätzt ihre Lebenserwartung auf einen Zeitraum zwischen wenigen Monaten und 5 Jahren ein. Cathy, die in ihrem Umfeld bisher als eine Langweilerin galt, verabschiedet sich von ihrem alten Ego und führt von nun an ein Leben ohne Beschränkungen.

Der Umgang mit dem Thema Krebs

Die Serie gehört dem Genre der Dramedy an. Sie soll also zur Hälfte ein Drama und zur Hälfte eine Komödie sein. Im Falle von "The Big C" funktioniert jedoch weder der eine Teil, noch der andere. Krebs ist im wirklichen Leben ein ernstes Thema. Mit ihm verbunden ist sehr viel Leid sowohl auf der Seite der Betroffenen als auch der Angehörigen. Dieses Leid ist bei Cathy nur in wenigen Ansätzen zu spüren. So führt sie in Anwesenheit des Beagle ihrer Nachbarin einen Monolog darüber, dass die den amerikanischen Traum lebt, indem ihr die Gnade gewährt wird, vor ihrem Kind sterben zu dürfen. Unverständlich bleibt, warum die Dramaturgie der Serie verlangt, dass Cathy ihre Krankheit verschweigt. So verhindert Cathy gegen den Willen ihres Ehemannes Paul (Oliver Platt), dass ihr Teenager-Sohn Adam (Gabriel Basso) ins Sommerlager fährt, um mehr Zeit mit ihm zu verbringen zu können. Dieser reagiert ungehalten auf die Aktion seiner Mutter. Er würde wahrscheinlich mehr Verständnis zeigen, wenn er von ihrer Krankheit wüsste.

Überwiegend bekommt der Zuschauer jedoch den Eindruck, dass der Krebs das Beste ist, was Cathy hätte passieren können. Die Krankheit kommt hier wie ein Akt der Befreiung daher. Mit nur noch wenig Lebenszeit auf dem Konto, traut sie sich endlich die Dinge zu tun, die ihr wichtig sind. So etwas der mürrischen Nachbarin Marlene (Phyllis Sommerville) mal so richtig die Meinung über ihren asozialen Charakter zu sagen. Oder sich einen Kindheitstraum zu erfüllen, indem sie sich in ihren Vorgarten einen Pool bauen lässt. Oder nach 15 Ehejahren mal mit Zwiebeln zu kochen, was ihr bisher von Paul untersagt worden ist.

Viele exzentrische Charaktere erzeugen noch keine Komik

Komik soll in der Serie dadurch erzeugt werden, dass Cathy jede Menge exzentrische Charaktere zur Seite gestellt werden. Die meisten von ihnen verhalten sich so fernab jeder Realität, dass sie lediglich als Karikaturen durchgehen. Was soll lustig daran sein, wenn Adam seine Mutter zu Tode erschreckt, indem er so tut, als wäre er ein Einbrecher und dabei sogar handgreiflich wird? Oder bei der Vorbereitung des Mittagessens vorspielt, er hätte sich einen Finger abgeschnitten. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit ist jedoch erreicht, als Cathy ihren eigen Selbstmord inszeniert inklusive Abschiedsbrief und blutgetränkter Badewanne, nur um Adam eine Lektion zu erteilen. Nicht nur ist diese Art von Humor geschmacklos, zudem nimmt es Cathys Charakter die noch vorhandene Glaubwürdigkeit. Kann der Zuschauer für solch eine Frau noch Mitleid empfinden?

Die Kritik zu "The Big C"

"The Big C" zeigt, dass er weit mehr braucht als einen renommierten Sender, eine talentierte Hollywood-Schauspielerin und ein kontroverses Thema, um eine gute Serie zu schreiben. Hier wurde nicht nur das sensible Thema Krebs unnötig verheizt. Cathys kindlicher Ehemann Paul und ihr mitfühlende Dermatologe Dr. Reid sind zudem die einzigen Figuren für die der Zuschauer sich begeistern kann. Die Protagonistin und das restliche Umfeld gehören jedoch zu den unsympathischsten Figuren, die zurzeit in einer Fernsehserie zu sehen sind.

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

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