Egal was Sie mit Ihrem iPad machen möchten, es gibt dafür eine App, so suggeriert die Fernsehwerbung von Apple – und der Volksmund hat die Aussage „es gibt für alles eine App“ längst übernommen. Doch lassen sich diese Apps auch wirklich benutzerfreundlich bedienen? Wie gut Anwender mit dem iPad und den Apps darauf zurechtkommen, hat die Norman Nielsen Group aus Dänemark untersucht. Die Usability-Studie wurde mit 16 Testnutzern durchgeführt.
Angesichts von rund 500.000 Apps zu verschiedensten Themen und für unterschiedlichste Aufgaben, ist die Norman Nielsen Group nicht um die Aufgabe zu beneiden, daraus repräsentative Apps auszuwählen. Die meisten Apps sind grundverschieden, sie werden nicht einmal alle per Touchscreen bedient, denn auch Gesichtserkennung, Lage-Sensoren und Sprachsteuerung werden zur Bedienung herangezogen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Zubehör. Eine gleich aussehende Oberfläche wie bei den Windows-Fenstern sucht man vergebens, außer die Apps stammen vom selben Hersteller. Und solche fehlenden Vorgaben führen zu einer ständigen Neuorientierung.
Was die Usability-Studie über die iPad-Apps aussagt
Das hat Auswirkungen auf die Benutzerfreundlichkeit der iPad-Apps. Die Usability-Studie der Norman Nielsen Group zeigt insbesondere folgende Mängel der Apps auf:
- Es sind zu viele Navigationsmöglichkeiten vorhanden.
- Schiebe-Steueroptionen verwirren die Nutzer.
- Es fehlt immer noch bei etlichen Apps eine Zurück-Schaltfläche (Return-Button).
- Startbildschirme bieten wenig Information, stehlen dafür dem Nutzer die Zeit mit irgendwelchen Spielereien wie Animationen oder Videos.
- Der Benutzer erfährt nicht, wie lange die Einführungsanimation oder das Laden der App noch dauert.
- Beim Laden von Apps ertönen Musik oder irgendwelche Klänge, was nach Meinung der Norman Nielsen Group zu unterlassen ist. Das kann bei einem Meeting sehr stören, auch in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants kommt es nicht gut an.
Im Vergleich zum Ergebnis der Studie vor einem Jahr sind die Oberflächen der Apps jedoch nach Aussage des Forschungsinstituts „deutlich weniger verrückt“ und es werden damals empfohlene Funktionen integriert wie beispielsweise eine Schaltfläche, mit der ein Anwender auf den vorherigen Bildschirm zurückgelangt.
Wie die Usability der iPad-Apps verbessert werden kann
Empfohlen werden Oberflächen mit wenigen Bedienmöglichkeiten, die dafür vom Anwender direkt für User ersichtlich sind. Beispielsweise kritisieren die Usability-Experten, dass Apps oft sowohl für das virtuelle Umblättern als auch Auswahlmenüs Schiebesteuerung nutzen. In solchen Fällen haben Nutzer oft Probleme, den Touchscreen an der richtigen Stelle zu berühren, um tatsächlich umzublättern. Anwender bevorzugen der Studie zufolge Homepage-artige Inhaltsübersichten, zu denen sie leicht wieder zurückfinden.
Der mittlerweile häufig vorhandene Return-Button bei den iPad-Apps sollte gut sichtbar und groß genug sein - ein winziger Pfeil am unteren Bildschirmrand ist leicht zu übersehen und zudem schwer gezielt anzutippen. Umständliche Login-Bildschirme sollten vermieden werden. Das ist insbesondere beim iPad wichtig, da es viel häufiger als ein iPhone von mehreren Personen genutzt wird.
Weitere Informationen zur Usability von iPad-Apps
Auf den folgenden Webseiten finden Sie weitere interessante Informationen zur Usability-Studie der iPad-Apps:
- Webseite der Norman Nielsen Group
- Pressemeldung zum Ergebnis der iPad-App-Studie von 2010
- Interview mit Jakob Nielsen, einem führenden Experten für Usability bei The Telegraph
