Wie konnte das möglich sein? Die Sportwelt hielt den Atem an, als Usain Bolt am 16. August 2008 den 100 Meter-Lauf in sagenhaften 9,69 Sekunden für sich entschied. Der junge Mann joggte am Ende mit weit ausgebreiteten Armen und einem Klopfen an die stolz geschwellte Brust ins Ziel – eine Geste, die manch erfolglosem Sportler wie eine Farce vorkam.
Usain Bolt: Der Star der Olympischen Spiele in Peking
Die Art und Weise, wie Usain Bolt dieses Finale der Königsdisziplin bei den Olympischen Spielen in Peking für sich entschied, ist tatsächlich als einzigartig einzustufen. Ist Usain Bolt ein Außerirdischer? Kann er überhaupt mit „normalen“ Läufern verglichen werden? Und zum Drüberstreuen: Muss da nicht Doping im Spiel sein, wenn ein Mann diese Disziplin so überragend gestaltet?
Zwar wird immer wieder von Grenzen des Menschen im Laufsport gesprochen, doch warum sollten Grenzen nicht überschritten werden? Dem Mann aus Jamaika ist eine Leistung um die 9,60 Sekunden auf alle Fälle zuzutrauen. Vielleicht ist es schon bald soweit. Einstweilen aber ist er der unbestrittene Star der Olympischen Spiele, und dabei war der Sieg im 100 Meter-Lauf nur der Anfang …
Michael Johnson ist seinen Fabel-Weltrekord los
Ein paar Tage später, genauer am 20. August 2008 nämlich konnten 91.000 Zuschauer im „Vogelnest“ und noch viel mehr Menschen vor den Fernsehgeräten einen Weltrekord bestaunen, der seit vielen Jahren als unantastbar galt. Michael Johnson, der fantastische Läufer über die 200 Meter, ist mit seinem unnachahmlichen Stil noch in sehr guter Erinnerung. Er soll bei seinem Weltrekord – 19.32 Sekunden – die zweiten hundert Meter in unglaublichen 9,20 Sekunden gelaufen sein. Usain Bolt trat am 20. August 2008 an, um diesen Weltrekord zu verbessern. Er wusste, dass es nicht leicht werden würde, und er lief zum Unterschied zu den 100 Metern über die vollen 200 Meter mit all der Energie, die in ihm steckte. Am Ende standen 19,30 Sekunden zu Buche, eine Fabelzeit, die ihn und Millionen von Menschen entzückte. Michael Johnson war im Stadion, und sich dessen bewusst, dass sein Weltrekord früher oder später von Usain Bolt übertroffen werden würde. Aber dass es gleich an diesem Abend in Peking soweit sein sollte …
Der dritte Streich mit der Mannschaft
Aller guten Dinge sind drei, und als dritter Mann (nicht als Schlussläufer!) hatte Usain Bolt maßgeblichen Anteil daran, dass die 4 X 100 Meter-Staffel der Jamaikaner am 22. August 2008 den vorherigen Weltrekord der U.S.A. mit einer Zeit von 37,10 Sekunden pulverisierte. Diesen Weltrekord kann er jedoch nicht für sich allein beanspruchen. Vier starke Läufer waren das Maß aller Dinge.
Ein Mann der großen Schritte
Was aber steckt hinter diesem jungen Mann, der während der olympischen Spiele seinen 22. Geburtstag feierte, was im ganzen Stadion unüberhörbar war? Er ist sehr groß – 196 Zentimeter – und wirkt nicht übermäßig muskelbepackt. Durch seine Größe macht er größere Schritte als die Konkurrenz. Für die 100 Meter waren 41 Schritte gezählt worden, bei den 200 Metern mögen es doppelt so viele sein.
Angeblich ist Usain Bolt eher als „faul“ zu bezeichnen und muss für so manches Training vom Fernseher buchstäblich weggezerrt werden. Er läuft so leichtfüßig, als habe er überhaupt kein Problem damit, diese intensive Geschwindigkeit zu erzielen, die Grundlage für seine Fabelzeiten ist. Ist wirklich alles so einfach und leicht nachvollziehbar? Ist es unglaubwürdig, mit legalen Mitteln derartige Zeiten zu erzielen?
Vielleicht ist der junge Mann einfach ein „Wunder der Natur“? Einer, der sich nicht quälen muss, um Höchstleistungen zu erbringen. Einer, der einfach Spaß hat, wenn er seinen Sport ausübt. Einer, der auch gerne fern schaut und über die ulkigsten Serien lacht. Einer, der die Sport-Welt in Atem hält, weil er alle Grenzen sprengt.
Der am 21. August 1986 in Trelawny Parish geborene Usain Bolt hat sich in die Rekord-Bücher eingetragen, und wir werden noch viel von ihm hören und sehen. Gut möglich, dass der Sport-Welt angesichts dieses Athleten noch oft Hören und Sehen vergeht …
