Vattenfall

Grünes Mäntelchen für einen Schmutzfinken

Vattenfall/Merkel - Vattenfall
Vattenfall/Merkel - Vattenfall
Nach diversen PR-Debakeln brachen etwa 300.000 Kunden weg - nun geht Vattenfall mit (un)durchsichtigen Aktionen auf Kundenfang - auch in Schulen

Vattenfall (schwedisch: Wasserfall) betrat erstmal 1999 deutschen Boden. Damals übernahm es die regionalen Stromversorger von Berlin (Bewag), Hamburg (HEW), Ostdeutschland (Vebag) sowie die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag). Vor allem die Berliner waren anfangs darüber erleichtert, denn als Käufer war auch der umstrittene US-Stromriese Southern Energy im Gespräch gewesen. Ein Stromkonzern aus dem skandinavischen Land, das das sympathische Möbelhäuser erfand, erschien da als kleineres Übel.

Der Konzern ist heute nach eigenen Angaben das größte Energieunternehmen Schwedens und Nummer fünf in Europa. In Deutschland gehört Vattenfall zu den vier großen Energiekonzernen. 2006 erwirtschaftete die deutsche Tochter des schwedeischen Staatskonzerns Vattenfall AB einen Umsatz von 11,1 Milliarden Euro. Davon trug die Stromproduktion - überwiegend aus Braunkohle - den mit 7,8 Milliarden Euro den größten Anteil.

Pleiten. Pech und Pannen

Das anfängliche Wohlwollen hat sich seitdem drastisch gewandelt. Dies ist liegt zum Einen an diversen Störfällen im Kernkraftwerk Brunsbüttel, deren erster die Nation im Dezember 2001 aufschreckte. Zum PR-technischen Super-Gau kam es im Juni/Juli 2006, als weitere Störfälle im Kernkraftwerk Krümmel von Vattenfall heruntergespielt und viel zu spät an die Öffentlichkeit gebracht wurden. Dies kostete dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Klaus Rauscher letztendlich den Job. Jedoch wurde ihm der Weggang mit 3,5 Millionen Euro versüßt. Als Vattenfall damals die Laubag übernahm, machte es gleich eine ganze Region platt, Leidtragende waren die Einwohner des sorbischen DorfesHorno. Dabei gelten in Schweden besondere Gesetze für nationale Minderheiten, wie es die Sorben sind.

Vattenfall als Umweltschützer?

Warum Angela Merkel Konzernchef Lars Göran Josefsson zu ihrem Klimaschutzberater berufen hat, liegt vielleicht an dessen Aussage: "Vattenfall Europe will in Sachen Umweltschutz als ein führendes Unternehmen anerkannt werden." Wenn dem so ist, wie passt dann die Tatsache, dass Vattenfall, nach der Zerstörung von Horno und dem umliegenden ökologisch wertvollen Naturschutzgebiet weitere derartige Aktionen plant? Denen soll auch das Örtchen Grabko zum Opfer fallen, mit ihm 156 Einwohner, 50 Gehöfte und etliche Hektar Kiefernwald.Alleine die beiden Lausitzer Vattenfall-Braunkohlebergwerke pusten jedes Jahr etwa 40 Millionen Tonnen CO2-Emissionen in die Luft.

Das brandenburgische Kraftwerk Jänschwalde gehört zu den schmutzigsten in ganz Europa. Gemeinsam mit dem Branchenriesen RWE kämpft Vattenfall weiter dafür, dass Braunkohlekraftwerke beim Emissionshandel weiterhin bevorzugt werden.

CO2 freie Kohlenkarftwerke

Mit dem von ihm geplanten CO2-freien Kohlekraftwerk wirbt Vattenfall gerne, auch in Schulen, wie zuletzt in Brandenburg. Dass es dies noch gar nicht gibt, und etliche Experten an der Funktionalität eines solchen zweifeln, wird gerne verschwiegen.

Klimaakademie nennt Vattenfall seine Aktionen an Schulen. Viele Schuldirektoren sind dankbar für die kostenlose Eigenwerbung, denn der Konzern stellt fehlende Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, für die oft das Geld fehlt. Außerdem wird mit einem Preisgeld von 5000 Euro für den Sieger eines Wettbewerbs gelockt. 13 brandenburgische Schulen bewerben sich darum.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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