Vancouver Canucks sorgen für Stanley-Cup-Fieber

Zweiter Sieg für die Vancouver Canucks im zweiten Endspiel gegen die Boston Bruins: Burrows und Malhotra Helden im Stanley-Cup-Finale. Die Stadt steht Kopf.

In Vancouver hat das grassierende Eishockey-Fieber wieder olympische Dimensionen erreicht. Mehr als 100.000 Eishockey-Fans versammelten sich am späten Samstagnachmittag (Ortszeit, 4. Juni 2011) auf Straßen und Plätzen in der Olympiastadt von 2010, um gemeinsam beim Public Viewing ihre Vancouver Canucks im 2. Stanley Cup Endspiel gegen die Boston Bruins anzufeuern. Wie vor Jahresfrist, als das kanadische Nationalteam bei den Winterspielen Gold erobert hatte, kannte der Jubel keine Grenzen, als Publikumsliebling Alexandre Burrows nach nur elf Sekunden der Verlängerung den Gästen aus den USA im "Sudden Death" den Todesstoß versetzte.

Ausgerechnet ein "Bauerntrick"-Tor gegen den Ausnahme-Torwart der Bruins, Tim Thomas, sorgte für Freudentänze und Hupkonzerte in ganz British Columbia, der kanadischen Provinz, in der Vancouver liegt. Burrows, schon in der ersten Playoff-Runde gegen Titelverteidiger Chicago Blackhawks im entscheidenden 7. Spiel der umjubelte Overtime-Held, bescherte den Canucks um den deutschen Nationalspieler Christian Ehrhoff einen 3:2-Triumph und damit eine 2:0-Führung in der Best-of-Seven-Finalserie um den Stanley Cup. Das erste Finalspiel hatte Vancouver 1:0 gewonnen.

Druck auf Boston Bruins vor Spiel 3 des Stanley-Cup-Finales riesig

Vor dem 3. Spiel am Montagabend in Massachusetts (Dienstag, 2 Uhr MESZ) lastet nun ein schier unerträglicher Druck auf dem Team aus Boston. Sollten die Bruins mit dem deutschen Nationalspieler Dennis Seidenberg in ihren Reihen dann erneut den Kürzeren gegen das beste Team der regulären NHL-Sasison ziehen, dann kann die Endspielserie schon zwei Tage später vorbei sein und Vancouver erstmals in der Klubgeschichte den begehrten Stanley Cup gewinnen. Was für Boston besonders blamabel wäre: Der letzte sogenannte Sweep, das Hinwegfegen des Gegners in nur vier Spielen, datiert aus dem Jahr 1998, als die Detroit Red Wings 4:0 gegen die Washington Capitals die Oberhand behielten.

Beinahe ebenso wunderbar wie die Wiederaufstehung mit Happy End für die Vancouver Canucks, die nach dem 2. Drittel des 2. Endspiels 1:2 zurücklagen, sich von den Boston Bruins daheim den Schneid hatten abkaufen ließen und Gefahr liefen, mit einem 1:1-Zwischenstand an die Ostküste des Kontinents fliegen zu müssen, war die Rückkehr eines Spielers, dessen Karriere viele Beobachter bereits als beendet ansahen: Manny Malhotra.

Manny Malhotra gibt den Vancouver Canucks neuen Schwung

Der 31-jährige Center-Mann der Canucks hatte am 16. März im Spiel gegen die Colorado Avalanche eine schwere Augenverletzung erlitten und seitdem keine Partie mehr für Vancouver bestritten. Für Fans wie Experten kommt Malhotras Rückkehr ausgerechnet im Stanley-Cup-Endspiel nicht nur einem Wunder gleich, sie wird auch als unschätzbarer moralischer Anschub für Vancouvers Mannschaft gewertet, die während der Saison zahlreiche Verletzungs-Rückschläge einstecken musste, diese jedoch mit seinem ausgeglichen besetzten Kader hinter den Stars Henrik und Daniel Sedin und Goalie Roberto Luongo zu kompensieren verstand.

Manny Malhotra hatte seinerzeit einen abgefälschten Puck ins links Auge bekommen, ihm drohte der Verlust der Sehkraft. Er hatte gegen Colorado keinen Sichtschutz getragen. In zwei Operationen und anschließenden Behandlungen schafften es die Ärzte, das Auge soweit zu kurieren, dass Malhotra nun im zweiten Finalspiel wieder auflaufen konnte - diesmal mit einem Vollvisier. "Manny, Manny"-Sprechchöre der 18.860 Zuschauer in Vancouvers ausverkaufter Rogers Arena sorgten für Gänsehaut-Atmosphäre in der Halle. Und sicher für so manche Träne der Rührung - die sich nach Burrows Siegtreffer schnell in Freudentränen verwandelten.