Verblendung (2011, USA) - Filmkritik

Wer schickt Henrik Vanger getrocknete Pflanzen? - kaffee
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Unter dem Titel "The girl with the dragon tattoo" bringt David Fincher eine Hollywood-Fassung des 1. Teils der Millenium-Trilogie ins Kino.

2009 brachten die Schweden ihre Helden aus Stieg Larssons Millenium-Trilogie auf die große Leinwand. Nun, nur etwas mehr als zwei Jahre später, kommt ein Remake aus Amerika daher. Da fragt man sich schon, was das soll… eine Frage, die sich bis zuletzt hält – wenngleich man David Fincher Eines lassen muss: Spannende und bildgewaltige Filme machen, das kann er!

Inhalt - Familiendrama mit Mord-Ermittlung in schwedischem Setting

Eine unwegsame Insel an der in Eis getauchten schwedischen Küste. Eine dort residierende zerstrittene Familiendynastie von Großindustriellen. Und ein 40 Jahre alter Mordfall.

Diese Umstände bringen ein ungleiches Ermittler-Team zusammen: Der investigative Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist (DANIEL CRAIG), der gerade wegen übler Nachrede verurteilt wurde, trifft auf Lisbeth Salander (ROONEY MARA), die Hacker-Detektivin einer Sicherheitsfirma mit dunkler Vergangenheit. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach den Hintergründen des mysteriösen Verschwindens von Harriet, der Nichte des ehemaligen Firmenchefs Henrik Vanger (CHRISTOPHER PLUMMER), die sich als weitaus verwickelter entpuppen als zunächst gedacht – ein „einfacher Mordfall“ oder gar eine Biographie, wie die ursprüngliche und offizielle Agenda des Auftrags lautet, sieht anders aus. Nach und nach entfaltet sich die Vergangenheit, offenbaren sich die Familienbande und ihre Abgründe, industrielle Entwicklungen und persönliche Werdegänge werden in Einklang gebracht und driften wieder auseinander. Parallel dazu wird das Zwischenmenschliche Geschehen der Gegenwart immer verzwickter: Körperliche Nähe wird erzwungen, gesucht, ausgenutzt und genossen. Emotionale Wärme und Zuneigung kontrastiert mit Kälte, Hass und Gewalt.

Die Buchvorlage und die Filmfassung

Verblendung ist eine Geschichte über die Untiefen der Gesellschaft, über menschliche Abgründe und die kleinen und großen dunklen Geheimnisse. Dies ist auch in der Romanvorlage von Stieg Larsson deutlich sichtbar. Die Übersetzung des schwedischen Originaltitels macht einen weiteren Hauptpunkt der Erzählung offensichtlich: „Männer, die Frauen hassen“ – das ist eine unmissverständliche Aussage. Und laut David Fincher ‚ein rasiermesserscharfer Balanceakt‘, um die Brutalität und Rache, die Gewalt gegen Frauen sowie die ausgefeilten Arten der Erniedrigung filmisch so zu transportieren, dass man mitgerissen wird, ohne im Strudel zu versinken und somit die zugrunde liegenden Ideen erfassen kann. Sehr drastisch und nahezu kompromisslos wird der Zuschauer mit diesen Bildern konfrontiert – dadurch wird das Gefühl der Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit der Figuren fast körperlich nachvollziehbar und ihre Rache-Reaktionen erscheinen annähernd logisch und wie ein organischer Handlungsweitergang; bis der analytische Blick von außen in die Realität zurück führt und alles wieder in Frage stellt.

Fazit - der Nutzen und Unnutzen der Hollywood-Fassung

Es ist alles andere als leichte Kost, die David Fincher mit Verblendung serviert, aber damit wird er der Thematik und auch der Buchvorlage absolut gerecht. Trotz der enormen Überlänge – immerhin verbringt man bei Verblendung rund zweidreiviertel Stunden im Kino – wird es nicht langweilig: Dank der schauspielerischen Leistungen der Haupt- und Nebendarsteller, der Authentizität der Schauplätze, dem stetig wechselnden Erzähltempo und nicht zuletzt der gelungenen Kombination aus Bildern und Musik fiebert man mit – bis zum Ende.

Vergleicht man dieses Remake allerdings mit dem Original, so fragt man sich dennoch: Was hat David Fincher bewogen, eine Neuverfilmung nur so kurze Zeit nach der Veröffentlichung der schwedischen Fassung anzugehen? Schlecht war der schwedische Film nicht … anders vielleicht, weniger Hollywood. Aber muss man ihn deswegen gleich noch einmal drehen? Nur weil er nicht so „amerikanisch“ ist?

Bundesweiter Filmstart: 13. Januar 2012

Christina Helm, Christina Helm

Christina Helm - Magister Artium (M.A.) in systematischer Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Klassischer Literaturwissenschaft. Freie ...

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