Männer, die mit dem Bollerwagen übers Land ziehen. Voll bepackt mit Bierkästen, Bierfässchen und/oder Schnaps. Das ist das typische Bild, das viele mit dem inoffiziellen Feiertag Vatertag verbinden. Der Vatertag hat das religiöse Fest Christi Himmelfahrt in vielen Gegenden längst verdrängt.
Vatertag - Ursprung im Mittelalter
Woher der Vatertag stammt, ist umstritten. Bereits im 19. Jahrhundert ist die Rede von Umzügen von Männern, die sich am Vatertag zum Trinken verabreden. Solche Vatertagstouren oder Herrenpartien soll es anderen Quellen zufolge bereits im Mittelalter gegeben haben. Sie sollen sich aus kirchlichen Prozessionen entwickelt haben, die offenbar bereits im Mittelalter nicht nur christlichen Zwecken, sondern irdischem Amüsement gedient hatten. Historisch überliefert sind zudem so genannte Flurumgänge von Bauern, die mit einem Fest für die Ernte dankten.
Wurzeln in Berlin
Die moderne Tradition der Wanderungen und Kutschfahrten hat sich zuerst in und rund um Berlin entwickelt. Junge Männer sollten an diesem Tag in Männertugenden eingeführt werden. Die bestanden in erster Linie aus Trinken, Rauchen und Gesprächen übers andere Geschlecht. Dabei war es unerheblich, ob die Männer tatsächlich Väter waren. Väter hatten allerdings einen kleinen Vorteil: Sie mussten zu den Touren kein Bier mitbringen. Mit Zipfelmützen und Schlafanzügen bekleidet, wanderten die meisten jungen Teilnehmer in die Berliner Müggelberge. Mit diesem Ursprung im Berliner Raum ist auch zu erklären, dass die Herrentouren in der ehemaligen DDR besonders populär waren.
Vatertag in den USA
Aus den USA ist überliefert, dass die Tradition auf den Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert zurückgeht. Damals kämpfte eine Amerikanerin dafür, dass die Väter, die in den Krieg gezogen waren, an einem besondern Tag geehrt werden. 1924 soll Präsident Calvin Coolidge die offizielle Anerkennung als Feiertag empfohlen haben. Es dauerte jedoch bis 1974 bis Richard Nixon den Vatertag zum offiziellen Feiertag erhob. In Deutschland ist der Ehrentag der Männer dagegen bis heute nur ein inoffizieller Feiertag.
Wann ist Vatertag?
Während der Muttertag in den meisten Ländern am zweiten Sonntag im Mai begangen wird, gibt es beim Vatertag nicht eine so einheitliche Regelung. Die Amerikaner feiern ihn am dritten Sonntag im Juni, die Österreicher am zweiten Juni-Sonntag, die Australier im September, die Finnen im November und wir Deutsche an Christi Himmelfahrt.
Kritik von Ursula von der Leyen
2008 hat sich die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen der Vatertags-Tradition angenommen. Sie kritisierte scharf die Alkoholexzesse, die in vielen Landstrichen üblich sind. Es sei eine schreckliche Sitte, sagte die Ministerin in einem Interview mit der Bunten. Statt sich um die Kinder zu kümmern, wollten die Männer an diesem Tag besonders weit weg von der Familie sein.
Kein kommerzieller Erfolg
Der Vatertag hat nie den Stellenwert des Muttertags erreicht, auch wenn es durchaus üblich ist, dem Vater ein kleines Geschenk zu überreichen. Im Gegensatz zum Muttertag, dessen Einführung Blumengeschäfte vorangetrieben haben, hat sich bis heute keine Industrie gefunden, die Anstrengungen in die Popularisierung des Feiertages investiert hat. Vielleicht einmal abgesehen von örtlichen Wirten, die sich ebenfalls ein gutes Geschäft erhoffen.
