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Ute Braun: Mein Kräutersommer

Mein Kräutersommer von Ute Braun - Kosmos
Mein Kräutersommer von Ute Braun - Kosmos
In ihrem zweiten Buch erzählt Ute Braun neue Geschichten von der Alp, gibt ihr Wissen über Wildkräuter und delikate Rezepte weiter.

Als 2008 „Alpsommer – Mein neues Leben als Hirtin“ von Ute Braun erschien, landete sie einen großen Erfolg und war Gast in vielen Talkshows. Sehr erfrischend erzählte sie von ihren zwei Leben: ihrem Sommerleben als Viehhirtin auf der Schweizer Alp und ihrem Winterleben als Heilpraktikerin im Hunsrück, in Deutschland. 2010 erschien das Buch in der zweiten Auflage und im Februar 2011 ist ihr neues Buch herausgekommen. Während sie in ihrem ersten Buch vor allem von ihrem Leben mit Rindern, Ziegen, allerlei Kleintieren und ihrer Arbeit auf der Alp erzählt, stellt sie in ihrem Buch „Mein Kräutersommer – Neue Geschichten, Erlebnisse und Rezepte von der Alphirtin“ ihre Erfahrungen mit Heilpflanzen und wild wachsenden Kräutern in den Vordergrund.

Als Kind spielte sie mit ihren Geschwistern in den Wiesen und Feldern, die sich hinter ihrem Elternhaus ausbreiten. Aus den Wiesenblumen machte sie bunte Sträuße und sammelte Löwenzahn für die Hasen. Damals ahnte sie noch nicht, dass sie eines Tages mit Gänseblümchen, Wiesenschaumkraut und jungen Löwenzahnblättern ihren Salat verfeinern würde. „In den Städten fern der Heimat verblasste später meine Erinnerung an selbst gepflückte Wiesenblumensträuße. Mein Interesse an Pflanzen erlosch jedoch nie ganz“, schreibt Ute Braun. Als sie ihre Arbeit und Wohnung in Köln aufgab, um einen Sommer lang Rinder in den Schweizer Bergen zu hüten, nahm sie ein Blumenbestimmungsbuch, einen Wildgemüse-Kompass und eine Sternenkarte mit. Aus dem einen Sommer sind inzwischen 23 Sommer auf der Alp geworden.

Mit jungen, frischen Wildkräutern bereicherte Ute Braun ihr Essen

Das Wissen, das sie sich über Kräuter aneignete, wurde immer umfangreicher. Bis zu einer geführten Kräuterwanderung im Hunsrück hat sie es allerdings nicht umgesetzt. Als zum Abschluss der Wanderung ein Salat aus Wildkräutern gereicht wurde, war das für sie eine neue Erfahrung, die den Wunsch in ihr weckte, es nachzumachen, vor allem aber, es besser zu machen. Sie fing an, mit jungen, frischen, klein geschnittenen Kräutern ihr Essen zu bereichern.

Seit vielen Jahren macht Ute Braun im Frühjahr geführte Kräuterwanderungen im Hunsrück, bevor sie Anfang Mai in ihre Sommerheimat aufbricht. Es sind Spaziergänge zu Lungenkraut, Gänsefingerkraut, Spitzwegerich, Schafgarbe, Wiesenschaumkraut und Co. Ihre Gedanken im Anblick der Mitwandererinnen und Mitwanderer beschreibt sie so: „Möge es mir heute gelingen, Herzen zu entfachen. Ich werde den Menschen zeigen, wie üppig die Natur den Tisch gedeckt hat mit Grün, das den wintermüden Körper zu beleben hilft.“

Ute Braun lebt ein einfaches und doch so reiches Leben

Ihr Sommerleben beschreibt Ute Braun so, dass die Leserinnen und Leser die satte Natur der Alp vor ihrem inneren Auge sehen und den Duft und Geschmack nachempfinden können: Die weitläufigen grünen Weiden, die Farbenpracht der Blumen, der Blick auf die Berge im Sonnenuntergang, ihr kleiner Garten an der Hütte, frische Ziegenmilch im Kaffee, selbstgemachter Ziegenkäse. Es ist ein einfaches und doch so reiches Leben in und mit der Natur. Viele Menschen, die Ute Brauns erstes Buch gelesen hatten, schrieben ihr von der Sehnsucht nach einem ursprünglichen Leben und von der Hoffnung, in der Natur zu sich selbst zurück zu finden und Heilung zu erfahren.

Die Autorin, die sich diesen „Luxus“ vom Leben im Einklang mit der Natur in jedem Jahr aufs Neue leistet , teilt ihr fundiertes Wissen um die Kräuter mit den Leserinnen und Lesern. In jedem der 15 Kapitel stellt sie eine Pflanze in den Mittelpunkt ihrer Erzählungen und verknüpft in lebendiger Form den Nutzen der Pflanzen für Gesundheit und Küche mit ihren Erfahrungen auf der Alp und mit Erinnerungen an ihre Kindheit. Immer wieder bezieht sie sich auch auf Überlieferungen der Hildegard von Bingen. Persönliche Rezepte am Ende jeder Geschichte regen zum Ausprobieren und Selbermachen an: Zitronenmelissensirup, Holunder-Apfel-Marmelade, Bärlauchbutter, Pimpinellepesto, Grünkernfrikadellen mit Quendel, Pfifferlinge mit Spitzwegerich und vieles mehr. Zusätzlich hat Ute Braun alle Kräuter im Anhang in einem „Kräuterlexikon“ aufgelistet.

Mit diesem Buch erlaubt Ute Braun einen weiteren Einblick in ihr außergewöhnliches Leben. Sie lässt Leserinnen und Leser teilnehmen an den täglichen Wundern der Natur, an ihren Morgenritualen, bei denen beispielsweise die kleinen Wasserperlchen auf den Blättern des Frauenmantels eine Rolle spielen. Oder sie verrät, warum die Kamille ihrer Seele gut tut. Es ist ein unterhaltsames und lehrreiches Buch, das ohne spektakuläre Versprechen den Blick auf die Heilkräfte der Natur richtet.

Ute Braun: Mein Kräutersommer – Neue Geschichten, Erlebnisse und Rezepte von der Alphirtin. Kosmos 2011. Hardcover, 189 Seiten. Euro 16,95.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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