Verblendung - U.S.-Remake des schwedischen Thrillers

Verblendung - U.S.-Remake - Filmplakat - Sony Pictures
Verblendung - U.S.-Remake - Filmplakat - Sony Pictures
Für David Fincher spielen Daniel Craig und Rooney Mara die Millennium-Trilogie-Helden Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander. Ab 12. Januar 2012 im Kino.

Regisseur David Fincher überzeugte seine Kritiker zuletzt mit "Der seltsame Fall des Benjamin Button" und "The Social Network". Mit "Verblendung" legt er nun seine eigene Stieg-Larsson-Verfilmung nach, die weder besser noch schlechter als das Original, aber auf jeden Fall anders ist. "Verblendung" mit Daniel Craig, Rooney Mara und Christopher Plummer startet am 12. Januar 2012 im Kino.

"Verblendung" - Die Handlung des U.S.-Remakes von David Fincher

Der Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) hat gerade einen niederschmetternden Gerichtsprozess verloren, bei dem er unter anderem wegen Rufschädigung angeklagt wurde. Ein Angebot von Anwalt Dirch Frode (Steven Berkoff) kommt ihm da gerade recht: Blomkvist soll auf einer abgeschiedenen schwedischen Insel herausfinden, wer vor mehreren Jahrzehnten die Nichte des Unternehmers Henrik Vanger (Christopher Plummer) umgebracht hat. Zeitgleich kämpft sich die Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) durch´s Leben, arbeitet in einer Sicherheitsfirma und hat hauptsächlich mit ihrem neuen rechtlichen Vormund (Yorick van Wageningen) zu tun, der sich ihr gegenüber wie ein Schwein aufführt. Da Lisbeth für Frode bereits Nachforschungen in Sachen Mikael anstellte, führen die Wege von ihr und Mikael schon bald zusammen.

David Fincher - Regisseur von "Verblendung" und "The Social Network"

David Fincher ist schon seit 1985 als Regisseur tätig, hat seine bisher größten Preise aber erst in den letzten Jahren errungen. Begonnen hat die Karriere Finchers dabei schon 1983, es folgten zahlreiche Musikvideos (Madonna, Michael Jackson). Spielfilme inszeniert Fincher seit 1992 und hat dabei zahlreiche zeitlose Filme geschaffen - "Alien 3" (1992), "Sieben" (1995), "The Game" (1997), "Fight Club" (1999), "Panic Room" (2002) und "Zodiac - Die Spur des Killers" (2007). Mit seinen bisher letzten beiden Filmen hat er endlich auch verdiente Kritikerehren erhalten: "Der seltsame Fall des Benjamin Button" (2008) brachte ihm Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe ein, das Facebook-Drama "The Social Network" (2010) bescherte ihm eine Oscar-Nominierung sowie den Golden Globe.

Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer - Die Darsteller von "Verblendung"

Der neue Mikael Blomkvist (im Original gespielt von Mikael Nyqvist) ist Daniel Craig ("Cowboys & Aliens"). Der Hollywoodstar trat zuletzt hauptsächlich in der Rolle des James Bond in "Casino Royale" (2006) und "Ein Quantum Trost" (2008) sowie im nächsten Jahr in "Skyfall" (2012) auf. In die gewaltigen Fußstapfen von Noomi Rapace als Lisbeth Salander tritt Rooney Mara, Jahrgang 1985. Sie war zuletzt unter anderem in einer Hauptrolle in "A Nightmare on Elm Street" (2010) sowie im Fincher-Film "The Social Network" (2010) zu sehen und spielt demnächst für Terrence Malick ("The Tree of Life") in "Lawless". Ebenfalls in "Verblendung" zu sehen sind Christopher Plummer ("Ein russischer Sommer"), Stellan Skarsgård ("Thor") als Martin Vanger, Robin Wright ("Forrest Gump") als Erika Berger, Joely Richardson ("Nip/Tuck", "Anonymus") als Anita Vanger, Yorick van Wageningen ("The New World") sowie Steven Berkoff ("Die Borgias"), Goran Visnijc ("Emergency Room"), Donald Sumpter ("Game of Thrones") und Geraldine James ("Sherlock Holmes 1+2").

Film-Kritik - U.S.-Remake "Verblendung" von David Fincher

Stieg Larsson schuf mit der "Millennium"-Trilogie eine weltweite Bestseller-Reihe, die in Schweden 2009 verfilmt wurde. Als die Amerikaner von einer eigenen Fassung sprachen, machten sich schlimme Vorahnungen bei Fans und Kritikern breit, weil das Original besonders wegen Lisbeth-Salander-Dartsellerin Noomi Rapace grandios war. Das legte sich deutlich, als David Fincher als Regisseur angekündigt wurde. Fakt ist: Die Neuauflage ist weder besser noch schlechter als das Original, sondern schlicht anders. Ein Grund ist, dass Finchers Version kein Remake ist, sondern eine eigene Adaption des ersten Bandes. So gibt es einige Szenen zu sehen, die im Original nicht vorkamen, andere wurden deutlich abgeändert, allerdings auch in Hinsicht zum Buch. Das mag einerseits irritieren, für sich allein gesehen ist das U.S.-Remake jedoch höchst stimmig und dabei in großen Teilen sogar nachvollziehbarer erzählt als das schwedische Original. Während beim Original noch die Lektüre des Buches von Vorteil war, ist dies für die Neuauflage in keiner Weise erforderlich. Manche im Original nur angeschnittenen Aspekte werden ausführlicher beleuchtet, neue wie etwa Mikaels Tochter hinzugefügt, andere dafür so abgeändert, dass die Geschichte flüssiger erscheint. Dass es sich um einen ganz anderen Film als das Original handelt, macht schon die großartige Eröffnungsszene à la James-Bond deutlich.

Zwei große Probleme gibt es jedoch: Das eine ist die dargestellte Beziehung von Mikael und Lisbeth. Diese entwickelt sich in Buch und Original langsam durch die gemeinsame Ermittlungsarbeit, in der Neuauflage ermitteln die beiden fast ausschließlich auf eigene Faust und steigen dann plötzlich miteinander in die Kiste, worauf sie dann sogar wie ein Pärchen wirken, wohingehend die Beziehung in Buch/Original eine deutlich schwierigere ist. Das zweite Problem ist die Darstellung der Lisbeth. Ist sie in Buch und Original eine unnahbare, emotional gestörte Frau, der man in jeder Szene anmerkt, wie ihr bisheriges Leben sie kaputt gemacht, wirkt sie im Fincher-Film häufig wie eine trotzige Göre, die einfach nur keinen Bock hat. Das Geheimnisvolle der Lisbeth geht somit vollständig verloren und damit leider auch das Herzstück des Films. Glücklicherweise spielt das Remake ebenfalls in Schweden, sodass die Stimmung bleibt und dank der Regiearbeit von Fincher und seinen Leuten noch intensiviert wird. An Nacktheit wird - ungewöhnlich für große U.S.-Produktionen - ebenfalls nicht gespart, für das Finale wird sich darüber hinaus deutlich mehr Zeit genommen als im Original.

Ein Remake wie dieses zu sehen, ohne von Buch oder Original voreingenommen zu sein, ist schier unmöglich. Wem dies nicht gelingt, der wird ständige Vergleiche anstellen, die mal positiv, mal negativ ausfallen. Wer Gedanken an vorangegangene Versionen in Buch- und Filmform ausschalten kann, kann sich über einen stylisch inszenierten Film mit spannender Geschichte und tollen Darstellern erfreuen.

Filmangaben

  • Titel: Verblendung
  • Originaltitel: The Girl With the Dragon Tattoo
  • Genre: Thriller
  • Land, Jahr: USA, 2011
  • Regie: David Fincher
  • Drehbuch: Steven Zaillian ("Schindlers Liste")
  • Buchvorlage: Stieg Larsson ("Män som hatar kvinnor" = "Männer, die Frauen hassen")
  • Darsteller: Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Robin Wright, Joely Richardson, Yorick van Wageningen, Steven Berkoff, Goran Visnijc, Donald Sumpter
  • Musik: Trent Reznor, Atticus Ross ("The Social Network")
  • FSK-Freigabe: ab 16 Jahre (beantragt)
  • Laufzeit: 158 Minuten
  • Kinostart: 12. Januar 2012

Quellen

Mathias Wagner, Christine Wagner

Mathias Wagner - Ich bin seit dem 23. April 2010 Mitglied von Suite101 und weiß inzwischen die Möglichkeiten zu schätzen, die mir dieses ...

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