Verdächtig – ein düsterer Thriller von Simon Kernick

Simon Kernick - Thriller Verdächtig - Heyne Verlag
Simon Kernick - Thriller Verdächtig - Heyne Verlag
In Simon Kernicks Actionthriller Verdächtig wird ein Krimiautor Zeuge der Entführung einer Bekannten und fortan von einer Mörderbande gnadenlos gejagt.

Man stelle sich vor, man verbringt eine heiße Nacht mit einer hübschen Bekannten, begibt sich danach ins Badezimmer und findet seine Bettgefährtin anschließend bewusstlos und in den Klauen zweier brutaler Eindringlinge wieder. Und schon befindet man sich in "Verdächtig", einem weiteren Thriller des britischen Krimiautoren Simon Kernick.

Wie schon in seinen vorangegangenen Werken "Gnadenlos", "Deadline" und "Todesangst" wirft der Shooting Star der britischen Krimiszene gleich auf den ersten Seiten einen unschuldigen Titelhelden in ein brutales Verbrechen, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Während in "Gnadenlos" ein unschuldiger Familienvater zufällig am Telefon erfährt, dass Bösewichter die Jagd auf ihn und seine Familie eröffnet haben, wird in "Deadline" die Tochter einer taffen Businessfrau von skrupellosen Entführern gekidnappt. In "Todesangst" schließlich erwacht ein Autoverkäufer neben der Leiche seiner neuen Freundin und wird von unbekannten Verbrechern als Täter denunziert und erpresst.

Simon Kernick konfrontiert einen harmlosen Bürger mit einem Strudel der Gewalt

Die Helden in Kernicks spannenden Thrillern sind meistens Angehörige der britischen Mittelschicht mit gutem Einkommen und Einfamilienhäusern am idyllischen Londoner Stadtrand, die scheinbar zufällig in einen Strudel aus Tod, Gewalt, Angst und Hetzjagden gezogen werden. Und "Verdächtig" schert auch nicht aus diesem Muster aus.

Rob Fallon, der Titelheld in "Target", so der Originaltitel des 2009 in Großbritannien erschienenen Romans, ist ein lethargischer, leicht abgehalfterter und geschiedener Buchautor, der schon lange an einem großen Wurf arbeitet – der Biografie eines angeblich großen Gangsters der Londoner Unterwelt vergangener Jahrzehnte.

Doch just in dem Moment, als er sich im Badezimmer befindet, wird seine Sexfreundin von zwei Eindringlingen niedergeschlagen und entführt. Fallon kann sich zuerst verstecken, wird jedoch entdeckt und von den Verbrechern fast zu Tode gehetzt. In letzter Sekunde kann er entkommen und vertraut sich der Polizistin Tina Boyd an.

"Verdächtig" - ein Unschuldiger wird von Killern gejagt

Und hier beginnt Kernick wieder mit einem weiteren Teil seiner Mike-Bolt-Reihe um den melancholischen, aber harten Londoner Kriminalisten, der sich scheinbar aussichtsloser Verbrechern annimmt und mit seinem Team schnell selbst ins mörderische Geschehen hinein gezogen wird.

Boyd glaubt den Ausführungen Fallons zuerst nicht, bleibt aber skeptisch. Als sie ihren Ex-Kollegen Bolt hinzuzieht und die Ermittlungen aufnimmt, gerät sie ebenso wie der von einem gedrungenen Auftragskiller gejagte Krimiautor an viele dubiose Mittelmänner, Leichen und Gewalttaten – zumal sich die angeblich entführte Freundin angeblich im Urlaub befindet.

Auf unterschiedlichen Wegen finden Bolt, Boyd und Fallon heraus, dass weitaus mehr hinter der scheinbar sinnlosen Entführung einer ehemaligen Reisebüro-Angestellten steckt – ein Verschwörung, die in höchste Wirtschaftskreise reicht, und ein Attentat auf die britische Sicherheit.

Die außergewöhnliche Krimireihe um den Ermittler Mike Bolt

Mehr sei hier nicht verraten. Wie in seinen anderen Werken schafft es Kernick, die Handlung von "Verdächtig" trotz zahlreicher Nebenstränge und mehrerer Protagonisten ohne Ruhepausen für den Leser voranzutreiben und immer Konstanz und Spannung zu wahren. Und Mike Bolt kommt wie immer erst später in die Handlung, die Kernick anfangs vollkommen dem seinem Titelopfer überlässt.

Im Gegensatz zum Vorgängerroman allerdings erscheint Bolt nicht nach 300 Seiten als bloße Randfigur, sondern wird relativ schnell über den Umweg seiner Exkollegin Boyd ins Geschehen involviert. Und anders als der Ex-IRA-Kämpfer und Autoverkäufer Tyler in "Todesangst", der selbst auf Mörderjagd geht, ist der Schreiberling Rob Fallon mit der ganzen Situation überfordert, auch wenn er mehrfach in Todesfallen gerät und über sich hinaus wächst.

Ähnlich wie in "Todesangst" kommt es zu einem großen Showdown auf dem Land außerhalb Londons, das Kernick wiederum drehbuchreif packend in Szene setzt. Gerade mit dem Vorgängerroman, in der der Protagonist quasi im Bett nach einer Liebesnacht kalt erwischt wird, hat "Verdächtig" viele Parallelen, und auch die IRA spielt wieder eine wichtige Rolle.

Kernick ist noch lange nicht müde – viel Spannung und Action in "Verdächtig"

Ermüdungserscheinungen zeigen die vier in Deutschland veröffentlichten Mike-Bolt-Krimis aber trotz einiger gleicher Muster und Wiederholungen noch keineswegs. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie lange Kernick die Leser in seinen nächsten Werken wie dem jüngst erschienenen "Instinkt" noch mit dieser Matrix bei Laune halten kann.

Simon Kernick, geboren 1966 in Slough, England, lebt mit seiner Familie in Oxfordshire. Nach seinem Abitur studierte er Geisteswissenschaften an der University of Brighton, ging auf längere Reisen durch die USA, Kanada und Australien und arbeitete als Straßenbauer, Barmann, Erntehelfer, Lagerarbeiter und Computer-Software-Verkäufer. Seit 2002 erscheinen jährlich neue Romane von ihm, darunter die Reihe um den Polizeikommissar Mike Bolt.

Mehr Informationen gibt es auf der englischen Website des Autoren.

Simon Kernick: Verdächtig. Heyne 2010. Broschiert, 462 Seiten. 8,95 Euro.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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