Verdienen Frauen wirklich 20 Prozent weniger als Männer?

Weniger GEld für Frauen - pixabay
Weniger GEld für Frauen - pixabay
Große Zahlen lassen sich in den Medien besser verkaufen. So geisterte auch die Zahl von 23 Prozent Gehaltsunterschied bei gleicher Arbeit durch die Presse.

Neudeutsch spricht man vom sogenannten "Gender-Gap" und er wurde vielfach in Presse, Funk und Fernsehen mit beinahe einem Viertel angegeben, das Frauen bei gleicher Arbeit weniger verdienen als Männer. Wie das bei Statistiken so der Fall ist, ist vieles dabei Interpretation. Die differenzierte Betrachtung, die immer noch zu einem Gehaltsunterschied von rund acht Prozent kommt, ist aber weniger durch die Zeitungsberichte gewandert als die erschreckende Zahl von rund einem Viertel Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. Die Zahl ist nun in die Welt gesetzt worden und bietet eine angeblich gesicherte Grundlage für Diskussionen etwa auch über eine verbindliche Frauenquote.

Manche Faktoren müssen bei den Gehaltsunterschieden herausgerechnet werden

Die 23 Prozent sind in der Welt und auch nicht unbedingt falsch. Allerdings wurden bei diesem Wert einige Faktoren nicht mit einbezogen, die auf die Gehaltshöhe auswirken, aber nichts mit einer strukturellen Benachteilung von Frauen zu tun haben. Die Berufswahl von Mädchen betrifft nämlich auch Berufe, die tendenziell niedriger bezahlt sind als die Berufsziele von Jungen. Wenig beachtet wurde, dass das statistische Bundesamt sich gezwungen sah, die weit verbreitete Zahl von 23 Prozent Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, klarzustellen. In einer Pressemitteilung wird deutlich gemacht, dass sich davon zwei Drittel strukturell erklären lassen. Es verbleiben dann allerdings immer noch acht Prozent Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit - nicht einmal der Staat hält sich daran

Die Forderung von "gleichem Geld für gleiche Arbeit" wird von Politikern oft im Mund geführt. Dort wo sie selbst darüber entscheiden, sieht es aber ganz anders aus. Gleiches Geld für gleiche Arbeit bekommt man nur dann, wenn der Preis für Arbeit festgesetzt wird. Das bekommen die Politiker noch nicht einmal am unteren Ende der Einkommensskala bei einem gesetzlichen Mindestlohn hin. Man könnte aber glauben, dass es bei den Beamten, dort wird ja nicht ausgehandelt, sondern per Gesetz die Besoldung festgesetzt, gleiches Geld für gleiche Arbeit gibt. Dem ist aber nicht so. Der Trend führt sogar dahin, dass die Unterschiede zwischen den Bundesländern bei der Besoldung der Beamten größer wird, seitdem die Bundesländer selbst darüber entscheiden können, wieviel sie ihren Staatsdienern zukommen lassen. Ein Lehrer in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) bekommt für die gleiche Arbeit eine andere Besoldung wie sein Kollege über der Rheinbrücke in Mannheim (Baden-Württemberg).

Ein Blick auf die Besoldungstabellen zeigt, dass auch zwanzig Jahre nach der Vereinigung die Besoldung der Staatsdiener im Osten rund zehn Prozent niedriger ist als die im Westen. Gehaltsunterschiede lassen sich also immer finden. Man kann viele Statistiken aufstellen und die Vergütung der Menschen nach Geschlecht, Herkunft, Religion, Links- oder Rechtshänder untersuchen und wird feststellen, dass die eine Gruppe mehr als die andere bekommt. Die Gleichstellungs- und Gleichberechtigungsdiskussion greift lediglich ein Merkmal, nämlich das Geschlecht, besonders heraus (siehe hierzu den Artikel über die Geschlechterquote).

Mit einer Gegenbewegung zum Feminismus, den sogenannten Maskulinisten befasst sich der Artikel "Männerrechtsbewegung".

Alexander Benra, Alexander Benra - privat

Alexander Benra - Alexander Benra, Jahrgang 1966, ist Jurist mit langjähriger Erfahrung in dem Fachgebiet Arbeitsrecht. Wichtiger Hinweis: Die ...

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