Veränderungen der Rollenstrukturen in Deutschland

Veränderung der Rollenstrukturen - Stefan Dassler
Veränderung der Rollenstrukturen - Stefan Dassler
Soziale Rollen sind Bündel von Verhaltenserwartungen (beispielsweise an einen Familienvater, eine Mutter, eine Frau, eine Führungskraft im Beruf).

Der Wandel von Wertorientierungen und Einstellungen in der Gesellschaft – mit der Tendenz der Individualisierung – wirkt sich auch auf diese Verhaltenserwartungen aus. Die Erwartungen an Selbstentfaltungsmöglichkeiten in verschiedenen Rollen nehmen zu.

Rolle und Positionsinhaber

Im Zusammenhang mit einer Rolle ist der Begriff des Positionsinhabers von Bedeutung. Eine Position ist ein Ort in einem Gefüge sozialer Beziehungen. Beispielsweise kann eine junge Frau die Positionen „Mutter“, „Tochter“, „Freundin“, „Schwester“, „Verkehrsteilnehmer“ und „Krankenschwester“ innehaben. Positionen und Rollen haben sich im Verlauf der Zeit gewandelt.

Sollte jemand von den Verhaltenserwartungen abweichen, so reagiert die Gesellschaft mit negativen (Tadel, Bestrafung) oder positiven (Lob, Belohnung) Sanktionen. Diese Mittel tragen zu einer Verwirklichung von veränderten Rollenstrukturen in der Gesellschaft bei.

Beispiele für Rollenstrukturen

  1. Familienstrukturen: In der vorindustriellen Zeit war die Familie eine regelrechte Notgemeinschaft. In der Gegenwart dienen die Kinder nicht mehr der Altersversorgung. Auch sorgt heute der Staat für die Ausbildung der Kinder. Individuelle Lebensentwürfe nehmen zu. Mobilität, Flexibilität, Leistungsdenken und Selbstverwirklichung spielen eine immer zentralere Rolle. Väter und Mütter brechen mit traditionellen Denk- und Verhaltensmustern (beispielsweise im moralisch-sittlichen oder religiösen Bereich).
  2. Die Rolle der Frau: In den 1950er und 1960er Jahren wurde von der Frau vor allem die Rolle als Nesthüterin erwartet. Die Rolle als Hausfrau, Mutter undsoweiter wurde höher bewertet als ihre Persönlichkeit. Das Geschlechterverhältnis zwischen Mann und Frau war hierarchisch. Von den 1970er bis Mitte der 1990er Jahre herrschte die Rolle als Rebellin vor. Emanzipation und Selbstverwirklichung der Frau waren von wesentlicher Bedeutung. Das Geschlechterverhältnis war opponierend. Seit Mitte der 1990er Jahre hat die Frau vor allem die Rolle als Befreite inne. Sie zeigt Persönlichkeit sowohl in, als auch hinter den Rollen. Das Geschlechterverhältnis ist zunehmend symmetrisch und gegenseitig ergänzend.
  3. Geschlechts- und Berufsrollen: Nach Art. 3 Grundgesetz sind Männer und Frauen gleichberechtigt – insbesondere auch im Beruf. In der Realität sind die Belastungen zwischen Mann und Frau noch immer ungleich verteilt. Auch gibt es typische Männerberufe beispielsweise in der Baubranche und typische Frauenberufe beispielsweise im Dienstleistungsbereich. Frauen sind noch immer mehr für Kindererziehung und Haushalt zuständig als Männer und weit weniger durch eine eigene berufliche Existenz abgesichert. Für berufstätige Frauen ergibt sich eine Doppelbelastung als Hausfrau und Berufstätige. Nicht selten bleibt die berufliche Karriere auf der Strecke. Geschlechtsunabhängig ändert sich die Berufsrolle im Verlauf des Lebens beispielsweise durch Beförderung, Stellenwechsel, Wechsel des Arbeitsortes, Umschulungen und Umstrukturierungen.

Literatur

Lehmann, B./Schäfers, B. u.a.: Grundbegriffe der Soziologie. VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006. Fachbuch. 373 Seiten. Euro 19,95.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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