Wahlen in den USA – Swing States entscheiden

Obama? McCain? 2008 entscheiden wenige US-Bundesstaaten die Wahl

Kandidat Barack Obama - US-Senat (Public Domain)
Kandidat Barack Obama - US-Senat (Public Domain)
Gewählt wird in den ganzen USA - doch angesichts des amerikanischen Wahlsystems werden wohl nur wenige Bundessstaaten darüber entscheiden, wer nächster US-Präsident wird.

Nur etwa ein Dutzend aller 50 Bundesstaaten ist traditionell dafür entscheidend, wer die US-Präsidentschaftswahl gewinnt. Die Swing States oder, vielleicht treffender, Battleground States (Schlachtfeldstaaten) werden wohl auch die US-Wahl 2008, den Kampf zwischen dem Demokraten Barack Obama und dem Republikaner John McCain ums Weiße Haus, entscheiden.

Arkansas, Colorado, Iowa, Missouri, Nevada, New Hampshire, New Mexico, vor allem aber die bevölkerungsreichen Staaten Florida, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin gelten als jene Swing States, Bundesstaaten, die mal zur einen, mal zur anderen Seite neigen. Die zwischen Demokraten und Republikanern schwanken, eben swingen. Der Kandidat, der diese Swing States gewinnt oder viele davon, darf seinen Einzug ins Weiße Haus vorbereiten. Wer zuviele Swing States verliert, kann seinen Traum von der Präsidentschaft begraben. Der Grund für diese eigenartige Situation ist das Wahlsystem der USA.

Wahlmänner entscheiden: Obama oder McCain?

Seit der umstrittenen Niederlage von Al Gore gegen George W. Bush bei der US-Wahl 2000 dürfte auch dem letzten Florida-Urlauber klar sein: Entscheidend für den Einzug ins Weiße Haus ist nicht die Anzahl aller Wählerstimmen, sondern deren Verteilung auf die 50 US-Bundesstaaten.

Jeder Staat entsendet, je nach Bevölkerung, eine festgelegte Anzahl von Wahlmännern ins Electoral College (Wahlmännerkollegium), das den US-Präsidenten wählt. Es gilt das Prinzip: "Winner takesall". Hat ein Kandidat die Mehrheit in einem Bundesstaat gewonnen, egal wie knapp, bekommt er alle Wahlmännerstimmen jenes Staates. 270 Stimmen sind letztlich nötig, um Präsident zu werden.

Es gibt eine Menge Bundesstaaten, die eindeutig einer Partei zuneigen. Südstaaten wie Louisiana oder Mississippi wählen traditionell stramm republikanisch. Ebenso sinnlos wäre es für einen Demokraten, „rote“ – republikanische – Staaten wie Utah oder Wyoming gewinnen zu wollen. Auf der anderen Seite sind etwa New York, Maine, Massachusetts oder Vermont praktisch von vornherein „blau“ – demokratisch – eingefärbt. Beide Lager der vermeintlich sicheren roten und blauen Staaten halten sich in etwa die Waage. An dieser Waage wiederum sind die Swing States das entscheidende Zünglein.

Gewänne ein Kandidat alle Swing States, entspräche dies fast der Hälfte der notwendigen 270 Wahlmännerstimmen. Zusammen mit den sicheren Staaten würde dies den sicheren Sieg bedeuten.

Wichtige Swing States bei der US-Wahl 2008

Ohio: Ein Blick auf die Wahlergebnisse von 2004 zeigt, dass auch bei der US-Wahl 2008 Ohio eine Schlüsselrolle zukommen dürfte. Hätte Senator John Kerry, der demokratische Kandidat, 2004 in Ohio gewonnen, so wäre er ins Weiße Haus eingezogen. George W. Bushs Präsidentschaft wäre nach einer Amtszeit beendet gewesen. Doch der Republikaner entschied Ohio knapp für sich – mit gut zwei Prozent Vorsprung. Die entscheidenden Wahlmänner gingen an Bush.

Auch beim Kampf zwischen Barack Obama und John McCain wird Ohio ein eminentwichtiges Schlachtfeld sein. 20 Wahlmännerstimmen gibt es hier zu gewinnen oder zu verlieren – nur Florida und Pennsylvania bieten unter den Swing States noch mehr. Beunruhigend für Obama ist sicherlich, dass er bei den demokratischen Vorwahlen in Ohio trotz hoher Werbeausgaben sehr deutlich gegen Hillary Clinton nterlag.

Pennsylvania: Auch Pennsylvania verlor Obama bei den Vorwahlen klar gegen Hillary Clinton. Das muss nicht heißen, dass John McCain die 21 Wahlmänner aus diesem Bundesstaat holt – aber möglich ist es durchaus. Allerdings scheint Pennsylvania in letzter Zeit eher ins demokratische Lager zu tendieren. Seit Bill Clintons Sieg 1992, also zuletzt vier Mal in Folge, gewannen hier stets die Demokraten, doch jedes Mal nur knapp. Die McCain-Kampagne könnte versuchen, in Pennsylvania einen großen Coup gegen Obama zu landen.

Wisconsin: Der Staat im Mittelwesten bringt zwar vergleichsweise wenige Delegierte, nämlich 10 Wahlmänner, gilt aber als besonders umkämpft. Mit gerade Mal 0,4 Prozent Vorsprung konnte John Kerry im Jahre 2004 diesen Staat ins demokratische Lager holen. Angesichts der Umfragen gilt als sicher, dass auch beim Kampf McCain gegen Obama Wisconsin ein Schlachtfeldstaat sein wird.

Missouri: Seit 1904 hat dieser Bundesstaat immer für den späteren US-Präsidenten gestimmt – außer 1956. Missouri mit seinen 11 Wahlmännern ist also der klassische Swing State, ständige wechselnd von rot zu blau und wieder zurück. Weder Demokraten noch Republikaner können sich Missouris sichern sein und werden hier deshalb besonders heftig kämpfen. Dass der relativ kleine Staat so zuverlässig auf der späteren Gewinnerseite steht, hat übrigens einen einleuchtenden Grund: Missouri gilt von der demografischen Zusammensetzung her als kleineres Spiegelbild der USA.

Florida: Mit 27 Wahlmännern ist dieser Bundessstaat nicht nur das Schwergewicht aller Swing States. Florida gilt seit der Präsidentschaftswahl 2000 auch als Mutter aller Battleground States. Unter fragwürdigen und höchst umstrittenen Umständen sicherte sich George W. Bush im von seinem Bruder Jeb regierten Florida eine hauchdünne Mehrheit von nur 537 Stimmen gegenüber seinem demokratischen Konkurrenten Al Gore. Die 27 Wahlmänner aus Florida sicherten Bush die Präsidentschaft, obwohl US-weit mehr Wähler für Gore stimmten.

Florida wird schwierig für Barack Obama

Ob Florida auch 2008 ein echter Swing State sein wird, muss jedoch als unsicher gelten. Zum einen konnte George W. Bush vier Jahre nach seinem ersten „Sieg“ hier den Demokraten John Kerry recht deutlich schlagen, mit mehr als fünf Prozent Vorsprung. Zum anderen gilt Barack Obama hier als klarer Außenseiter. John McCain ist wie Hillary Clinton extrem beliebt bei den Latinos, die in Florida die entscheidende Wählergruppe stellen. Es erscheint also als ziemlich wahrscheinlich, dass Florida zum dritten Mal in Folge rot – also republikanisch – wählt.

Würde Barack Obama tatsächlich den größten der vermeintlichen Swing States an John McCain verlieren, erhöhte dies den Druck auf den Demokraten, nahezu alle anderen wichtigen Swing States zu gewinnen – auch die mit wenigen Wahlmännerstimmen wie etwa New Hampshire (4) oder Colorado (9). Außerdem, so eine Hoffnung Obamas, möchte er einige weitere, vermeintlich sicher republikanische Bundessstaaten zum Swingen bringen: Virginia, West Virginia, Indiana und vielleicht auch den Wackelkandidaten Arkansas, Heimatstaat von Hilary's Mann Bill Clinton.

Per Erdrutschsieg ins Weiße Haus?

Natürlich sind auch für die US-Wahl 2008 Szenarien denkbar, in denen die Swing States keine Rolle spielen. Dann nämlich, wenn – wie in den Achtzigern – ein Kandidat einen Erdrutschsieg erringt. So fegte Herausforderer Ronald Reagan im Jahre 1980 den demokratischen Amtsinhaber Jimmy Carter aus dem Weißen Haus – indem er 44 von 50 Staaten gewann. Vier Jahre später verteidigte Reagan sein Amt gegen Walter Mondale. Er gewann – Swing hin, Battleground her – in 49 Staaten.