Uwe Steimle: Ein Querdenker aus Sachsen kann nicht schweigen

Publikumsliebling Uwe Steimle   - Michael Voigt
Publikumsliebling Uwe Steimle - Michael Voigt
Schubladen-Denken mag er nicht. Der Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle pflegt eine sehr differenzierte Sicht auf Ost und West in Deutschland.

Ein Mann ruft der Menschenmasse rhythmisch zu: „Hoch die internationale Solidarität!“. Die Zuhörer toben begeistert und skandieren im Sprechchor mit. Man könnte meinen, die DDR sei wieder existent. Doch vom Publikum wird nicht etwa der auferstandene Erich Honecker gefeiert, sondern sein wahrscheinlich bester Imitator. Uwe Steimles Parodien auf den ehemaligen DDR-Staatschef sind mittlerweile Kult und haben ihren festen Platz am Ende nahezu jeder Vorstellung.

Uwe Steimle: Stationen eines Vielseitigen

Allerdings wäre es grundverkehrt, den Bühnenkünstler lediglich auf diese eine Rolle festzulegen. Uwe Steimle ist ein vielseitiger Mann. Der 1963 geborene Dresdner interessierte sich bereits früh für die Schauspielkunst, schlug zunächst abereinen bodenständigeren Berufsweg ein und wurde Industrieschmied. Ab 1985 studierte er dann jedoch an der Leipziger Theaterhochschule. Bereits während der Schauspielausbildung war Uwe Steimle erstmals in einer Anna-Seghers-Verfilmung im Fernsehen präsent. 1989, im Jahr der politischen Wende, absolvierte er seinen Hochschulabschluss. Der Zeitpunkt sollte sich als ideal erweisen, denn im DDR-Sozialismus wären die kritischen Bühnenprogramme des Dresdners ebenso undenkbar gewesen, wie seine Honecker-Imitationen.

Doch zunächst konnte sich Uwe Steimle über zahlreiche Theater-Engagements in Dresden, Erfurt und Halle freuen. Auf komödiantischem Gebiet machte er sich kurze Zeit später einen Namen als Honecker-Imitator sowie als Autor des Dresdner Kabaretts „Die Herkuleskeule“. Weiterhin wirkte der Schauspieler in verschiedenen Filmprojekten mit und betätigte sich 1997 sogar schriftstellerisch. In den Bereichen Kabarett und TV wurde der Künstler bereits mit renommierten Preisen geehrt. Die vermutlich beständigste Auszeichnung jedoch schuf sich Uwe Steimle selbst: Er gilt als Erfinder des Begriffs „Ostalgie“.

Der Kabarettist Uwe Steimle

Die gesellschaftlichen Lebensumstände der Ostdeutschen damals und heute sind das große Thema in Uwe Steimles Bühnenprogrammen. Gemeinsam mit dem nicht minder genialen Tom Pauls schuf der Kabarettist einst die Kultfiguren Ilse Bähnert, eine pfiffige Rentnerin und Günther Zieschong, einen Arbeitslosen mit SED-Vergangenheit. Beide versuchen, den Spagat zu meistern zwischen dem, was früher an Werten zählte und den Realitäten der Nachwendezeit. Wer allerdings plumpen Ossi-Spott und flachgeistigen Ulk erwartet, wird enttäuscht. In seinen Soloprogrammen mimt Uwe Steimle auch heute noch den Günther Zieschong.

Doch der Kabarettist beschränkt sich nicht auf diese Rolle. Oft spricht er das Publikum direkt an, um es zum „denkenden Sprechen“ zu animieren. Auch heutige „Realitäten“ (besonders in den Aussagen der Politiker) sollten eben hinterfragt werden. Das pauschale Denkmuster „In der DDR war alles schlecht“ gibt es bei Uwe Steimle nicht. Er bekennt sich zu seiner ostdeutschen Herkunft, ohne die rote Diktatur zu glorifizieren. Erstaunlicherweise absolviert der Künstler mit diesem Konzept auch in den Altbundesländern erfolgreiche Auftritte, obwohl er dort natürlich so manchen typisch ostdeutschen Begriff erst erklären muss.

Uwe Steimle als Schauspieler

Im Fernsehen fällt Uwe Steimle vom ersten Augenblick an durch seinen sächsischen Dialekt auf. Dieser mag zunächst zum Schmunzeln anregen, verleiht den verkörperten Figuren jedoch auch eine enorme Authentizität. Neben etlichen Fernsehfilmen sowie einer Gastrolle im „Tatort“ machte Uwe Steimle vor allem der „Polizeiruf 110“ bekannt. Die bereits seit DDR-Zeiten produzierte Krimireihe ist quasi die ostdeutsche Antwort auf den „Tatort“ und spielt ebenfalls in verschiedenen Regionen mit jeweils anderen Ermittlerteams. Ab 1993 mimte Uwe Steimle dabei den (anfänglich vorlauten, leicht tollpatschigen und übereifrigen) Hauptkommissar Jens Hinrichs, welcher im schönen Mecklenburg ermittelte.

Trotz anhaltender Beliebtheit beim Publikum beendete der NDR die Episoden um Hauptkommissar Hinrichs im Jahr 2009. Der Sender sprach vom normalen Ende einer Fernsehrolle. Uwe Steimle hingegen mutmaßte (laut FAZ.net vom 28.06.2009) politisch-disziplinarische Gründe, denn er hatte nach eigenen Angaben die seiner Meinung nach realitätsfernen Ost-Klischees der Krimireihe kritisiert. Zudem stimmte der Schauspieler bei der Bundespräsidentenwahl für seinen Kollegen Peter Sodann, den Kandidaten der Linkspartei.

Filmfreunde müssen dennoch nicht auf Uwe Steimle verzichten. Anfang 2012 wird er im Kino als Hauptdarsteller einer Tragikkomödie zu sehen sein. „Sushi in Suhl“ erzählt eine wahre DDR-Episode aus den 70er Jahren. Für Uwe Steimle, den komödiantischen Vermittler zwischen Ost und West, also die ideale Rolle. Man darf gespannt sein.

Quellen:

Hompage von Uwe Steimle

Kurzbiografie auf FAZ.net

MDR.de

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