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USA bilden mehr Drohnen-Piloten aus als für Bomber und Jäger

  • 08.07.2011
  • Wolfgang Will
Luftwaffen im Umbruch: Unbemannte Kampfflugzeuge spielen die größere Rolle. Afghanistan ist das Beispiel, gelenkt wird dieser moderne Krieg von Ohio aus.

Wenn die USA als stärkste Militärmacht der Welt beispielgebend sind, dann steht zumindest den größeren Luftwaffen des Erdballs eine Revolution ins Haus. Denn es werden mehr Drohnen-Piloten benötigt als solche für Bomber und Jäger. Das hat das Pentagon, also das amerikanische Verteidigungsministerium, jetzt der "New York Times" bestätigt. Die führende Zeitung der USA nennt dazu sogar bisher nie veröffentlichte Zahlen: Besaßen die USA vor zehn Jahren nur 50 Drohnen – als ferngesteuerte Aufklärungs- und Kampfflugzeuge -, sind es heute um die 7000. Und: In diesem Jahr – sicherlich auch die nächsten Jahre – bildet die US-Luftwaffe mehr Drohnen-Piloten als Piloten für Bomber und Jäger aus. Die deutsche Luftwaffe arbeitet bereits mit Super-Drohnen - den größten der Welt.

Motten und Vögel als Vorbilder künftiger Fluggeräte

Die reale, einsatzbereite Drohnen-Technologie ist eine faszinierende Welt für sich. Amerikanische Drohnen-Piloten sind nicht etwa im Kriegsgebiet stationiert. Ihre Heimat ist vielmehr der US-Luftwaffenstützpunkt Wright-Patterson in Ohio. Von hier aus dirigieren sie Aufklärungs- und Kampfdrohnen etwa im Tausende Kilometer entfernten Afghanistan, von hier aus und via Nachrichtensatelliten wurden die Einsätze geleitet, denen schon viele Terroristenführer, Anfang Mai 2011 auch Osama bin-Laden, zum Opfer fielen. Wright-Patterson, wo die Wright-Brüder 1903 ihre ersten Motorflüge absolvierten, ist aber nicht nur Kommandozentrale für weltweite Drohnen-Einsätze – hier wird auch geforscht und an dem gearbeitet, was einem noch wie Science Fiction vorkommt. So sind Drohnen geplant, die nicht größer als Insekten oder Vögel und damit kaum aufspürbar sind, die aber trotzdem Kamera- und Waffensysteme transportieren. Greg Parker, Ingenieur in den geheimen Labors von Wright-Patterson, will beispielsweise die Flugmechanismen von Motten und Raubvögeln militärisch nutzbar machen – einer seiner Prototypen hat die Größe eines Falken.

Befehle kommen vom Luftwaffenstützpunkt Wright-Patterson

Ein Szenario, wie es die "New York Times" schildert: Über Sangin in der afghanischen Provinz Helmand schwebt in einigen Tausend Meter Höhe ein "aerostat" genannter kleiner Ballon. Seine Kameras "blicken" bis zu 30 Kilometer weit, übertragen Live Video nach Wright-Patterson. Ist ein Ziel ausgemacht, wird eine in der Nähe stationierte Drohne auf Befehl und unter dem Kommando eines Offiziers, eben ein Drohnen-Pilot, der in Wright-Patterson vor einem Bildschirm sitzt, gestartet. Dieser Offizier auch löst die Waffen an Bord der Drohne, meist Raketen, aus.

Unter den waffentragenden Drohnen ist die "Predator" die dominanteste. Sie hat die Größe eines "Cessna"-Kleinflugzeugs. Spezialisierter und moderner ist die "Reaper", die sowohl mit Aufklärungsgerät als auch mit Waffen bestückt ist. Eine Tarnkappen-Drohne – absolut unsichtbar – des Typs RQ-170 "Sentinel" war es übrigens, die bin-Ladens Schlupfwinkel in Pakistan aufgespürt hatte.

Dem Pentagon stehen allein im Haushaltsjahr 2011/2012 fünf Milliarden Dollar für das Drohnen-Programm zur Verfügung. Die nächste Generation dieser unbemannten Fluggeräte wird versteckte Nuklearwaffen und Bombenfabriken in Bunkern aufspüren und bekämpfen können. Auch der US-Geheimdienst CIA setzt Drohnen ein.

1500 Stunden Drohnen-Video werden pro Tag analysiert

Drohnen gehört zweifellos die Zukunft. US-Luftwaffenoffiziere, die beispielsweise noch das Bombenwerfen lernten und lernen, sind schon dabei umzudenken. "Deren Art Kriegsführung", sagt dazu der Ethik-Professor der US-Marine-Akademie Dean-Peter Baker, "ist etwas Nostalgisches, die Drohnen gehören zu einer Art nach-heroischer Zeit". In Wright-Patterson werden täglich 1500 Stunden Videos und 1500 Fotos gehandhabt, die von Drohnen via Satelliten übermittelt werden. Eine Drohne hat keinen einzelnen Piloten. Jede wird von 19 hochspezialisierten Analytikern betreut.

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Das Wort "Drohne" basiert auf dem niederdeutschen "drone" und stammt vom indogermanischen "dhren" ab, was "brummen" oder "dröhnen" bedeutet. Als "Drohne" wird auch das Bienenmännchen bezeichnet.

Eine deutsche Super-Drohne flog jetzt 10 000 Kilometer nach Manching

Der Deutschen Luftwaffe stehen rund 500 Millionen Euro für den Ankauf von fünf Super-Drohnen zur Verfügung. Ein Prototyp der Bezeichnung "Euro-Hawk" ist am 21. Juli 2011 auf dem Luftwaffenstützpunkt Manching in Bayern gelandet - nachdem er, gestartet auf dem kalifornischen Flugplatz Edwards, 10 000 Kilometer nonstop zurückgelegt hatte. Die "Piloten" dieser Maschine saßen in Edwards vor ihren Bildschirmen und "dirigierten" die Drohne über den US-Kontinent und den Atlantik nach Manching. Diese deutsche Drohne ist eine gemeinsame Entwicklung von Norman Grumman, wo auch die US-Tarnkappenbomber produziert werden, und von EADS, dem militärischen Zweig von Airbus. Bei der "Euro-Hawk" handelt es sich um die größte Drohne der Welt, sie hat die Ausmaße einer Boeing 737. In diese erste deutsche Drohne werden jetzt in Manching in Deutschland entwickelte Spionagetechnologien eingebaut, so dass sie aus einer Höhe von 20 Kilometer über ihrem Einsatzgebiet Telefon- und Handygespräche sowie Radio- und TV-Sendungen an ihre "Piloten" an deutsche Bodenstationen - sie befinden sich im Aufbau - übermitteln kann. Auch Radarstrahlungen können entdeckt werden. Die deutschen "Euro-Hawks" werden vornehmlich Aufklärungszwecken dienen. Sie können mehr als 30 Stunden in der Luft bleiben.

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