Heute ist Ulrich Wickert 69 Jahre alt. Das ist in Zeiten optimaler medizinischer Versorgung kein Alter. Seine Frau scheint dagegen fast ein junger Hüpfer: 40 Lenze zählt Julia Jäkel. Es ist schön, dass diese Beziehung nicht unter dem Altersunterschied leidet. Als Beweis dient das ungeborene Kind, welches voraussichtlich im Mai 2012 zur Welt kommen wird.
Schön, dass sich beide Eltern sehr freuen und der neuen Aufgabe positiv entgegen sehen. Ein kritischer Blick in die Zukunft zeigt jedoch, dass das Kind nicht unbedingt profitiert:
Es wird hier nicht abgestritten, dass alte Eltern ihren Kindern auch Vorteile bringen können: Mehr Zeit, vielleicht mehr Gelassenheit, in der Regel mehr Geld und - wie bei Wickert und Jäkel - bereits Erfahrung mit Kindern. Doch auf der anderen Seite der Medaille sieht es schon etwas düsterer aus:
Ist das Kind sieben Jahre alt, wird Wickert bereits auf die 80 zugehen. Ob das ausgelassene Spielen auf dem Spiel- oder dem Sportplatz dann noch ein Vergnügen für Herrn Wickert sein kann? Sind es nicht Erlebnisse wie diese, die die Beziehung von Kindern und Eltern gerade in den ersten Jahren prägen? Sicher, Vorlesen und Geschichten erzählen wird er auch noch mit 90 können. Auch das prägt. Ist das Kind dann irgendwann mit der Schule fertig, bei aller Unterstützung der Eltern sicherlich schon mit 18 oder 19 Jahren, dann kommen Mutti und Vati zur Abschlussfeier an der Schule gern. Vati sitzt dann vielleicht schon im Rollstuhl, hört äußerst schlecht und geht bald auf die 90 zu.
All das ist vielleicht Ansichtssache. Kinder alter Eltern können selbstverständlich sehr glücklich sein und sind es auch. Es gibt wesentlich mehr soziale Faktoren, die zum Glück führen, als das Alter der Eltern.
Was die sozialen Faktoren aber auch nicht ändern können, sind die eindeutig bewiesenen medizinischen Nachteile alter Eltern:
Gebärt eine Frau über 35 Jahren ein Kind, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieses mit Trisomie 21 zur Welt kommt. Ebenso steigen die Risiken für Schizophrenie und Autismus deutlich an. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass gerade ein alter Vater ursächlich für spätere Depressionen sein kann. Das auch der Intelligenzquotient mit zunehmendem Alter des Vaters bei den Nachkommen sinkt, sei hier nur am Rande erwähnt. Viele weitere negative Folgen der späten Elternschaft werden derzeit von Wissenschaftlern erforscht und vor allem entdeckt.
Das Wohl des Kindes sollte für Eltern immer im Vordergrund stehen. Sieht man sich die "Nebenwirkungen" einer späten Elternschaft genau an, so sollte vielleicht zum Wohl eines nicht-geborenen Kindes auf die Einleitung einer Schwangerschaft verzichtet werden.
Unter Berücksichtigung aller Gefahren, die die späte Elternschaft birgt, scheint es doch eher ein egoistischer Akt zu sein, als etwa ein natürlicher, nicht zu vermeidener Zufall.
Nun sind "die Wickerts" aber bereits schwanger und werden das Kind sicherlich liebevoll und verantwortungsvoll erziehen. Es sei Ihnen Glück gewünscht!
